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Mönchengladbach
Altstadtwirte treffen ihren Schutzpatron

Mönchengladbach: Altstadtwirte treffen ihren Schutzpatron
Rund 20 Gastronomen aus der Altstadt, Altstadt-Sheriff Vitz und Stadtplaner Taco de Marie erkundeten das historische Mönchengladbach. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Angeleitet von einem Stadtführer im Mönchsgewand spüren die Gastronomen der Geschichte Mönchengladbachs nach. Von Angela Rietdorf

Das waren goldene Zeiten: Vor 200 Jahren gab es in Mönchengladbach 60 Kneipen, davon brauten 40 ihr eigenes Bier. Und es war gutes Bier. "Das lag an der Wasserqualität", berichtet Franz-Josef Wirtz, Stadtführer im Mönchsgewand. "Die war berühmt, auch der Kaffee, den man in der Stadt bekam, galt als hervorragend wegen des guten Wassers." Das beste Bier übrigens soll in einem Gasthof gebraut worden sein, der hinter dem noch heute erhaltenen Stück Stadtmauer lag. Franz-Josef Wirtz' Zuhörer sind beeindruckt. Kein Wunder, denn sie sind vom Fach. Es sind Mitglieder des Clubs der Altstadtwirte.

Rund 20 Gastronomen haben sich, verstärkt durch Altstadt-Sheriff Vitz, den heutige Bezirksbeamten und den Stadtplaner Taco de Marie, auf den Weg gemacht, um das historische Mönchengladbach kennenzulernen. "Als Altstadtwirte sind wir an der Geschichte der Stadt interessiert", sagt Igor Zonjiæ, der unter anderem das Sunside am Alten Markt betreibt. Und sie wollen ihren Gästen auch Tipps geben können. "Wir werden ja auch immer mal gefragt, was man noch machen kann in der Stadt", erklärt Hauke Jakob vom Brauhaus Manamana. Deshalb wandern sie nun mit Franz-Josef Wirtz durch die Altstadt und lassen sich Geschichten erzählen. Neben der bekannten Gründungslegende der Stadt hat der Stadtführer noch viele andere auf Lager und macht die Teilnehmer mit erstaunlichen Details bekannt. "Wir stehen hier auf meterhohem Schutt", erklärt er im Geropark.

Alles, was oberhalb des Wasserspiegels des Geroweihers liege, sei aufgeschüttet. Auch die Stadtmauer kann man nicht ganz sehen. "Sie ist eigentlich 5,50 Meter hoch", erklärt Wirtz. Der Hoppediz und die Prinzensäule am Fuß der Altstadt wecken das Interesse der Teilnehmer. "Der erste Veilchendienstagszug fand 1936 statt", erzählt Wirtz, der selbst einmal Karnevalsprinz in Rheydt war.

Danach geht es zum Alten Zeughaus, wo die letzte verbliebene Pumpe der Stadt zu sehen ist. "Auch auf dem Alten Markt stand so eine Pumpe, und sie gab das beste Wasser der Stadt, weil der Berg aus Sand ist und der Sand das Wasser gut filtert", erläutert Wirtz. Dann macht er die Altstadtwirte auf eine Figur aufmerksam, die in einer Nische über ihnen thront. "Das ist der heilige Vitus, der Schutzpatron der Stadt und der Wirte", sagt er. "Da passt aber alles zusammen in Mönchengladbach", freut sich einer der Teilnehmer. Weiter geht es durch die Altstadt bis zum Alten Markt, wo mit dem St. Vith nicht nur das älteste, sondern auch das zweitälteste Haus der Stadt steht. Das sei die Adler-Apotheke, berichtet Wirtz, und erzählt dann noch vom großen Stadtbrand im 17. Jahrhundert, wo nicht nur mehr als 150 Häuser ein Opfer der Flammen wurden, sondern auch vier Brauereien. "Das hat den Gladbachern damals besonders wehgetan", sagt er. Igor Zonjiæ ist beeindruckt. "Das wusste ich alles nicht", sagt er. "Ich würde gern ein paar alte Fotos sehen." Vielleicht hat Franz-Josef Wirtz ja welche dabei und lässt sie beim die Tour beschließenden Absacker herumgehen.

Quelle: RP
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