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Mensch Gladbach
Auf dem Weg zur Millionen-Metropole?

Mensch Gladbach: Auf dem Weg zur Millionen-Metropole?
Mönchengladbacher Immobilienexperten rechnen fest mit einem starken Wachstum der Bevölkerungszahlen. Deswegen wird gebaut, wie demnächst hier in Eicken. FOTO: Hartmann
Meinung | Mönchengladbach. Mönchengladbach setzt auf Wachstum und zeigt sich beim Auftritt in München selbstbewusst. Ob es am Ende 30.000 oder gar 100.000 Einwohner mehr sein werden, ob gar die Million geknackt wird, ist allerdings eine philosophische Frage. Von Denisa Richters

Machen Sie schon mal Platz in Ihrem Garten. Oder räumen Sie zumindest mal eine Ecke in Ihrer Wohnung frei. Den großen Ficus können Sie doch sowieso längst nicht mehr sehen. Wir brauchen nämlich Platz. Denn die Stadt setzt auf Wachstum. 100.000 Einwohner mehr? Kein Problem. Das war die Botschaft der Mönchengladbacher Makler und Architekten von der Immobilien Messe Expo Real. Ganz schön tief gestapelt! Man muss sich doch mal richtig ambitionierte Ziele setzen. Wie wär's hiermit: 2030 löst Gladbach Köln als führende Millionen-Metropole in NRW ab.

Na, man muss ja nicht gleich übertreiben. Aber was stimmt: Die Zeiten des mangelnden Selbstbewusstseins sind vorbei. Mönchengladbach ist raus aus der Rolle des Ladenhüters. Das war bei der Messe an der Isar klar zu spüren. Bei der Expo Real geht es darum, sich für Investoren schick zu machen. Der Superlativ gehört da zum Geschäft. Perfekt beherrscht dieses Spiel bereits Düsseldorf. In direkter Nachbarschaft ließ die NRW-Landeshauptstadt mit einem gefühlt hundertmal so großen Stand wie der Standort Niederrhein, unter den sich Mönchengladbach mit Krefeld sowie den Kreisen Viersen, Wesel und Kleve subsumiert, die Muskeln spielen. Doch es ging noch dicker: Verglichen mit den Auftritten der Metropolregionen Frankfurt und Hamburg wirkte nämlich selbst Düsseldorf wie ein Zwerg.

Selbstverzwergung - damit ist Vergangenheit in Mönchengladbach. So zumindest der Appell von CDU-Fraktionschef Hans Peter Schlegelmilch im Stadtrat vor knapp einem Jahr. Die Frage stellte sich jetzt auch am Gemeinschaftsstand auf der Immobilienmesse. Mag es vor ein paar Jahren noch anders gewesen sein, inzwischen sticht Mönchengladbach deutlich aus der kommunalen Runde der Standpartner heraus. Nur der Rhein-Kreis Neuss ist wegen seiner Nähe zum Dauerboomer Düsseldorf bei Investoren noch begehrter. Kann es sich also Mönchengladbach noch leisten, nicht namentlich aufzutauchen? Nein, finden Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und sein Technischer Beigeordneter Gregor Bonin. Auch die Architekten, Makler, Entwickler und Finanziers aus Mönchengladbach, die als Partner den Stand maßgeblich mitbezahlen, fordern mehr Raum und Präsenz für die Vitusstadt auf solchen Plattformen. Ob es ein eigener Stand wird, eine Sichtbarkeit auf einem riesigen Stand einer Metropolregion Rheinland (mit Düsseldorf und Köln?) oder Teilen davon, wird jetzt zu diskutieren sein.

Mit MG+ ist das Wachstum der Stadt als Strategie für die nächsten Jahre gesetzt. Potenzial für weitere 100.000 Bürger gibt es in der 270.000-Einwohner-Stadt schon. Unendliche Weiten am westlichen Stadtrand, dort auch das JHQ, das frühere Areal der Briten. 420 Hektar - wie viele Menschen könnten dort schön im Grünen wohnen. Zwingend wäre natürlich die passende Infrastruktur, eine Schnellbuslinie in die City, ein Radschnellweg für die Körperbewussten. Es gibt reichlich frühere Gewerbeareale in der Stadt, auch die Nachverdichtung der Innenstadt sollte Thema sein.

Was aber bleibt, ist die Frage, wie viel Wachstum gesund für die Stadt ist - und in welchem Tempo. Denn die Besonderheiten dieser Stadt dürfen keinesfalls verlorengehen: die gute Mischung unterschiedlicher Schichten und das Unperfekte, das aber für Kreativität viel Raum bietet, den andere Städte so nicht mehr haben.

Quelle: RP
 
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