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Mönchengladbach
Arsen-Straßen: Das LKA ermittelt weiter

Mönchengladbach: Arsen-Straßen: Das LKA ermittelt weiter
FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. 1000 Tonnen giftiges Material ist in Gladbacher Straßen verbaut worden. Vor Gericht wird es wohl bald um die Frage gehen, was die ausführende Firma davon wusste. Das Landeskriminalamt verfolgt Lieferantenspuren. Von Gabi Peters

Es ist ein echter Umweltskandal: In 18 Kommunen wurde in den vergangenen Jahren hochgiftiges Bettungsmaterial in Straßen eingebaut. Alleine in Mönchengladbach sollen es mehr als 1000 Tonnen sein. Arsen, Blei, Antimon (ein hochtoxisches chemisches Element) - die Liste der Schadstoffe in dem verseuchten Bettungsmaterial ist lang. Die Geilenkirchener Firma Tholen verbaute es in Mönchengladbach in der Hindenburgstraße, Süchtelner Straße und Klumpenstraße. In Grevenbroich flog die Umweltsünde auf. Seitdem wird gegen Tholen ermittelt. Die Bauunternehmung teilte jedoch gestern unserer Redaktion mit, dass das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren wegen unerlaubter Verwendung gefährlicher Abfallstoffe gegen die Firma eingestellt worden sein.

Eine Nachfrage bei der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft ergab: Stimmt nicht. Zumindest nicht so ganz. "Bezüglich drei Beschuldigten bei der Firma wurden die Ermittlungen tatsächlich eingestellt. Aber es gibt noch einen weiteren Beschuldigten bei der Firma", sagte Staatsanwalt Benjamin Kluck unserer Redaktion. Sprich: Die Ermittlungen sind nicht komplett eingestellt. Und so könnte es demnächst vor Gericht um die Fragen gehen: Wusste einer aus der Firmenleitung von Tholen, dass er hochgiftiges Material einbaute? Und täuschte er die Kommunen in betrügerischer Absicht, in dem er verschwieg, was er da verwendete? Die Firma selbst hat die Vorwürfe bis jetzt immer zurückgewiesen. Der Lieferant habe das Bettungsmaterial als "gütegeschütztes und fremdüberwachtes Material" geliefert, teilte der damalige Seniorchef von Tholen schriftlich mit. Und: "Es bestanden absolut keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der zugesagten Eigenschaften." Im Fall Mönchengladbach hätte die Stadt außerdem das Material, das zunächst in der Hindenburgstraße eingebaut wurde, bereits im Jahr 2005 durch einen Gutachter prüfen lassen. Die Ergebnisse seien seiner Firma aber nicht bekannt gemacht worden.

Die Stadt Mönchengladbach hält dagegen: Sie habe Naturmaterial bestellt. Und das sei definitiv nicht geliefert worden. Seit Jahren streiten sich Tholen und die Stadt Mönchengladbach vor Gericht. Drei Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Welche das sind - dazu will man sich im Rathaus nicht äußern, eben weil es sich um laufende Verfahren handelt.

Stadtsprecher Wolfgang Speen versicherte gestern aber: "Unser Ziel ist es nach wie vor, das hochbelastete Material auszubauen. Die Stadt steht zu ihrem Wort." Wann die Tiefbauarbeiten dazu beginnen, könne man noch nicht konkret sagen. Es solle aber möglichst zeitnah geschehen.

Wie Staatsanwalt Kluck gestern sagte, laufen nach wie vor die Ermittlungen des Landeskriminalamtes, das untersucht, wo das Material herkam und an wen und wie viele Unternehmen es geliefert wurde.

Quelle: RP
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