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Serie Meine Ausbildung (15)
Auch Frauen können Autos reparieren

Serie Meine Ausbildung (15): Auch Frauen können Autos reparieren
Jaqueline Hasslauer hat eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin gemacht. Inzwischen arbeitet sie als Termindisponentin. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Jaqueline Hasslauer hat im Autohaus Waldhausen & Bürkel eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin gemacht. Inzwischen hat sie sich fortgebildet. Viele junge Frauen werden in diesem Beruf jedoch abgelehnt. Das ärgert den Handwerkspräsidenten. Von Christian Lingen

Anfang September meldete sich der Düsseldorfer Handwerkspräsident Andreas Ehlert in der Kammerzeitschrift zu Wort und bemängelte, dass im Kfz-Gewerbe zu wenige weibliche Auszubildende eingestellt werden. Es ging um eine junge Frau, die 120 Bewerbungen schrieb und nur zwei Zusagen erhielt. Viele Autohäuser in der Rhein-Ruhr-Region stellen lieber männliche Bewerber ein. Dass es auch anders geht, zeigt das Autohaus Waldhausen & Bürkel. Dort machte Jaqueline Hasslauer eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin und bildet sich nun fort.

Der Betrieb Seit 70 Jahren gibt es das Autohaus Waldhausen & Bürkel. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute rund 150 Mitarbeiter an den Standorten Mönchengladbach und Viersen. Rund 40 Angestellte sind Auszubildende. In jedem Ausbildungsjahr werden neue Lehrlinge eingestellt.

Die Bewerbung "Ich habe mich schon als Kind für Autos und Motoren interessiert. Ein Praktikum während der Schulzeit, das ich in einem anderen Beruf machte, zeigte mir, dass ich später im Kfz-Gewerbe arbeiten möchte", erzählt Jaqueline Hasslauer. Als Jugendliche bekam sie ihr erstes eigenes Motorrad und war auf einer Crossstrecke unterwegs. Nach ihrem Schulabschluss bewarb sie sich im Autohaus Waldhausen & Bürkel und wurde prompt genommen. Wer eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker machen möchte, sollte mindestens die Fachoberschulreife haben. Gute Kenntnisse in Mathematik und Physik sind von Vorteil. Ein angehender Lehrling sollte teamfähig sein und den Umgang mit Kunden mögen. Wie die Bewerbung eingereicht wird, ob per Mail oder auf dem Postweg, ist im Autohaus Waldhausen & Bürkel egal. Aus der Zahl der Bewerber lädt die Personalabteilung einige zu einem Einstellungstest und einem Gespräch ein. Die Menge der Bewerber ist für den Beruf des Kfz-Mechatronikers jedoch sehr hoch.

Die Ausbildung Am Anfang der Ausbildung stehen die Bereiche Service und Wartung "Ein Mechatroniker hält Fahrzeuge instand, prüft und wartet sie", sagt Jaqueline Hasslauer. Die beiden Bereiche, die sie am Anfang ihrer Ausbildung kennenlernte, sind daher sehr wichtig. Danach lernte sie, wie Bremsen repariert werden. Im Laufe der dualen Ausbildung, die sich nach einem Rahmenplan richtet, durchläuft der Lehrling alle Bereiche des Berufs und erhält umfangreiche Kenntnisse in allen Facetten. Insgesamt dauert die Ausbildung dreieinhalb Jahre. Nach zweieinhalb Jahren steht eine Zwischenprüfung an. Wichtiger Bestandteil der Ausbildung sind aber nicht nur technische Kenntnisse. "Man lernt auch, die richtige Kleidung zu tragen, Werkzeugen zu benutzen und mit gefährlichen Stoffen umzugehen", sagt Hasslauer. Zwar fahren Autos auch heute noch mit vier Reifen, doch ihr Innenleben ist viel komplexer als früher. "Autos werden immer komplizierter und technischer. Mechatroniker müssen heute viel mehr wissen als früher. Oft ist es wirtschaftlicher, ein Teil komplett zu ersetzen, als es zu reparieren", sagt Jaqueline Hasslauer.

Die Berufsschule Je nach Lehrjahr besuchen die Auszubildenden ein bis zweimal in der Woche das Berufskolleg Rheydt-Mülfort und lernen dort in eigenen Werkstätten und Labors. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Elektronik, Betriebswirtschaft, Werkstoffkunde und die Diagnose von Defekten. Hinzu kommen überbetriebliche Lehrgänge in der Lehrwerkstatt der Kreishandwerkerschaft. Dort werden Theorie und Praxis miteinander verbunden.

Die Zukunft Der Beruf des Kfz-Mechatronikers ist ein ständiger Lernprozess, denn Autos verändern sich. Nach der Ausbildung können die Gesellen ihren Meister machen und in die Selbstständigkeit gehen. Jaqueline Hasslauer hat sich für einen anderen Weg entschieden. Sie hat sich fortgebildet und arbeitet nun als Termindisponentin.

Quelle: RP
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