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Mönchengladbach
"Annelise 2" schreibt Luftfahrtgeschichte

Mönchengladbach: "Annelise 2" schreibt Luftfahrtgeschichte
Einmal volltanken bitte - beim Fotoshooting in Fliegerklamotten der 1920er. FOTO: AH-TV
Mönchengladbach. Am kommenden Donnerstag geht in der Schweiz ein Nachbau einer Junkers F 13 auf Jungfernflug, konstruiert nach den Originalplänen des Rheydter Pioniers. Ein Zeitzeuge ist mit dabei. Die Idee zu dem Projekt hatte ein Gladbacher Verein. Von Jan Schnettler

Das wird eine Begegnung der ganz besonderen Art, wenn Hans-Walter Bender auf Annelise 2 trifft. Am Donnerstag kommender Woche wird es soweit sein. Bender, mittlerweile 93, ist als Sechsjähriger einmal mit einer Junkers F 13 geflogen, der "Urmutter aller Verkehrsflugzeuge", die zugleich Vorläufer der noch berühmten "Tante" Ju 52 war. Seine Mutter hatte ihm den fünf Reichmark teuren Rundflug über Görlitz geschenkt. Heute vor 87 Jahren war das, am 8. September 1929 - und das Ereignis war so prägend, dass Bender den Original-Flugschein bis heute behalten hat. Am 15. September nun wird er wieder dabei sein, wenn sich eine F 13 in die Lüfte schwingt.

Wie das geht, obwohl von dem legendären Modell aus der Schmiede des Rheydter Pioniers Hugo Junkers nur noch eine Handvoll Maschinen übrig sind, die überdies allesamt seit Jahrzehnten nicht mehr flugfähig sind? Es wurde einfach ein neues Flugzeug gebaut, wobei "einfach" eine starke Untertreibung ist. Der Nachbau nach Junkers' Originalplänen, der sich nun zu seinem Jungfernflug aufmacht, entstand über 15 Monate, 9000 Stunden Handarbeit stecken drin. Es besteht aus 2600 Bauteilen und über 35.000 Nieten. Zusammengesetzt wurde die 450 PS starke Maschine, die 170 km/h schafft und eine Reichweite von 600 Kilometern hat, dann im schweizerischen Dübendorf, wo auch die Innenausstattung aus Leder eingebaut wurde. Wo der Erstflug zelebriert werden wird - und wo auch die Rimowa Flugzeugwerke AG ansässig sind. Denn hinter dem Projekt steckt nicht zuletzt der Kölner Kofferhersteller Rimowa, der auch Sponsor der Ju-52-Rundflüge ist.

Während der Produktion. FOTO: Filmmaterial AH-TV

Aber auch der in Gladbach ansässige Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge (VfL), in ganz erheblichem Maße sogar. 2009 hatte Vorsitzender Bernd Huckenbeck die Idee, eine F 13, das erste Ganzmetallflugzeug der Luftfahrtgeschichte, flugfähig zu restaurieren oder nachzubauen. In Rimowa-Chef Dieter Morszeck fand er einen engagierten Mitstreiter. Der spricht heute, wenn er die "neue" F 13 thematisiert, von einem der "Highlights in meinem Leben" - und will die Maschine aus einer Alu-Legierung sogar in Serienfertigung geben. 2,2 Millionen Euro werden pro Stück aufgerufen.

Junkers hatte den Bau der F 13 im Jahr 1919 in Auftrag gegeben. Über 330 der einmotorigen sechssitzigen Flugzeuge wurden bis 1933 in den Junkers-Werken in Dessau gebaut und bildeten das Rückgrat vieler Fluggesellschaften auf der ganzen Welt. Im September 1919 stieg die F 13 mit dem Namen "Annelise" - "Junkers hat angefangen, die ersten beiden Flugzeuge mit den Namen seiner Töchter zu versehen", sagt Huckenbeck - auf 6750 Meter und stellte so einen Weltrekord auf. In Anlehnung daran heißt der Nachbau "Annelise 2".

Fotos und Zitate entstammen Filmmaterial der Produktionsfirma AH-TV, die eine Langzeit-Dokumentation über den F 13-Nachbau erstellt.

Quelle: RP
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