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Sonja Steinhoff
Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Mönchengladbach. Sonja Steinhoff ist als "Professional Au-pair" in Kalifornien und lernt so die USA von innen kennen. Von Angela Rietdorf

Was ein Au-pair ist, wissen die meisten. Das Angebot des "Professional Au-pair" ist dagegen weitgehend unbekannt. Dabei bietet es ausgebildeten Fachkräften aus dem sozialen Bereich die Möglichkeit, ihre beruflichen Kompetenzen einzubringen und gleichzeitig die Welt kennenzulernen. So wie Sonja Steinhoff aus Mönchengladbach, die seit 14 Monaten in Kalifornien lebt, dort drei Kinder betreut und ihre Zeit an der amerikanischen Westküste aus vollem Herzen genießt.

Wie kommt man auf die Idee, Professional Au-pair zu werden? Und was ist das eigentlich?

Sonja Steinhoff Mich hat nach meiner Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin das Abenteuer gelockt. Der Auslandsaufenthalt als Au-pair bietet die einmalige Gelegenheit, ein Land sehr preisgünstig zu bereisen und viele neue Leute und Orte kennenzulernen. Ein Professional Au-pair hat eine abgeschlossene Ausbildung im sozialen Bereich und kennt sich mit der Betreuung von Neugeborenen, Kindern mit besonderem Förderbedarf oder auch der gleichzeitigen Betreuung von mehr als einem Kind aus. Wie bei einem normalen Au-pair leben Professional Au-pairs in der Familie, bekommen Kost und Logis sowie ein vorab vereinbartes Gehalt. Ich lebe bei einer Familie mit drei Kindern in San Clemente in Orange County zwischen Los Angeles und San Diego.

Worin bestehen Ihre Aufgaben?

Steinhoff In meiner Gastfamilie betreue ich ein achtjähriges Mädchen mit ADHS und Legasthenie, einen zehnjährigen Jungen mit ADHS und einen 13-Jährigen mit Asperger-Autismus. Meine Hauptaufgabe besteht darin, die Therapien der Kinder zu begleiten, sie möglichst auch im Alltag umzusetzen und dafür zu sorgen, dass die Kinder ihre Medikamente nehmen. Ich wecke die Kinder rechtzeitig, mache sie für die Schule fertig und fahre sie hin, wenn das nicht ihre Mutter tut. Um 15 Uhr hole ich sie wieder ab, bringe sie zur Therapie oder zum Sport, und begleite die Hausaufgaben. Dann koche ich für meine Kinder und für meine Gastmutter. Und schließlich bringe ich sie ins Bett.

Wie sehen Ihre Arbeitszeiten aus? Und was tun Sie in der Freizeit?

Steinhoff Meine Arbeitszeiten sind individuell, so wie es meine Gast-Mom benötigt. Wir besprechen jeden Sonntag die kommende Woche. Ich arbeite maximal 45 Stunden pro Woche, habe anderthalb Tage pro Woche am Stück frei und auch Anspruch auf Urlaub. Wenn die Kinder in der Schule sind, habe ich Freizeit. Zweimal pro Woche arbeite ich ehrenamtlich in einer Vorschule für Drei- bis Fünfjährige und in einer "Kindergarten-Class" für die Fünf- bis Sechsjährigen. Meine Freizeitgestaltung sieht heute anders aus als in Deutschland, wo ich meine Zeit mit Fußball und Moto-Cross verbracht habe. Heute treffe ich mich fast täglich mit meinen Freunden bei Starbucks oder zum Surfen am Strand. Die Freunde, die ich hier gewonnen habe, sind einfach nur toll.

War es eigentlich schwierig, sich an die amerikanische Lebensart zu gewöhnen?

Steinhoff Orange County zählt zu den reichsten Gegenden in ganz Amerika. Die Lebensweise der Amerikaner in diesem Bezirk unterscheidet sich in vielen Hinsichten von denen im Rest des Landes. Teure Autos, riesige Villen mit Meerblick, unendlich viele Fitnessstudios sowie Schönheits-chirurgen machen hier ihr Millionengeschäft. Wie man sieht, spielen Geld und Aussehen eine sehr große Rolle im Leben der Menschen hier. Ich kann nicht leugnen, dass ich hier zunächst einen mittelschweren Kulturschock hatte. Ich, ein Mädchen aus einem kleinen Dorf in Deutschland, soll mit diesen doch sehr materiell eingestellten Menschen ein Jahr lang leben? Jedoch wurde mir schnell bewusst, dass die Menschen hier nicht so sind, wie es auf den ersten Blick scheint. Die meisten Kalifornier sind sehr nett und hilfsbereit.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Leben als Au-pair in Kalifornien?

Steinhoff Ich habe die Möglichkeit, seit über einem Jahr das "California life" zu leben, bin an vielen Situationen gewachsen und um einige Erfahrungen und Eindrücke reicher. Mit den Bergen im Rücken und dem Pazifik vor Augen bietet Kalifornien allein von der Landschaft her unglaublich viel Abwechslung. Mein Lieblingsort ist und bleibt San Diego. Diese Stadt ist von den Städten, die ich bis jetzt gesehen habe, die spektakulärste und abwechslungsreichste. Ich habe meine Entscheidung, als Professional Au-pair nach Kalifornien zu gehen, keine Sekunde bereut und würde es jedem empfehlen, der mit dem Gedanken spielt, die USA kennenzulernen.

ANGELA RIETDORF STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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