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Mönchengladbach
Angst vor dem Tierkiller

Mönchengladbach. Ein Hund und eine Katze sollen qualvoll verendet sein. Tierhalter in Hardt sind sicher: Das war Werk eines Tierhassers, der schon seit Wochen Giftköder auslegt. Beweise gibt es nicht, deshalb schreitet die Polizei nicht ein. Von Inge Schnettler

Hunde werden an der kurzen Leine gehalten, Katzen zu Hause eingesperrt. Schilder warnen eindringlich vor dem "Tierkiller", und die Jäger haben eine Belohnung von 500 Euro für sachdienliche Hinweise ausgesetzt, die den Spuk beenden könnten. Rund um Heidkamp und Karrenweg in Hardt herrscht die blanke Panik. Seit Wochen schon sollen hier vergiftete Fleischstücke und Brotscheiben ausgelegt worden sein.

Zwei Hardterinnen haben Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Katze von Hildegard Engels hat den Giftköder knapp überlebt, sagt sie, die Katze von Friedel Theismann hatte kein Glück, sie starb. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen inzwischen eingestellt. Es findet sich – trotz aller Hinweise aus Hundehalterkreisen – kein Täter. Und auch das vergiftete Fleisch hat bisher kaum einer gesehen.

Dirk Brauner, Sprecher der Kreisjägerschaft hat von den Vorfällen in Hardt gehört. "Ich habe mit etlichen Hundehaltern gesprochen, Köder habe ich nicht gesehen", sagt er. Dennoch nimmt er die Angelegenheit ernst. Denn die vergifteten Fleisch- und Brotscheiben sollen nicht nur rund um die Hochhäuser am Karrenweg ausgelegt worden sein, sondern auch entlang des Weges, der zum Kindergarten und zum Schulzentrum führt. "Wenn an der Sache etwas dran ist, muss ich mir natürlich auch Sorgen um die Waldtiere machen."

Revierpächter Karl-Heinz Böhm hat mit der Kreisjägerschaft die Belohnung ausgesetzt. "Es haben ein paar Leute bei uns angerufen und gesagt, sie hätten verdächtige Personen gesehen." Er habe zwar selber nie einen Giftköder gesehen, nehme die Sorgen der Menschen aber ernst. "Viele sind alarmiert, alle halten die Augen offen", sagt er.

Susann Rubow hat zwar kein Haustier, betreut aber die Homepage von der Tiertafel in Hardt und weiß daher schon länger von den Vorfällen in Hardt. "Ich habe zwei verdächtige Fleischstücke und eine Brotscheibe gefunden", sagt sie. Nachdem sie die Lebensmittel angefasst hatte, habe sie Bauchschmerzen, Krämpfe und Durchfall bekommen. Auch ein Schulkind soll ein augenscheinlich verändertes Stück gefunden haben. "Was hätte da alles passieren können", sagt Susann Rubow.

Die Tierärzte in Hardt behandeln zwar immer wieder Vergiftungen bei Hunde und Katzen, aber von außergewöhnlichen Fällen können sie nicht berichten. Dr. Adalbert Hermann hat in seiner Tierklinik keine vergifteten Haustiere behandelt. "Wir haben immer wieder Durchfälle und Erbrechen, aber das ist nicht ungewöhnlich."

Tierärztin Dr. Rita Otten ist aufgefallen, dass zeitgleich vier Hunde aus Hardt und einer aus Venn mit übereinstimmenden Symptomen zu ihr gebracht wurden. "Die Tiere hatten Vergiftungserscheinungen, aber wir konnten allen helfen." Auch Tierärztin Dr. Johanna Prem hat von den Gift-Gerüchten gehört. "Ich habe auch Vergiftungen bei Haustieren behandelt, die immer wieder zitierten Köder habe ich aber nie gesehen."

Willy Theveßen bestätigt, dass es eine Strafanzeige aus Hardt gegeben habe. "Aber die Geschichten, die wir von dort hören, können wir nicht verifizieren", sagt der Polizeisprecher. Immer mal wieder gäbe es in der Stadt ähnliche Aufreger-Themen. "Geschädigte sollen sich auf jeden Fall bei der Polizei melden." Das sei womöglich die einzige Chance, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Quelle: RP
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