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Mönchengladbach
Begleiter auf dem schwersten aller Wege

Mönchengladbach: Begleiter auf dem schwersten aller Wege
Nicole Gatzweiler (v.l.), Irmtrud Buffen, Daniela Knothe, Georg Bronheim, Gudrun Fuhr, Conny Wolff und Birgit Brammertz: Die ehrenamtlichen Helfer des Hospizdienstes kümmern sich um sterbende Menschen und deren Angehörige. Sie helfen dabei, die schwere Zeit ein kleines bisschen leichter zu machen. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Ehrenamtliche Helfer betreuen sterbende Menschen und deren Angehörige. Damit sind sie eine echte Entlastung. Von Angela Rietdorf

Wenn ehrenamtliche Sterbebegleiter von ihrer Aufgabe erzählen, mischen sich bei den Zuhörern zuerst unweigerlich Schrecken und Bewunderung. "Dass du das schaffst, das ist doch so schwer" sei fast immer die Reaktion, von der Ehrenamtler berichten, sagt Conny Wolf, Koordinatorin der ambulanten Palliativ- und Hospizversorgung beim Deutschen Roten Kreuz. Sie koordiniert gemeinsam mit ihren Kolleginnen der beiden anderen ambulanten Hospizdienste Caritas und Wegbegleiter den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer, die sich um Sterbende und deren Angehörige kümmern.

Es ist auch ganz sicher keine einfache Aufgabe, der sich insgesamt rund 120 Ehrenamtler in Mönchengladbach widmen: Sterbebegleitung bedeutet ebenso dem schwerst kranken Menschen zuzuhören oder bei ihm zu sein wie mit den Angehörigen zu sprechen, sie zu entlasten, ihnen die Möglichkeit zu geben, mit einem sicheren Gefühl das Haus zu verlassen. Der ehrenamtliche Einsatz ist kostenlos und erfolgt unabhängig von einer pflegerischen Betreuung. "Manchmal geht ein Helfer auch mit einem Kind auf den Spielplatz oder es wird jemand gebraucht, der die Ehebetten abbaut, um Platz für das Pflegebett zu schaffen", erklärt Daniela Knothe vom Hospizdienst Wegbegleiter. "Die Aufgaben sind so vielfältig wie das Leben." Und weil sie so vielfältig sind, werden die ehrenamtlichen Helfer sorgfältig darauf vorbereitet. Hundert Stunden umfassen die Vorbereitungskurse. Die Teilnehmer lernen unter anderem, wie sie Gespräche in Konflikt- und Krisensituationen führen können und setzen sich mit den Themen Tod und Trauer auseinander. Wichtig ist, dass sie in Ausnahmesituationen Ruhe vermitteln. DRK-Koordinatorin Conny Wolf schildert einen Einsatz: Da werden die hauptamtlichen Palliativpflegekräfte von der Ehefrau des Schwerstkranken schon morgens mit den Worten "Helfen Sie mir, ich schaff´ das nicht mehr" empfangen. Die Profis kümmern sich um die Palliativpflege und geben den Notruf an die Koordinatorin weiter. Diese sucht nach ehrenamtlichen Helfern, die an den nächsten zwei Tagen - es ist Wochenende - einsetzbar sind. Danach wird ein Hospizplatz für Montag organisiert. Die ehrenamtliche Sterbebegleiterin kommt und vermittelt vor allem Ruhe. Sie fragt auch nach der religiösen Einbindung und organisiert dann den gewünschten seelsorgerischen Beistand. "Die spirituellen Bedürfnisse eines Menschen sollen nicht aus dem Blick geraten", sagt Conny Wolf.

Wie gesagt, alles keine einfache Aufgabe, aber: "Sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, damit umgehen zu lernen, ist ein Geschenk an sich selbst", sagt Daniela Knothe. Es werden auch Reflektion und Supervision angeboten ebenso wie ein Austausch der ehrenamtlichen Helfer untereinander und mit den hauptamtlichen pflegerischen und medizinischen Mitarbeitern erfolgt. "Die Aufgabe bringt auch viel für das eigene Leben", sagt auch Conny Wolf. Wichtig sei, dass die Helfer gefestigte Persönlichkeiten seien. Das werde während der Qualifikation geklärt. "Wenn dann jemand feststellt, dass er oder sie diese Aufgabe nicht oder noch nicht bewältigen kann, ist niemand böse", betont Daniela Knothe. Die nächsten Qualifikationskurse beginnen im Januar (Caritasverband und Wegbegleiter) beziehungsweise im März (DRK). Der Bedarf in Mönchengladbach an Helfern steigt.

Kontakt: Caritas Nicole Gatzweiler 02161-81020, DRK Conny Wolff, 02161-46862164, Wegbegleiter Daniela Knothe 0157-56235980.

Quelle: RP
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