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Mönchengladbach
Auf dem Pferderücken die eigenen Grenzen ausloten

Mönchengladbach: Auf dem Pferderücken die eigenen Grenzen ausloten
Reiten in Winkeln: Der kleine Jannik kann sogar gleichzeitig noch mit einem Schwert und bunten Holzringen hantieren. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. An der LVR-Förderschule eröffnet die Reittherapie Kindern mit Behinderung neue Möglichkeiten. Von Sabine Winkler

In dem einen Korb liegen Äpfel und Möhren, in dem anderen bunte Ringe und Holzschwerter. Vorbereitung für eine etwas andere Reitstunde. "Die Kinder wissen gleich, wo was steht", erklärt Heike Bröckers, Reittherapeutin im Stall von Jutta Junker in Winkeln. Hier können sechs Jungen und Mädchen aus verschiedenen Altersgruppen der LVR-Förderschule Rheindahlen eineinhalb Stunden lang therapeutisch reiten.

Seit 2013 gibt es an der Förderschule mit dem Schwerpunkt "Körperliche und motorische Entwicklung" die Reit-AG für die Unterstufenschüler. Christiane Mohren, Sonderpädagogin und Leiterin der AG, findet, dass das eine ideale Ergänzung ist: "Man kann schnell Erfolge erzielen, da sowohl die Gruppendynamik geschult wird, man sich bewegt und in der Natur ist."

"Murphy!", freuen sich alle sechs Jungs und Mädchen, als das Pferd in den sandig-matschigen Reitbereich geführt wird. Der Isländer ist neun Jahre alt und ein ausgebildetes Therapiepferd. "Dadurch lässt er sich viel gefallen, die Kinder kriegen aber beigebracht, auf was sie achten müssen", sagt die Reitlehrerin. Der Jüngste in der Reit-AG ist gerade erst in der zweiten Klasse, die älteste in der fünften.

"In der Gruppe hat sich wirklich was entwickelt", berichtet Yvette Drouvé, ebenfalls Lehrerin an der Förderschule. Jedes Halbjahr wird die AG neu zusammengestellt. Man möchte vor allem Kindern, die in ihrem privaten Umfeld nicht die Möglichkeit zur Reittherapie haben, diese Chance ermöglichen. "Wir sehen dann, wie die Kinder aufblühen. Im letzten Halbjahr hatten wir einen autistischen Jungen dabei", erinnert sich die Pädagogin. "Ich habe ihn noch nie so glücklich wie auf dem Pferd gesehen."

Auch Sabrye, die älteste in der Runde, hat sichtlich Gefallen gefunden. Vor dem Galoppieren hat sie keine Angst. Am Anfang sah das noch anders aus. Vor allem das Aufsteigen hat ihr Probleme bereitet. In Geschicklichkeits-Spielen, bei denen die Kinder abwechselnd reiten und die anderen nebenher rennen und Ringe auf ein Holzschwert manövrieren, schulen die Kinder ihre motorischen Fähigkeiten. "Sie entwickeln dabei ein ganz neues Körpergefühl und testen ihre eigenen Grenzen aus", erklärt Mohren.

Damit die Kinder jeden Freitag diese Möglichkeit haben, ist die Förderschule auf die Förderung durch den Landschaftsverband Rheinland angewiesen - und auf Spenden, wie durch die Kultur- und Sozialstiftung der Provinzial. An insgesamt 27 der 38 Förderschulen im LVR wird therapeutisches Reiten angeboten. "Und die Nachfrage ist groß", berichtet Mohren.

Der Ausflug in Jutta Junkers Stall ist für alle eine willkommene Abwechslung vom Schulalltag. "Es wird nie langweilig", sind sich alle einig. Egal ob es regnet oder die Sonne scheint, bei jedem Wetter wird draußen geritten. Wenn am Ende der Bus die kleine Reitgruppe wieder abholt, wollen alle am liebsten gar nicht mehr gehen.

Quelle: RP
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