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Mönchengladbach
Arbeitsagentur beschleunigt Vermittlung

Mönchengladbach. Beratung, Vermittlung, Bewerbung - alles an einem Tag. Ein flexibler Ansatz macht's möglich. Von Angela Rietdorf

Wer Behörden in Deutschland kennt, schüttelt ungläubig mit dem Kopf. Keine Terminvergabe, alles an einem Tag erledigen - ja, geht das denn? Es geht. Der Sofortzugang der Agentur für Arbeit Mönchengladbach ermöglicht das: sich arbeitslos melden, eine sofortige persönliche Beratung, im Idealfall Vermittlungsvorschläge und anschließend direkt eine Bewerbung am Bewerbungs-PC schreiben. "Die Hälfte unserer Kunden nimmt dieses Angebot an", berichtet Jochen Büscher, bei der Mönchengladbacher Arbeitsagentur für dieses Projekt zuständig.

Dahinter steckt natürlich eine größere Umstrukturierung, damit ein Berater auch wirklich immer gleich Zeit hat für den Kunden, der sich arbeitslos oder arbeitssuchend meldet. "Wir haben sonst immer eine 360-Grad-Beratung geboten, von der Berufsorientierung über die Qualifizierung bis hin zur Vermittlung", sagt Büscher. "Jetzt greifen wir das wichtigste Thema heraus. So geht es viel schneller." Die Komplettberatung gebe es natürlich weiterhin. Geht es nur um die Vermittlung eines Arbeitsplatzes, sind also keine Qualifizierungen oder eine berufliche Umorientierung nötig, kann direkt die Jobbörse gecheckt werden. Mit den entsprechenden Angeboten geht es ins Berufsinformationszentrum (BiZ), wo neuerdings drei Bewerbungscomputer stehen, die Vorlagen für Anschreiben oder Lebensläufe enthalten, über Scanprogramme verfügen und über Bildbearbeitungssoftware.

Die Mitarbeiter im BiZ bieten Hilfestellung. "Wenn alles passt, hat sich ein Kunde nicht nur arbeitslos gemeldet, sondern geht nach Hause mit dem guten Gefühl, sich direkt um einen Job beworben zu haben", erklärt Büscher. Das Ganze kann auch deswegen schnell funktionieren, weil sich der Arbeitsmarkt weiter recht positiv entwickelt. Zwar fehlen die großen Zugänge bei den freien Stellen, die im letzten Jahr durch die Minto-Eröffnung, Zalando und Möbel-Höffner in Neuss begründet waren, aber die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und damit der Arbeitsplätze steigt seit Jahren an.

Zum Stichtag 30.9.2015 gab es im Agenturbezirk, also in Gladbach und dem Rheinkreis Neuss, 238.278 Arbeitnehmer, die auch in die Sozialkassen einzahlen. Das sind 2,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. "Das ist ein wunderbarer Trend, der schon seit einigen Jahren anhält", sagt Angela Schoofs, die Agenturchefin. Die Bereiche Handel und Instandhaltung sowie Reparatur von Autos brauchen die meisten Mitarbeiter, es folgen das verarbeitende Gewerbe und das Gesundheits- und Sozialwesen. Die Arbeitslosenquote entwickelt sich im gesamten Agenturbezirk leicht positiv und sinkt um 0,1 auf 7,8 Prozent.

In Mönchengladbach jedoch liegt sie deutlich höher, nämlich bei 11,1 Prozent. Besorgniserregend ist hier die gleichbleibend hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen, die Hartz IV erhalten. 80 Prozent der Mönchengladbacher Arbeitslosen fallen in diesen Bereich.

Gegen Arbeitslosigkeit empfiehlt die Arbeitsagentur stets die Ausbildung, auch wenn bei aller Berufsorientierung, die heute in den Schulen angeboten wird, die meisten Jugendlichen weiterhin nicht wissen, welchen Berufsweg sie einschlagen wollen. "Wir haben den Eindruck, dass die Orientierungslosigkeit eher zunimmt", sagt Angela Schoofs. Die Arbeitsagentur will gegensteuern, in dem die Jugendlichen verstärkt dort abgeholt werden, wo sie sind. Räumlich, indem die Beratung in den Schulen erfolgt. Medial, indem Kanäle wie Youtube genutzt werden. "Wir versuchen, die Sprache der jungen Leute zu treffen und bieten uns als einen Teil der Lösung ihrer Probleme an", erklärt Schoofs.

Quelle: RP
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