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Mönchengladbach
"Ausprobieren" ist Leitbegriff im Blauhaus

Mönchengladbach: "Ausprobieren" ist Leitbegriff im Blauhaus
Das Blauhaus von oben: Das Modellprojekt von Hochschule Niederrhein und NEW ist eine Symbiose zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. FOTO: titz
Mönchengladbach. Sie feierten es überschwänglich: Gestern war die offizielle Eröffnung des schönsten Gebäudes in der Stadt. Das Blauhaus stellt eine Symbiose aus Wissenschaft und Wirtschaft dar. Und soll innovativ bleiben - dafür sorgen Existenzgründer. Von Dieter Weber

Der Präsident der Hochschule Niederrhein weiß genau, wie er seine Zeit im Blauhaus verbringen würde. Vorausgesetzt, er könnte die Zeituhr um einige Jahre zurückdrehen. "Wenn ich heute Student wäre", sagte Professor Dr. Hans-Hennig von Grünberg, "dann würde ich mir einen Lernraum suchen, zwischendurch auf die Dachterrasse gehen und den Blick über die Stadt schweifen lassen. Und dann würde ich zurückkehren und gestärkt meine Arbeit wieder aufnehmen." Ob viele seiner Studenten seinen Tipp beherzigen werden, wissen wir nicht. Was wir wissen: Sie haben die Chance dazu, und sie studieren in ihrer Bibliothek in einer Atmosphäre, die im schönsten Gebäude der Stadt herausragend ist. Das Blauhaus - so genannt, weil durch den Wechsel von Glas- und Photovoltaikelementen an der Fassade der Eindruck eines blauen Hauses entsteht - ist seit gestern offiziell eröffnet.

Das heißt aber nicht, dass auf 4000 Quadratmetern Nutzfläche schon alles so ist, wie es sein soll. Zwar hat das Unternehmen Frauenrath BauConcept bis auf kleine Rest-arbeiten alles terminlich fertiggestellt. Aber vor allem Frank Salmon hat mit seinem Team noch jede Menge Arbeit. Der Leiter der Hochschul-Bibliothek muss nächste Woche die Regale mit Tausenden von Medien bestücken, damit die Studierenden das Umfeld vorfinden, das für ein erfolgreiches Studium notwendig ist. Und er wird bei Beachtung aller wissenschaftlichen Anforderungen sicherlich vor allem auch eines tun: ausprobieren.

Sie schnibbelten gemeinsam am blauen Eröffnungsband (v.r.): Frank Kindervatter, Felix Heinrichs, Gerhard Wittfeld, Prof. Hans-Hennig von Grünberg, Rainer Hellekes, Armin Marx, Frank Salmon und Gereon Frauenrath. FOTO: titz

Dieser Aufforderung, ausgesprochen vom SPD-Fraktionsvorsitzenden und NEW-Aufsichtsratsvorsitzenden (Mobil und Aktiv) Felix Heinrichs, wurde bei der gestrigen Eröffnungsfeier zum Leitbegriff. Denn "ausprobiert" haben bei dem 10,15 Millionen Euro teuren Gebäude gleich mehrere Parteien etwas - und werden es auch künftig tun. Hochschule und Wirtschaft (NEW) versuchten sich an einer Symbiose für ein Modellprojekt, das die Hochschule zu zwei Dritteln und die NEW zu einem Drittel nutzen wird. "Ausprobiert" hat auch Gerhard Wittfeld, Geschäftsführer von Kadawittfeldarchitektur (das Büro zeichnet auch für die Fassade des Minto verantwortlich), wie sich Schönheit und Zweckmäßigkeit verbinden lassen - nach Meinung vieler ist die ästhetische Komposition gelungen, ohne den Nutzen zu vernachlässigen. Und schließlich liegt es noch an der NEW, das "Ausprobierte" zu verstetigen und neu "auszuprobieren". Der Versorger hält ein Stockwerk für Start-up-Unternehmen frei: In der "Blauschmiede" sollen sich Existenzgründer mit Ideen und Projekten rund um den Energiebereich beweisen können. Dies nicht ohne Hintergedanken, wie NEW-Vorstand Frank Kindervatter deutlich machte: Das klassische Geschäft mit Strom und Gas könne man selbst. Aber Hinweise auf neue Geschäfts- und Arbeitsfelder seien für die NEW überaus reizvoll.

Bei allem "Ausprobieren" fehlte der Blick zurück nicht. Etwa auf den ehemaligen NEW-Vorstand Dr. Rainer Hellekes, der mit Hochschul-Präsident von Grünberg das Projekt bei einem Picknick erfand. Und auf Hellekes-Nachfolger Armin Marx, der als ruhender Pol dafür sorgte, das Blauhaus zu dem zu machen, was es ist: ein architektonisch gelungenes Beispiel in einer aufstrebenden Stadt.

Quelle: RP
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