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Mönchengladbach
Arctic Sunrise: Das Debut-Album ist da

Mönchengladbach: Arctic Sunrise: Das Debut-Album ist da
Steve Baltes und Torsten Verlinden sind zusammen Arctic Sunrise. FOTO: Arctic Sunrise
Mönchengladbach. Torsten Verlinden und Steve Baltes machen Electro-Pop. Vielleicht ein bisschen was für ein spezielleres Publikum, sagen sie. Für Leute, die in den 80ern - wie sie - jung waren und die Electro-Ära lieben und schätzen lernten. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Wenn Sie den Namen Arctic Sunrise lesen oder hören, werden Sie höchstwahrscheinlich an das Forschungsschiff von Greenpeace denken und weniger an Musik. Das soll sich aber, wenn es nach Torsten Verlinden und Steve Baltes geht, möglichst bald ändern. Nein, nicht dass die beiden Musiker etwas gegen Greenpeace hätten - vielmehr haben die beiden Musiker sich bewusst den selben Namen wie das Schiff gegeben. Ist er doch eine schöne Mischung aus Kälte und Melancholie auf der einen Seite und hoffnungsvoller Wärme auf der anderen Seite. Wie die Stimmung ihrer Musik. Ein bisschen enigmatisch ist das, was sie machen schon.

Nahezu Tür an Tür in der Region aufgewachsen, trafen sich musikalisch ihre Wege schon in den Anfängen, um nach unterschiedlichen Lebenswegen nun für dieses gemeinsame Projekt zusammenzufinden. Es ist Electro-Pop mit einem tiefgehenden Unter- und Hinterbau. Alles andere als oberflächlich, hingegen ehrlich und sympathisch, wie die beiden Charaktere selbst. Vielleicht ein bisschen was für ein spezielleres Publikum, sagen sie. Für Leute, die in den 80er Jahren - wie sie - jung waren und die Electro-Ära lieben und schätzen lernten.

Was nun auf ihrem Debut-Album "A Smarter Enemy" beim Label Echozone zu hören ist, ist vielfältig, klingt mal bekannt, aber nur selten epigonal, durchweg frisch. Teilweise tönt es für Popmusik - das Duo ordnet sich selbst in diese Sparte ein - überraschend sphärisch und kunstvoll. Das mag auch daran liegen, dass die beiden Wahl-Mönchengladbacher an die Idee, zusammen Musik zu machen, sehr offen herangegangen sind. Experimentieren, zusammen Neues schaffen, abseits üblicher Wege, mal sehen, was daraus entsteht, war ihre Maxime. Verlinden, Sänger, und Baltes, der Meister der Synthesizer, mischten eine Klangwelt zusammen, die zwar unvermeidlich auch mal an ihre Vorbilder aus den 80ern erinnert, doch auf besondere Art eigenständig ist. "Was an Melodie und Text da ist, das bin ich", sagt Verlinden, der als Bassist in seiner Jugend eigentlich von anderer Musik geprägt wurde. Ihm ist wichtig, dass die Hörer auch die Texte nachlesen können. Im Internet ließen sie sich finden.

Nicht zuletzt durch das Verwenden eines sehr reichhaltigen Arsenals an guten alten analogen Klangerzeugern und Dank einprägsamer Stimme und mal tiefgründigen mal poetisch luftigen Texten will Arctic Sunrise sich von anderen Bands abheben. "Wenn irgendwo Zitate sind, dann ist das einfach in unseren Genen, das versteh ich dann auch eher als Hommage. Ich kann jetzt kaum zu einem Stück auf dem Album sagen, das ist bewusst eine Verneigung vor dem oder dem", erläutert Baltes. Seine große Verehrung für Bands wie New Order möchte er aber nicht verstecken. "Man hat ja auch Beethoven nicht vorgeworfen, er würde die gleichen Tonleitern wie Bach verwenden - es kommt halt immer darauf an, was ich mit dem Material mache", sagt Verlinden. Baltes versteht es auf jeden Fall, meisterhaft gewebte Klangteppiche mit den alten Synths zu knüpfen, auf denen Verlinden gesanglich zu schweben weiß.

Auch wenn sie zunächst nur in Nischen - mit wirklich positiver Resonanz - für Aufmerksamkeit sorgen, würden die beiden sich sehr freuen, ihre Musik einem breiteren Publikum schmackhaft machen zu können. Liveauftritte sind in Planung, doch muss an dem Konzept noch gefeilt werden. Das Duo ist nun mal aus der Keimzelle des Studios erwachsen.

Zwei Videos für den für sie so typischen Song "Real Life" und das etwas sprödere "Dumb" gibt es auch schon. Äußerst unangepasst, richtig schön schräg, kommen die beiden Low-Budget Filmchen daher. Kein Wunder, dass sie gerade in der "schwarzen Szene" so positiven Anklang finden. Das macht sie nicht weniger sympathisch.

Quelle: RP
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