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Mönchengladbach
Angeklagter schweigt weiter zur Tat im Totschlagsprozess

Mönchengladbach. Laut Anklage soll der 38-Jährige, dem die Staatsanwältin Totschlag vorwirft, am 12. Februar in seiner Wohnung an der Hohlstraße in Rheydt eine Frau nach gemeinsamem Drogen-und Alkoholkonsum erwürgt haben. Danach hatte er die Wohnung verlassen und war über Belgien nach Spanien geflohen. Im Prozess vor der 7. Großen Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts hatte der Mann lediglich zugegeben, dass er in Gaza geboren und 2007 nach einer langen Flucht in Deutschland gelandet sei. Ansonsten hatte er im Schwurgerichtssaal hartnäckig geschwiegen und nur einmal lediglich erklärt: "An die Tat kann ich mich nicht erinnern." Von Ingrid Krüger

Aussagebereiter hatte sich der 38-Jährige allerdings gezeigt, als er nach der Flucht im Februar in Spanien gelandet war und nach einem internationalen Haftbefehl schließlich in Madrid vom Mönchengladbacher Kriminalbeamten Ingo Thiel und dessen Kollegen abgeholt worden war. Und im Flugzeug soll er sich mit Thiel außerdem offen über die Tat unterhalten haben. Das bestätigte der 53-jährige Beamte gestern in seiner Zeugenaussage.

Das Opfer des Totschlags, so habe der Angeklagte gesagt, habe denselben Vornamen wie seine Ehefrau gehabt und sei damals in seine Wohnung gekommen, "weil sie etwas zu rauchen wollte". Später sei es zum Streit gekommen. Sie habe ihn mit einer Bierflasche geschlagen, hatte der Angeklagte Ingo Thiel erklärt. Es habe ein Gerangel gegeben, er habe das Opfer am Hals gewürgt. Danach habe die Frau keine Regung mehr gezeigt. Offensichtlich sei sie tot gewesen. Er sei daraufhin schnell verschwunden. Trotz dieser Zeugenaussage gab der Angeklagte gestern erneut an, sich nicht an die Tat erinnern zu können. Ermittler Ingo Thiel erklärte, der Angeklagte habe sich im Flugzeug problemlos auf Deutsch verständigen können.

Die 28-jährige Mutter eines gemeinsamen Sohnes erinnerte sich gestern in ihrer Zeugenaussage ebenfalls an gewalttätiges Verhalten des Angeklagten. Er habe sie bedroht und geschlagen. Ein psychiatrischer Sachverständiger erklärte gestern, dass es sich bei dem angeklagten Verbrechen nicht um eine Hangtat handele. Nach häufigem Missbrauch von Suchtmitteln sei der 38-Jährige sozial auffällig geworden. Eine Einschränkung der Steuerungsfähigkeit konnte der Gutachter bei dem Angeklagten nicht feststellen. Plädoyers sind für kommenden Montag geplant.

Quelle: RP