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Mönchengladbach
Arbeitslosenquote nur noch einstellig

Mönchengladbach. Im Oktober ist der Wert erstmals seit August 2001 wieder unter die Zehn-Prozent-Marke gesunken. So gut wie jetzt stand Gladbach seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr da. Und auch vom Ausbildungsmarkt gibt es positive Signale. Von Jan Schnettler

Dem Oktober wird ja gelegentlich nachgesagt, golden zu sein. So golden wie der zurückliegende hat auf dem Gladbacher Arbeitsmarkt seit 15 Jahren aber überhaupt kein Monat gefunkelt: Die Arbeitslosenquote lag im Oktober bei nur noch 9,8 Prozent und war damit erstmals seit August 2001 (ebenfalls 9,8) wieder einstellig. Das ist umso bemerkenswerter, weil die Werte nach und vor 2005 kaum vergleichbar sind - seinerzeit machten sie im Zuge der Hartz-Reformen durch die Einbeziehung erwerbsfähiger Sozialhilfeempfänger bundesweit einen Sprung nach oben. Und selbst davor, bis in die mittleren 90er Jahre zurückgehend, waren einstellige Werte höchst selten gewesen. Heißt: So gut wie jetzt stand Gladbach seit Menschengedenken nicht mehr da.

Die Zehn-Prozent-Schwelle ist auch psychologisch nicht unerheblich - wer in der Vergangenheit auf die Quoten mit einer 10, 11, 12 oder 13 vor dem Komma blickte, ordnete Gladbach quasi instinktiv bei den Ruhrgebietskommunen mit noch höheren Werten ein. Die Marke erstmals wieder unterboten zu haben, könnte also weiteren Schub geben. "Besonders erfreulich ist, dass wir für alle arbeitslosen Personengruppen einen Rückgang feststellen können", sagt Angela Schoofs, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. Für Langzeitarbeitslose etwa ebenso wie für Berufsanfänger. Im gesamten Agenturbezirk (inklusive dem traditionell stärkeren Rhein-Kreis Neuss) ist die Arbeitslosenquote unter sieben Prozent gefallen; der Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist der beeindruckendste in ganz NRW.

Der Status quo im Einzelnen:

Arbeitsmarkt Von September auf Oktober hat sich die Zahl der Arbeitslosen in der Stadt um 373 auf 13.261 Menschen verringert; das waren 1239 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Damals hatte die Quote noch bei 10,8 Prozent gelegen. Bei allen Zahlen immer zu berücksichtigen ist: Die Zahl der "Arbeitssuchenden", die aber nicht alle gleichzeitig als arbeitslos gemeldet sind, weil sie sich beispielsweise in Maßnahmen befinden, liegt stets und überall deutlich höher - in Gladbach aktuell etwa bei 24.700.

Ausbildungsmarkt IHK "Wir sind fast schon euphorisch, dass wir die Zahlen des Vorjahres halten konnten", sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Angesichts sinkender Schülerzahlen und dem zunehmenden Trend zur Akademisierung seien die 1051 in diesem Jahr (Stichtag: 30. September, Vorjahr: 1052) bei der IHK für Mönchengladbach neu eingetragenen Ausbildungsverträge ein sehr guter Wert. Allerdings seien in der Lehrstellenbörse des IHK-Bezirks noch 450 Ausbildungsplätze unbesetzt. "Bei den Unternehmen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die fehlenden Azubis von heute die fehlenden Fachkräfte von morgen sind", sagt Petra Pigerl-Radtke, Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung bei der IHK. Man müsse jedoch bei potenziellen Bewerbern noch mehr und intensiver als bisher für Ausbildung werben.

Ausbildungsmarkt Arbeitsagentur In Gladbach sank die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze minimal auf 1584; im Rhein-Kreis stieg sie deutlich an. Über die Agentur suchten auch etwas weniger, nämlich 2232 junge Gladbacher, einen Ausbildungsplatz; weil es auch hier im Rhein-Kreis einen Anstieg gab, ist das Saldo für den Agenturbezirk jeweils positiv. In Gladbach waren es mit 68 aber 41 unbesetzte Stellen weniger als im Vorjahr, im Rhein-Kreis hingegen mehr.

Ausbildungsmarkt Kreishandwerkerschaft Auch Stefan Bresser, Geschäftsführer der Gladbacher Kreishandwerkerschaft, ist mit konstanten Werten hochzufrieden. 436 neue Ausbildungsverträge wurden geschlossen, sechs mehr als im Vorjahr. Die Zahl der neu besetzten Plätze ging leicht nach oben, während gleichzeitig die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden stark rückläufig ist. Bisher sei das auch durch die Flüchtlingswelle nicht abgefedert worden. Erfreulich: In einigen Bereichen, bei denen ein künftiger Fachkräftemangel droht, gab es enorme Zuwächse - im Bereich Kfz-Mechatroniker mit 81 neuen Ausbildungsverhältnissen etwa rund 20 mehr als im Vorjahr. "Allerdings sind auch 20 Stellen bisher unbesetzt geblieben", so Bresser.

Fazit "Alle Ampeln stehen auf grün", sagt Angela Schoofs. Nicht zuletzt sei in den vergangenen Jahren auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen in der Stadt ebenso sukzessive wie signifikant angestiegen. Will sagen: An eigentlich allen Fronten sind die Entwicklungen positiv - nun gilt es, sie weiter zu verstetigen. "Bei aller Euphorie: Nichts ist ein Selbstläufer", warnt die Agentur-Chefin. Im Zusammenspiel mit allen Beteiligten wolle man künftig etwa das Thema Praktikum weiter stärken.

Quelle: RP
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