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Mönchengladbach
Auf der Suche nach dem perfekten Baum

Mönchengladbach: Auf der Suche nach dem perfekten Baum
Auf dem Havelshof suchten sich Johanna, Michael und Lothar Wittrin den für sie schönsten Weihnachtsbaum aus. Die Familie kauft regelmäßig auf dem Hof in Herrath. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Bis Heiligabend ist es zwar noch etwas hin. Auf dem Havelshof in Herrath kann man sich aber jetzt schon den Weihnachtsbaum reservieren, der am besten zum eigenen Fest passt. Dabei gib es für fast jeden Geschmack etwas. Von Marei Vittinghoff

"O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter", klingt es voller Vorfreude von einem Feld vor dem Havelshof in Herrath. Es ist Anfang November, Sonnenschein und blauer Himmel zeigen den Herbst von seiner schönsten Seite. Und obwohl es bis Weihnachten noch einige Wochen sind, herrscht auf dem dicht bewachsenen Feld im Südwesten Gladbachs schon festliche Stimmung.

Familie Goebels hat sich zu viert vor einem Christbaum versammelt und besiegelt die Wahl ihres diesjährigen Weihnachtsbaums mit einem Loblied für die dunkelgrüne Nordmann-Tanne. Das hat Tradition: Jedes Jahr kommt die Familie hierher, um sich frühzeitig einen Baum für die Festtage reservieren zu lassen. Die Tanne, die durch ihre Optik überzeugen konnte, wird dann gemeinsam besungen: Heute darf sich ein mittelgroßer Baum mit nicht all zu langer Spitze über das Lied der vier freuen.

Familie Goebels ist jedoch keinesfalls allein auf dem etwa drei Hektar großen Weihnachtsbaum-Feld. Das Aussuchen der Tannenbäume auf dem Havelshof hat um kurz vor 14 Uhr noch nicht einmal offiziell begonnen, da hat sich vor der Halle schon ein kleine Schlange von Menschen gebildet. Die erfahrenen Tannen-Reservierer unter den Wartenden erkennt man an der entsprechenden Ausrüstung: Gummistiefel, Arbeitshandschuhe oder auch mal ein Zollstock sind im Gepäck.

Am Ende der Schlange werden die Kunden von Albert und Maria Kamerichs empfangen. Der Landwirt und die Landwirtin bauen schon seit 40 Jahren zusammen Christbäume an, seit 20 Jahren können sich die Käufer ihren Wunschbaum ab Allerheiligen reservieren lassen. "Die Nachfrage steigt", sagt Albert Kamerichs. "Die Leute können sich bei gutem Wetter und ohne Stress ihren Baum aussuchen, geben ein Datum an, wann der Baum abgeholt oder geliefert werden soll und erhalten dann ihren frisch geschlagenen und eingepackten Weihnachtsbaum zum angegebenen Termin."

Etwa 15.000 Bäume warten laut Kamerichs auf ein neues Zuhause und damit auf ein schönes Kleid aus Lichterketten, Kerzen, Schleifen und Christbaumkugeln. Nobilistannen, Blaufichten, Felsengebirgstannen und natürlich die beliebten Nordmann-Tannen sind dabei, wenige Zentimeter hohe Pflanzen wachsen neben bis zu neun Meter hohen Bäumen für Banken, Firmen oder Hotels. "Die Durchschnittshöhe von 2,5 Metern ist nach etwa sieben Jahren erreicht", sagt Albert Kamerichs. "Mit dem Einpflanzen und dem Fällen der Bäume ist es aber nicht getan. Die Tannen machen das ganze Jahr über Arbeit. Es wird gedüngt, die Pflanzen müssen von Ungeziefer freigehalten und der Bestand von Unkraut befreit werden.

Manchmal benötigen einige Bäume auch eine Hilfestellung. Und das Wetter muss natürlich auch mitspielen", sagt Kamerichs. Damit jede Größe immer vorhanden ist, werden jedes Frühjahr immer neue Bäume gepflanzt - eine "Knochenarbeit". Die Mühe aber zahle sich aus. "Viele unsere Kunden sind Stammkunden. Es ist schön beim Verkauf zu hören, welche Geschichten die Käufer in diesem Jahr erlebt haben und zu sehen, wie ganze Familien mit Kind und Kegel zu uns kommen", sagt Maria Kamerichs. So ist das auch bei Lothar, Michael und Johanna Wittrin. Seit nun zwei Jahrzehnten kommt die Familie aus Rheydt mit Vertretern aus drei Generationen nach Herrath, um einen Baum für die Festtage auszusuchen. Von den Kamerichs erhalten sie an der Lagehalle ein Kundenetikett mit ihrem Namen sowie ein rot-weißes Flatterband. Damit wird später der Wunschbaum markiert und die Nummer des Baumes an die Landwirte weitergegeben. Farbige Bändchen an den Spitzen geben Auskunft über die ungefähre Wuchshöhe des Baumes. Sich bei der Wahl der Tanne nicht zu überschätzen? Trotzdem manchmal gar keine so leichte Aufgabe. "Meistens sind wir eine ganze Stunde auf dem Feld unterwegs und wählen dann doch den ersten Baum, den wir gesehen haben", sagt Michael Wittrin.

Auch dieses Mal ist das so - allerdings wird die Entscheidung bereits nach deutlich kürzerer Zeit gefällt. Eine breite Tanne mit kräftigen Ästen ist es geworden, am dritten Advent soll er vom Feld in das Wohnzimmer von Lothar Wittrin kommen. Der ist zufrieden. "Der Baum muss einiges aushalten. Meine Frau und ich haben 1400 kleine LED-Lichter und dann noch einmal 90 normale LED-Kerzen. Dazu kommt Dekoration in Gold, Silber oder Rot", sagt er. Um eine andere Tanne stehen Kerstin und Jürg Skerka. "In den letzten Jahren waren wir oft zu spät dran, da waren die schönsten schon weg. Heute wollten wir die Gunst der Stunde und das Wetter nutzen, um uns schon einen Baum zu reservieren. Weihnachten kommt ja immer schneller, als man denkt", sagen sie. Neben ihnen bewundern Monika und Thomas Fabig die Tanne der Wahl. Bei ihnen ist der Baum längst nicht das einzige, was für Weihnachten bereits fertig organisiert ist. "In meinem Kopf ist von der Winterbepflanzung bis zur Fensterbank schon alles dekoriert", sagt Monika Fabig lachend. Und ihr Mann Thomas Fabig ergänzt: "Nach Weihnachten ist eben vor Weihnachten."

Noch bis 26. November läuft die Reservierungs-Aktion jeweils samstags und sonntags von 14 bis 16.30 Uhr, bevor am 20. November dann auch der tägliche Verkauf von 10 bis 18 Uhr startet. Ein kleines Fest ist ebenfalls noch geplant: Am zweiten und dritten Adventswochenende soll es auf dem Havelshof einen besonderen Weihnachtsmarkt für Familien geben.

Quelle: RP
 
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