| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Auf dem Eierberg wird Tradition gelebt

Mönchengladbach: Auf dem Eierberg wird Tradition gelebt
Die Häuser sind zu Ostern liebevoll geschmückt. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Unser Autor hat einen Bewohner des Berges zuhause besucht. Der Odenkirchener Günther Pilz erzählt vom einzigartigen Charme seiner Heimat und lüftet das Geheimnis um den Namen des Ortes. Von Marcel Romahn

Wer nicht aus Odenkirchen kommt, dürfte Probleme haben, den Eierberg auf Anhieb zu finden. Das Navi, die Smartphone-App oder Google kennen diesen Ort namentlich nicht. Man muss das Suchgebiet wohl zunächst selbst einschränken. Im Osten von Odenkirchen soll die Talstraße den Wanderer direkt auf den Berg führen. Es geht schnurgerade bergauf, nicht besonders steil, aber spürbar.

Doch wann ist das Ziel erreicht? Wo beginnt der Eierberg? Hinweise könnten die Schilder der drei kleinen Straßen des Berges geben: Roggen-, Hafer- und Dinkelweg. Doch es gibt weitere Anhaltspunkte. Dort, wo Fußgänger und Autofahrer sich auf den schmalen Straßen gegenseitig Vortritt oder Vorfahrt gewähren, wo Nachbarn sich freundlich mit Namen begrüßen, wo höchstens das Klackern der Schuhabsätze die vollkommene Stille unterbricht - genau dort liegt der Eierberg.

Apotheker Günther Pilz wohnt seit etwa zwölf Jahren auf dem Eierberg. FOTO: Ilgner Detlef (ilg)

Wer den Berg abwandern möchte, braucht keinen Reiseproviant. Nach weniger als zehn Minuten ist das Wohngebiet, das in etwa 90 Metern Höhe als höchste Erhebung in Rheydt bekannt ist, vollständig erkundet. Der Eierberg ist dicht bebaut. Insgesamt 156 moderne Wohnhäuser reihen sich hier aneinander. Die Straßen sind sauber, die Vorgärten gepflegt und jetzt zur Osterzeit - und getreu dem Namen des Ortes - mit vielen bunten Eiern und Osternestern geschmückt.

Das Wohngebiet ist noch jung. Vor knapp 20 Jahren wurde es erschlossen und durch günstige Grundstückspreise schnell zum Anziehungspunkt für junge Familien mit Kindern. Doch die Geschichte des Eierberges reicht zurück bis ins Mittelalter. Der Geschichtsschreiber Pfarrer Rixen hat von 1949 bis 1966 in insgesamt 209 Ausgaben des "Laurentiusboten" Historisches aus Odenkirchen gesammelt und veröffentlicht. Der Heimatverein setzt diese Geschichtsschreibung fort. Ein Blick in dessen Archive gibt auch Aufschluss über die Entstehung und den Namen des Eierbergs.

So werden die Spaziergänger begrüßt. FOTO: Ilgner Detlef (ilg)

Erwähnt wird der Ort in Ausgabe Nummer 32, datiert vom August 1952. Dort heißt es, dass die Bauern, die die Felder des Eierberges bestellen wollten, eine Pacht für jeden Morgen Land in Form von "Anderthalb hondert Eyer" (150 Eier) an den Lehensherren zu zahlen hatten. Die Herkunft des Namens wäre damit geklärt, und ein großes Rätsel gelöst. Bereits im Jahr 2010 hatte die RP nach Hinweisen auf die Namensgebung gesucht. "Eine alte Flurbezeichnung aus dem Mittelalter", hieß es seitens des Heimatvereins. Doch die Stadt konnte dies nicht weiter aufklären. "Unsere Vermesser und unser Stadtarchiv wissen nicht, warum der Eierberg Eierberg heißt", sagte damals Stadtsprecher Dirk Rütten.

Seit 2004 wohnt Günther Pilz, selbst langjähriges Mitglied im Heimatverein, mit seiner Familie auf dem Eierberg. Der Apotheker hat sein ganzes Leben in Odenkirchen verbracht, sich jedoch vor zwölf Jahren für die Idylle des Berges entschieden. "Es ist hier sehr ruhig, und wohin man auch sieht, erblickt man die unberührte Natur", sagt der 69-Jährige. "Der Eierberg ist ein wunderschöner Rückzugsort für uns." Ein weiterer Vorteil: Umgeben von weiten Feldern, auf denen nach wie vor reichlich Ackerbau betrieben wird, werde sich das dicht bebaute und vollständig erschlossene Siedlungsgebiet in Zukunft wohl nicht mehr verändern. "Der Berg wird auch in vielen Jahren noch so schön aussehen wie jetzt" sagt Pilz. Besonders die Natur, die gerade im Frühsommer eine bunte, lebhafte Landschaft offenbart, habe es dem Odenkirchener angetan. "Dann haben wir hier eine herrliche Blütenpracht. Ich bin zu dieser Jahreszeit oft draußen unterwegs." Auf den Straßen trifft der Apotheker dann oft auf Wanderer und Jogger, die das weitläufige Gebiet erkunden wollen.

Auch das freundliche Miteinander sei am Eierberg Tradition. Straßenfeste oder Einladungen aus der Nachbarschaft gebe es mehrmals im Jahr. "Man grüßt sich auf der Straße oder hält ein Schwätzchen", sagt Pilz. "Es sind schon viele Freundschaften auf dem Eierberg entstanden. Auch wenn der Name vielleicht darauf schließen lassen könnte: Hier wohnen keine Eierköppe."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Auf dem Eierberg wird Tradition gelebt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.