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Mönchengladbach
Autofahrer wegen Nötigung vor Gericht

Mönchengladbach. Die Politesse musste zur Seite springen, als der Angeklagte beschleunigte und gefährlich nahe kam. Von Ingrid Krüger

Nötigung warf die Staatsanwältin dem 23-jährigen Mönchengladbacher vor. "Ja, mein Mandant wird Angaben machen", erklärte die Verteidigerin bereits zu Prozessbeginn vor dem Amtsgericht. "Am 25. Juli vergangenen Jahres waren wir, meine Freundin und ich in der Nähe des Europaplatzes. Wir wollten ein Handy kaufen", erinnerte sich der Angeklagte. Auf dem Parkplatz hatten sie keinen Platz gefunden, waren in einem Wendekreis herumgefahren und schließlich nahe der Ausfahrt des Parkplatzes gelandet. Dann habe er eine Politesse in der Uniform des Ordnungsamtes gesehen, die die parkenden Fahrzeuge kontrollierte und dabei in ihr Handy schaute. Sie habe am Rand des Bürgersteigs auf der Straße gestanden. Er habe ihr noch aus dem geöffneten Fenster "Verpiss dich!" zugerufen und sei dann mit erhöhtem Tempo losgefahren.

Im Gerichtssaal erinnerte sich die Politesse: "Ich bin ganz furchtbar erschrocken. Ich dachte, der steht da mit seinem Wagen und wartet auf einen Parkplatz. Den Spiegel vom Auto hätte ich greifen können. So nahe war der".

Einem 55-jährigen Autofahrer war der Angeklagte an dem Julitag an der Einfahrt zum Sittardplatz auch aufgefallen. "Die Dame in der Uniform musste zur Seite springen. Davon wollte der Angeklagte allerdings nichts gesehen haben. "Der junge Mann fuhr zügig an und beschleunigte dann noch einmal. Für ihn war das reiner Spaß. Er grinste", erinnerte sich der 55-jährige Zeuge.

Nach diesen Aussagen entschuldigte sich der Angeklagte. Das mit dem "Verpiss dich" habe er nicht so gemeint, so der Mönchengladbacher im Gerichtssaal. Er versuchte, die Bemerkung als übliche Floskel darzustellen. Schließlich fragte der Richter den Angeklagten, ob er nicht daran gedacht habe, sich in der gefährlichen Situation ganz anders zu verhalten. "Sie hätten bremsen oder hupen können", hielt ihm der Richter vor. Darauf reagierte der Angeklagte mit Schweigen.

Die 19-jährige Freundin des Autofahrers hatte auch dessen hässlichen Spruch "Verpiss dich" gehört. "Das hat der gesagt, weil er selbst auch erschrocken war", verteidigte sie den Angeklagten. Den Seitensprung der Politesse wollte sie auch nicht gesehen haben.

Der Prozess endete gestern nicht, weil ein Zeuge nicht kommen konnte. Am 29. August wird die Verhandlung vor dem Mönchengladbacher Amtsgericht fortgesetzt.

Quelle: RP
 
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