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Mönchengladbach
Autostadt soll zur Stadt für alle werden

Mönchengladbach: Autostadt soll zur Stadt für alle werden
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion im voll besetzten TiG (v.l.): Andreas Gruhn (RP), Ulas Zabci (Piraten/Die Partei), Jan Hinrich Wurzel (Bike Kitchen), Torben Schultz (Linke), Dirk Rheydt (ADFC), Patrick Lademann (FDP), Jochen Klenner (CDU), Felix Heinrichs (SPD), Thomas Diehl (Grüne). FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Auf Einladung des ADFC diskutierten Kommunalpolitiker über die Nahmobilität der Zukunft. Dabei zeigte sich: Bei allem Hype um das Radfahren ist das Thema noch nicht ausreichend in den Köpfen der Entscheider angekommen. Von Angela Rietdorf

Schon vor der Tür des TIG wurde zweierlei klar: Der Abend zum Thema Radverkehr war ein Erfolg - und es gibt zu wenig Abstellplätze für Fahrräder. Überall, wo man rings um das Aretzplätzke Fahrräder anschließen konnte, waren auch Räder angekettet worden. Der Ansturm überraschte selbst die Veranstalter. Der Film Bikes vs. Cars, mit dem der Abend begann, startete mit 15-minütiger Verspätung, weil die Besucherschlange so lang war. "In Düsseldorf sind mit großem PR-Getrommel nur 50 Leute ins Kino gekommen", sagt ein strahlender Thomas Claßen vom Vorstand des ADFC Mönchengladbach. "Heute sind 120 Zuschauer da." Das Thema Radfahren bewegt das einst als Autostadt gepriesene und konzipierte Mönchengladbach.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion zeigte sich, dass das Thema die Politik zumindest erreicht hat, wenn sich die Parteien über die Mittel und Wege, den Radverkehr zu fördern, auch nicht unbedingt einig sind. Jochen Klenner, Landtagskandidat der CDU, will keine Gegensätze zwischen Autofahrern und Radfahrern aufbauen. "Wir sollten auf positive Aktionen setzen und nicht den Autofahrern etwas wegnehmen, um den Radverkehr zu fördern", sagt er. Das gefällt dem Publikum, das weitgehend aus aktiven Radfahrern besteht, weniger.

Mehr Applaus erhält Torben Schultz von den Linken, wenn er die Verkehrswende fordert und darauf hinweist, dass die Förderung des Radfahrens die Lebensqualität für alle hebt. Oder Thomas Diehl von den Grünen, wenn er meint, dass die Autofahrer in Gladbach lange genug gepäppelt wurden und nun auch mal einen Einschnitt vertragen könnten. Konkret wird es, als Felix Heinrichs (SPD) die Planungen für einen neuen Radweg auf der Hohenzollernstraße anspricht. Er könne sich einen Radweg in der Mitte der Straße vorstellen analog zur Richard-Wagner-Straße, sagt er. Aber dann gehen Parkplätze verloren. Der Konflikt mit den Anliegern sei programmiert.

Dirk Rheydt, der für den ADFC auf dem Podium sitzt, stellt fest: "Wir haben zu viel Autoverkehr in der Stadt. Um den Radverkehr zu fördern, brauchen wir Lösungen, bei denen sich auch ältere und schwächere Verkehrsteilnehmer sicher fühlen." Er plädiert zum Beispiel dafür, die Richard-Wagner-Straße in eine Fahrradstraße zu verwandeln. Für die Autofahrer gebe es rechts und links dieser Straße genügend Ausweichrouten.

Dass bei allem Hype um das Radfahren das Thema doch noch nicht in den Köpfen der Entscheider angekommen ist, macht Jan Hinrich Wurzel, Student an der Hochschule Niederrhein und im Bike Kitchen aktiv, an einem Beispiel deutlich:. "Wir haben eine neue Bibliothek bekommen, aber davor gibt es keine Abstellmöglichkeiten für Fahrräder", kritisiert er. Ja, ja, die Abstellmöglichkeiten - davon brauche man mehr, meinen alle. "Radfahrer sind gute Kunden", sagt Thomas Diehl. "Sie lassen viel Geld in der Stadt, weil sie oft kommen." Aber sie müssen ihre Räder sicher abstellen können.

In Rheydt ist man da ganz gut aufgestellt, im Gladbacher Zentrum und den anderen Stadtteilen bleibt noch viel zu tun. Mit Blick auf den Masterplan Nahmobilität, der im kommenden April vorgelegt werden soll, fordert Dirk Rheydt: "Er soll kein Papiertiger werden. Dafür muss ausreichend Geld eingestellt werden." Damit Gladbach irgendwann eine Stadt ist, in der sich neben den Autofahrern auch die Radfahrer und Fußgänger wohlfühlen.

Quelle: RP
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