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Mönchengladbach
Anwalt für eine ganze Stadt

Mönchengladbach: Anwalt für eine ganze Stadt
Peter Backes war erfolgreicher Rechtsanwalt und Chef einer Kanzlei mit zehn Juristen. Dr. Backes und Partner wurden unter anderem bekannt durch spektakuläre Fälle wie den Germanwings-Absturz. FOTO: Markus Rick
Mönchengladbach. Er starb, wie er gelebt hat: überraschend. Peter Backes ist tot. Der promovierte Jurist, prominente Rechtsanwalt und Unternehmer, in Stadt und Land geschätzter Ratgeber und Problemlöser, starb am Samstag. Er wurde 65 Jahre alt. Von Horst Thoren

Der Kampf gegen ein schweres, tückisches Leiden, den er über sechs Jahre tapfer und still geführt hatte, ging für ihn am Ende doch verloren. Erst vor vierzehn Tagen war Peter Backes, den viele Freunde noch bei seinem Netzwerktreff Ende Juni agil und ideensprühend erlebt hatten, als Notfall ins Krankenhaus gekommen. Für alle kam sein Tod überraschend.

Dem Karneval waren Peter Backes und seine Frau Elke verbunden, hier bei der RP-Party. FOTO: Ilgner Detlef

Wie kaum ein anderer in dieser Stadt verstand es Peter Backes, Kontakte zu knüpfen und Verbindungen herzustellen - oft bundesweit. Er sah sich als Moderator, der mit Rat und Tat Entwicklungen und Projekte begleitet, befördert und zum Erfolg führt. Sein juristisches Wissen, seine besonderen Kenntnisse als Fachanwalt für Steuerrecht, und seine Fähigkeiten als Vordenker brachte er zielorientiert ein.

Die von ihm gegründete Kanzlei Dr. Backes und Partner, mit zehn Juristen eine der größten in der Region, positionierte er in der Beratung von Unternehmen wie Privatpersonen. Er selbst hatte seinen Schwerpunkt im Unternehmens- und Steuerrecht, war im Medizinrecht bewandert und deshalb gesuchter Berater auch für Krankenkassen und Ärzteverbände.

Beim Stadtschützenfest war Backes aktiv dabei - 2011 auf einem historischen Rad. FOTO: Ilgner Detlef

Und gleichzeitig nahm er sich Zeit auch für die "kleinen Fälle", war mit seiner Kanzlei Rechtsbeistand für Karnevalsgesellschaften und Brauchtumsvereine, unterstützte Musikgruppen und Künstler, beriet "kleine Leute", die ihn bei Begegnungen in der Stadt angesprochen und um Hilfe gebeten hatten. Seine Rolle als Nothelfer übertrug er - durchaus auch öffentlichkeitswirksam - auf seine Kanzlei, die in spektakulären Fällen Opfer und Hinterbliebene von Katastrophen (wie zuletzt beim Absturz der Germanwings-Maschine 2015 in den französischen Alpen) vertrat.

Seinen Erfolg zeigte Backes - mit einem repräsentativen Bürokomplex am Landgericht, mit seinem Einstieg ins Autogeschäft bei BMW (Faba Autowelt), mit seinem Netzwerktreff "Herrenabend", zu dessen 30. Wiederholung vor drei Wochen mehr als 300 Multiplikatoren aus Wirtschaft und Politik, Gesellschaft und Brauchtum kamen.

Seine Freude am Leben teilte er - mit Familie und Freunden. Er feierte. Er lud mit seiner Frau Elke, der Autorin und Kunstbloggerin, gern Gäste ein. Er war ein unterhaltsamer Gesprächspartner. Er spielte für sich und zur Unterhaltung Klavier. Er liebte Borussia.

Die Familie und enge Weggefährten kannten aber auch den anderen Peter Backes, der sich eher zurückzog, von Nachdenklichkeit bestimmt war. Da war nichts mehr zu spüren vom ausgelassenen Spaßvogel der jüngeren Jahre. Mit dem frühen Tod seiner ersten Frau, der Medizinerin Anne Backes, war er stiller geworden, deutlich stiller. Erst seine Heirat mit Elke Backes gab ihm neuen Mut. Halt gaben ihm aber auch seine Kinder, die Juristen Max (bereits Partner in der Kanzlei) und Felix und Johanna, die Medizin studiert.

Peter Backes war ein guter, aber kein einfacher Mensch. Er verlangte sich etwas ab und erwartete das auch vom Anderen - im Beruf wie im Privatleben. Er war in der Sache hart und doch im Umgang versöhnlich. Er konnte streiten - und tat das gern. Er konnte lachen - und tat das häufig. Er war wie die geschnitzten bunten Clowns, die er besten Freunden schenkte: manchmal hölzern, mit Schminke im Gesicht. Er war Ratgeber, Wohltäter, Problemlöser. Er war wie Gladbach - einfach herzlich.

Quelle: RP
 
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