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Mönchengladbach
App-Abzocke und andere Tricks

Mönchengladbach: App-Abzocke und andere Tricks
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Mönchengladbach. Noch nie hatten Kinder so viel Geld zur Verfügung, noch nie hatten sie so viele Schulden. Auch deshalb setzt die Verbraucherberatung verstärkt auf Prävention. In Schulen informieren die Fachleute über Kaufrecht und Kostenfallen. Von Gabi Peters

Einmal unbedacht aufs Handy-Display gedrückt - und schon zahlen Internet-Nutzer monatelang für dubiose Dienste. Auch in Mönchengladbach sind Smartphone- und Tablet-Besitzer reihenweise in den Schlamassel geraten. Das hat die Verbraucherberatungsstelle 2015 im vergangenen Jahr deutlich zu spüren bekommen. In mehr als ein Drittel aller Rechtsberatungsgespräche geht es um den Bereich Telekommunikation. Und die App-Abzocke ist ein besonders mieser Trick. Die dubiosen Dienste mieten einfach einen Werbebanner, der über das Display läuft, wenn man Spiele, Wettervorhersagen oder Rezepte aufruft. Manchmal reicht das Schließen eines solchen Pop-up-Fensters, und schon hat man ein kostenpflichtiges Abo am Bein. "Viele Betroffene erfahren erst davon, wenn das Abo-Entgelt über die monatliche Mobilfunkrechnung abgebucht wurde", sagt Verbraucherberaterin Bettina Theißen. Und: "Manchmal bezahlen sie 4,99 Euro die Woche, manchmal aber auch 19,99 Euro."

Möglich ist das Ganze über die so genannte WAP-Verbindung, mit der man unkompliziert per Smartphone zahlen kann, ohne Kunden- und Kreditkartendaten angeben zu müssen. Dafür wird die Rufnummer des Nutzers automatisch an den Drittanbieter weitergeleitet. Der fordert dann über den Mobilfunk-anbieter sein Geld. Diese Abbuchungsvereinbarung soll eigentlich kundenfreundlich sein, wird aber von dubiosen Drittanbietern schamlos ausgenutzt.

Eigentlich muss der Kunde in solchen Fällen nicht zahlen, weil bei einer Internet-Bestellung der Kauf per Button extra bestätigt werden muss. Aber in der Verbraucherberatungsstelle Mönchengladbach weiß man, wie schwierig die Rückerstattung in solchen Fällen ist. Denn erst einmal muss der Drittanbieter gefunden werden, und die Mobilfunk-anbieter seien dabei keine große Hilfe, sagt Bettina Theißen. In der Verbraucherberatungsstelle an der Bahnhofstraße gibt es Musterbriefe, mit denen man Drittanbieter sperren lassen kann. Das ist übrigens das Erste, was der neue Leiter der Beratungsstelle, Sebastian Dreyer, nach Amtsantritt tat. Die Fachleute informieren auch darüber, ob und wie bereits eingezogene Lastschriften zurückgeholt werden können.

Auf Handy-Tricks fallen nicht nur, aber auch Kinder herein. Die hatten laut Verbraucherberaterin Ursula Winbeck noch nie so viel Geld zur Verfügung wie heute, aber auch noch nie so viele Schulden. Deshalb setzt man in der Beratungsstelle verstärkt auf Prävention.

Doppelt so viele Informationsveranstaltungen, nämlich 544, wurden im Vergleich zum Vorjahr angeboten. Darunter waren viele so genannte Durchblickaktionen für Kinder und Jugendliche, die von Schulen gebucht werden können. Dabei ging es viel um Kaufrecht und Kauffallen, um die Finanzierung der ersten eigenen Bude und ebenfalls um Handy- und Internetabzocke. Gewarnt wird zum Beispiel auch vor den Tricks der Freemail-Diensten, die kostenfreie "Sondernutzungen" versprechen, dann aber oft in versteckten bezahlpflichtigen Abos enden.

Der Bereich Finanzen bildet die zweite große Sparte in der Mönchengladbacher Beratungsstelle. 23 Prozent der insgesamt 9000 Anfragen und 12.800 Internetzugriffe drehten sich um Schulden, Kredite, Kontoführungen, Pfändungen und Inkassoforderungen.

Weil das so ist, bietet Sebastian Dreyer ab sofort in der Verbraucherberatungsstelle an der Bahnhofstraße immer montags zwischen 16 und 17 Uhr eine offene Sprechstunde zum Thema Geld an. Eine vorherige Terminvereinbarung sei dabei nicht notwendig.

Quelle: RP
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