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Mönchengladbach
Aus dem Leben der Schwester Jordana

Mönchengladbach. Bei einer Lesung zur Vorstellung ihres Buchs "Ente zu verschenken" präsentierte sich die Ordensschwester im St. Kamillus-Kolumbarium als weltoffener Mensch mit einer reichen Erzählfreude. Ebenso gerne schweige sie aber. Von Angela Wilms-Adrians

Es gab einmal eine Zeit, da war Schwester Jordanas Bild vom Leben im Kloster eher geprägt durch Filme und Romane, die einen solchen Ort mit Weltflucht verbinden. "Heute muss ich über diese Klischees schmunzeln", erzählte die Ordensschwester bei einer Lesung im St. Kamillus Kolumbarium. Bei der Vorstellung ihres Buches "Ente zu verschenken" zeigte sich die Ordensfrau als weltoffener Mensch, der auf dem persönlichen Weg zu Gott und im Umgang mit den Mitmenschen Lebensweisheiten gesammelt hat, die auch außerhalb von Kirche und Klostermauern Bestand haben.

Für nicht Eingeweihte unterschied Schwester Jordana das Leben einer Nonne, die kontemplativ lebt, von dem einer Ordensschwester, die sich über Arbeit Gott und den Menschen widmet. Doch auch Schwester Jordana legte das Gelübde der Armut ab und verschenkte persönliches Gut, wie das geliebte Auto, die Ente.

In ihrem Buch beschreibt die Autorin, wie sie zum Glauben und in die Ordensgemeinschaft der Dominikanerinnen von Bethanien fand. Im Gespräch mit RP-Redaktionsleiter Ralf Jüngermann wich Schwester Jordana im authentisch wirkenden Auftreten keiner Frage aus. Zum Islam in Deutschland stellte sie etwa fest, dass "glückliche Christen" hier ruhiger reagierten als "die, die an nichts glauben". Auf Anfrage nannte sie ihren Wahlspruch "Lebe mit Fülle".

Wie sehr sie das Motto beherzigt, zeigte die reiche Erzählfreude, mit der sich die Ordensschwester den Gästen präsentierte. Seit fast vier Jahren lebt Jordana als Kinderdorfmutter mit fünf Kindern in einem der Häuser des Bethanien-Kinderdorfs Waldniel. Im Urlaub bemerke sie wegen der ähnlich alten, doch so unterschiedlich aussehenden Kinder oft fragende Blicke. In der Regel würde sie das Rätsel nicht auflösen, verriet Schwester Jordana. Ebenso verriet sie, wie viel Freude es ihr bereite, mit den Kindern und der Hände Arbeit den Garten anzulegen.

Bei ihr sprudelt der Erzählfluss. Dennoch betonte Schwester Jordana mehrfach, die "Liebe zum Schweigen" im frühen Klosterleben entdeckt zu haben. Schweigen lasse Gedanken zu, die im permanenten Geräuschpegel des Tages überdeckt würden. "Ebbt der äußerliche Krach ab, geht der innere los", sagte Jordana. In Lesung und Gespräch schlug die Autorin durchaus auch kritische Töne an.

So berichtete sie über den Machtmissbrauch einer Priorin, die sie beinahe verzweifeln ließen, ehe sie zu den Dominikanerinnen fand. Hier erkannte sie ihre Bestimmung und betonte mit Blick auf das Leben überhaupt: "Es ist wichtig, dass man sich traut, der inneren Kraft nachzugehen".

Im Buch habe sie von persönlichen Zweifeln geschrieben, aber nie vom Zweifel an Gott, bemerkte Jüngermann. Mit nachsinnendem Lächeln antwortete Schwester Jordana darauf: "Zweifel an Gott habe ich nie gehabt, aber manchmal ist es zwischen ihm und mir wie bei einem alten Ehepaar".

Quelle: RP
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