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Mönchengladbach
Bei Anruf Paket

Mönchengladbach: Bei Anruf Paket
Vor der Paul-Wolff-Zentrale an der Monschauer Straße ist bereits eine Paketbox in Betrieb. Hier können beispielsweise Zulieferer des Unternehmens kleine Blechteile abliefern, auch außerhalb der Geschäftszeiten. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Die Paul Wolff GmbH bringt Wertschränke auf den Markt, die man als Kunde oder Lieferant per Handyanruf öffnet. Im "Shop vor der Haustür" können Internet-Bestellungen, aber auch Getränke oder Obst vom Bauern eingeliefert werden. Von Jan Schnettler

Das Problem kennt jeder, der schon mal etwas im Internet bestellt hat - weil es den größten Schwachpunkt des stetig wachsenden Versandhandels betrifft. Ist man gerade nicht zuhause, wenn der Paketbote klingelt, wird's schnell ungemütlich: Mal wird ein Nachbar behelligt, der dann selbst wiederum nicht da ist, wenn man die Sendung bei ihm abholen möchte. Oder aber das Paket wird in der nächsten Filiale hinterlegt, wo man sich dann in der Warteschlange die Mittagspause vertreiben kann. Und auch Auslieferern sind erfolglose oder mehrfache Zustellversuche ein Dorn im Auge. Hier setzt ein neues Produkt der Paul Wolff GmbH an, das mit so genannten digitalen Wertschränken den Onlinehandel kundenfreundlicher gestalten möchte.

Und die funktionieren so: Lieferdienste deponieren Warensendungen im Wertschrank, der vor der Haustür steht, und können von dort auch Retouren wieder mitnehmen - 24 Stunden am Tag. Der Schrank hat eine eigene Mobilfunknummer und öffnet sich nur, wenn diese von einer vorher registrierten und freigeschalteten Handynummer aus angerufen wird - also vom Lieferanten oder vom Kunden. Der Bote muss nicht mehr in den Hausflur, das Gegenzeichnen entfällt, dazu ist der robuste und wetterfeste Schrank elektronisch überwacht, jede Öffnung wird dokumentiert. "Das ist nicht zuletzt ein erheblicher Zuwachs an Sicherheit", sagt Dr. Hanns Menzel, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens.

Aber natürlich auch an Effizienz für die Lieferdienste. Denn bei einer solchen Lösung gelingt jede Zustellung beim ersten Versuch, und Routen können optimiert werden, weil man keine Rücksicht mehr darauf nehmen muss, ob Kunden gerade zuhause sind oder nicht. "Wir haben bereits angefangen, bei Amazon und Co. das Interesse abzuklopfen", sagt Menzel.

Derzeit sind die digitalen Wertschränke, mit denen Paul Wolff erstmals zum Systemintegrator wird, noch im Feldversuch - bei einer Wohnungsgesellschaft in Jena-Lobeda in Zusammenarbeit mit dem Jenaer Unternehmen Paketin, das die Schließtechnologie in das Projekt einbringt. Denn ähnliche Konzepte existieren natürlich bereits, sowohl beim Marktführer DHL als auch bei dessen Konkurrenten DPD, GLS und Hermes (Parcellock). Paketschränke gibt es darüber hinaus auch einfach im Baumarkt zu erstehen. "Der Vorteil unseres Systems ist aber, dass es universell ausgelegt ist und nicht an konkrete Paketdienste gebunden ist", sagt Menzel. Und spricht damit direkt einen nicht ganz unerheblichen Hintergedanken an: Das System könnte schnell auch für den lokalen Handel interessant werden. Denn die Wertschränke können natürlich nicht nur Schuhe von Zalando oder (in größeren Ausführungen) sogar einen im Internet bestellten Grill aufnehmen, sondern beispielsweise auch Wasser und Bier vom Getränkemarkt oder Obst und Gemüse vom örtlichen Biobauer. Deswegen wolle man das Produkt auch zeitnah den Machern von "MG bei Ebay" sowie "MG Retail 2020" vorstellen.

Erstmals präsentiert wird der "Paketschrank Depot 241" - so die genaue Bezeichnung - allerdings bei der Münchener Leitmesse BAU im Januar 2017. Und zwar sowohl Wohnungsgesellschaften wie auch Architekten. Erstere könnten ihren Mietern mit den Paketboxen einen Mehrwert bieten, denn selbstverständlich könnten sich auch mehrere Wohnungen einen Paketschrank teilen. Und zweitere könnten die Boxen bei Neubauprojekten bereits stimmig integrieren. Die Stromversorgung des Schließmechanismus erfolgt per Kabel oder Solarmodul.

Paul Wolff, das mit 135 Mitarbeitern in Mönchengladbach und Ditzingen Abfallsysteme, Schutz- und Depotschränke sowie Friedhofssysteme entwickelt und herstellt, plant, die Basisversion (pro Fach) für unter 800 Euro anbieten zu können.

Quelle: RP
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