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Mönchengladbach
Bei der Ensemblia kreisen die Kartoffeln

Mönchengladbach. Fünf Tage, vom 22. bis 26. April, wird Mönchengladbach zum Pilgerzentrum zeitgenössischer Künste. Die Ensemblia 2015 lockt mit 25 Programmpunkten. Und alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Von Dirk Richerdt

Für Peter Schlipköter, den Marketing-Chef Mönchengladbachs, ist es die sechste Ensemblia. Erstmals 2005 war die Marketing-Gesellschaft mit der Ausrichtung des grenzüberschreitenden Kulturfestivals betraut, das freilich schon seit 1979 im Zwei-Jahres-Turnus angeboten wird. In diesem Jahr läuft die Ensemblia vom 22. bis 26. April.

Was Schlipköter und Programm-Organisatorin Petra Riederer-Sitte besonders freut: "Wir haben es dank rühriger Unterstützung durch zwölf Sponsoren und Förderer geschafft, dass alle 25 Veranstaltungen der Ensemblia kostenfrei besucht werden können", betont der 60-jährige Schlipköter. Allein für das Kulturfrühstück am 26. April im BIS-Zentrum werden 15 Euro Verzehrkosten erhoben. Es war auch genug Geld da für Großplakate, Citylights und Spanntransparente im öffentlichen Raum und den Internet-Auftritt.

Das 44 Seiten starke Programmheft wird in einer Auflage von 10 000 Exemplaren unter die Leute gebracht. "Die beteiligten Einrichtungen haben sich intensiv um ihre Veranstaltungen gekümmert", lobt Schlipköter die Zusammenarbeit. Mit dem Museum Abteiberg, dem städtischen Kulturbüro, der Musikschule, dem Theater, den Niederrheinischen Sinfonikern, mit der Citykirche. Aber auch Privatleute, die beispielsweise ein leerstehendes Haus an der Goethestraße für eine leicht gruselige Multimedia-Installation zur Verfügung stellen, ein Jazzkonzert in einer Baguetterie ermöglichen oder eine Lesung im Café veranstalten, sorgen dafür, dass Ensemblia bunt, vielfältig und dabei anspruchsvoll aufgestellt bleibt. "Und drei Schulen beteiligen sich mit Lesungen am Programm", streicht Peter Schlipköter heraus.

"Erstmals haben wir Vertreter der freien Kulturszene ins Boot holen können", sagt Riederer-Sitte. Und benennt dazu gleich ein Highlight: So hat der Mönchengladbacher Fotograf, Musikverleger, Musiker und Kurator Martin Kircher in Kooperation mit dem Kulturbüro am 25. April einen "Abend der Performance" unter dem Titel "Umkleide II" konzipiert. "Dabei spielen die alten Umkleiden in der Monforts-Fabrik eine Rolle", informiert Peter Schlipköter. Die bevorstehende Aktion mit den ehemaligen Wilberz-Atelierstipendiatinnen Rosa Sijben (NL) und Angelika Fojtuch (Polen) sowie zwei weiteren Performance-Künstlern vergleicht er mit persönlichen Eindrücken aus Waschkauen in Bergbau-Industriedenkmälern des Ruhrgebiets. Umkleide II dauert etwa zwei Stunden - und für zweimal zehn Minuten wird es dabei richtig laut, ist zu erfahren.

Nicht unbedingt laut, vor allem jedoch schräg und skurril sind die musikalischen Attraktionen der Ensemblia. Riederer-Sitte empfiehlt das Auftaktkonzert mit dem Ensemble "Stationen NRW" in der Citykirche (22. April, 20 Uhr) und das Abschlusskonzert am 26. April, 18.30 Uhr, im Haus Erholung mit dem Komponisten Moritz Eggert (49) "and friends". Dabei wird auch Paul Hübner, Kompositionspreisträger der Ensemblia 2013, mitwirken. Er spielt Trompete in der Uraufführung von "Fanfaren / Signale". "Ich akzeptiere die Nutzungsbedingungen" heißt ein weiteres uraufzuführendes Stück für Stimme und Klavier von Moritz Eggert. Die Stimme steuert rezitierend Moritz Eggert selbst bei. Ein Stück namens "Hämmerklavier X" kommt übrigen ganz ohne Klavier aus, meldet der Komponist Eggert.

Im Museum Abteiberg erinnern die Sänger Jan St. Werner und Damo Suzuki mit einem "Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann", am 23. April an den Künstler Sigmar Polke.

Während des gesamten Festivals zeigt der Mönchengladbacher Fotograf Werner Hübner in der Musikschule, Lüpertzender Straße 83, die Fotoschau "Ensemblia im Bild".

Quelle: RP
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