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Serie Heimat
Aus der Textilkrise auf den Brummi

Er hat Europa gesehen, ist Kilometer-Millionär am Steuer schwerer Lastkraftwagen. Seit 40 Jahren ist Wolfgang von der Ruhren Fernfahrer. Auch heute mit seinen inzwischen 73 Jahren springt er noch ab und zu ein, wenn in der Rheindahlener Spedition Kempers Not am Mann ist.

Eigentlich war er kaufmännischer Angestellter, hat beim Kaufhof gelernt und in der Textilindustrie gearbeitet: "Damals hatte fast jedes zweite Haus in Eicken etwas mit Textil zu tun. Doch dann kam die große Krise dieser Branche, Firmen gingen pleite", erzählt er. "Wir mussten unsere Wohnung in Hermges abbezahlen. So machte ich Mitte der 70er Jahre den Führerschein der Klasse II und wurde Lkw-Fahrer bei der Spedition Birkart." Kein leichter Job, aber er macht ihm Spaß.

So wie das "Basteln" in der Freizeit in seiner zur Heimwerkstattt ausgebauten Garage. "Ich kann fast alles", sagt er. Auch sein Bürstner-Campingmobil in Schuss halten, in dem er und seine Familie seit vielen Jahren Urlaub machen: am Gardasee auf dem Campingplatz "Romantica" bei Manerba. Dort hat er viele Freunde, hält zu einigen das ganze Jahr Kontakt.

Am Gardasee hat er 2013 eine Familie aus den Niederlanden kennengelernt, die sechs Pflegekinder betreut und ebenfalls auf dem Campingplatz Urlaub machte. "Ich erfuhr, dass die Kinder schreckliche Dinge erlebt haben, allesamt traumatisiert sind. Ihr Schicksal rührte mich so sehr, dass ich sie 2014 alle zum Martinszug nach Rheydt eingeladen habe. St. Martin gibt es in den Niederlanden zwar auch, aber anders als bei uns. Es war ein Erlebnis für die Kinder."

(oes)
 
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