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Mönchengladbach
Bernhard Büdts schreibt über die Wurzeln der Gladbacher Musikszene

Mönchengladbach. Vor drei Jahren ist sein erstes Buch der Reihe "Geboren 1950" erschienen. Darin erzählt Bernhard Büdts Geschichten aus seiner Kindheit in den 50er-Jahren. Nun hat der Inhaber einer Werbeagentur und ehemalige Bandmusiker die Fortsetzung herausgebracht. Das Buch trägt denselben Titel, freilich mit dem Zusatz "Die 60er Jahre in Mönchengladbach". Von Dirk Richerdt

Darin hat Büdts, der seit 1963 in der Beat-Band "The Outlaws" fünf Jahre Gitarre und E-Bass spielte, Erinnerungen an die Musikszene jener Zeit festgehalten. Authentischeres als diese Dokumentation ist nicht denkbar: eine Fundgrube für jeden an städtischer Sozialgeschichte Interessierten, der wissen will, wie Jungs und Mädels in der Ära der "Beatlesmania" tickten.

"Damals war eine echte Aufbruchstimmung in Mönchengladbach und Rheydt zu spüren", erinnert sich der 62-jährige Neuwerker, der zu der Zeit die Realschule Mönchengladbach besuchte. Als er mit den Outlaws anfing, die damals populären Hits zu covern, war Bernhard Büdts im zarten Jugendalter von 13 Jahren. Das brachte Probleme mit sich – nicht nur, wenn es darum ging, bei einem Auftritt über 21 Uhr hinaus wegzubleiben. "Damals fingen wir an, gegen überlieferte Äußerlichkeiten zu rebellieren", sagt Büdts.

Ein Beispiel: "Als ein Mitschüler eines Tages mit einer schwarzen Weste, wie sie die Band The Lords trugen, in die Schule kam, befahl ihm ein Lehrer barsch, das Kleidungsstück sofort auszuziehen. Da beschlossen wir, dass wir uns solche Zurechtweisung nicht gefallen lassen wollten. Und so saßen am nächsten Tag fast alle Jungs der Klasse in Lords-Westen an den Schulbänken." Nach zackigen Märschen stand den jungen Leuten 20 Jahre nach Kriegsende nicht mehr der Sinn, sondern nach der Musik, die Bill Haley, Elvis, die Beatles und die Stones machten.

Leicht hatten es die jungen Beatniks nicht, zumal ihre etwas älteren Kollegen, die Jazzer, den Anspruch der "Platzhirsche" erhoben. Aber bald kehrte zwischen beiden Gruppen Friede ein. "Bei einem improvisierten Fußballspiel hieß es: Beat meets Jazz", erzählt Büdts.

Es war eine Riesengaudi, dieses Fußballspiel, das Günter Netzer pfiff. Die Fotos jener Jahre zeigen, dass die angeblich so "unanständige" Langhaarmode eine absolut harmlose Angelegenheit war. "Und die Mädchen trugen noch fast alle Röcke", sagt Büdts und weist auf alte Fotos.

Die riesige Ausbeute an Bildern hat Bernhard Büdts von Freunden, Kumpels und Musikerkollegen ausgeliehen und um Bestände aus der eigenen Sammlung ergänzt. Dazu kommen etliche Zeitungsartikel, überwiegend aus der Rheinischen Post, reproduzierte Plakate und Einladungskarten zu musikalischen Events. Oder auch ein Gehaltszettel. Zentrum der Beat-Anhänger war in den Sechzigern die Szenekneipe "budike" am Alten Markt. Aber auch das Math.-Nat. Gymnasium bot der modernen, tanzbaren Musik Asyl.

Zu dem Buch von Bernhard Büdts resümiert Stadtarchivar Dr. Christian Wolfsberger anerkennend: "Für die, die dabei waren, sicher eine Gelegenheit, sich zu erinnern, für die Nachgeborenen ein nachvollziehbarer Blick auf eine sehr bewegte Zeit." Das Buch kostet 34,50 Euro.

(RP/rl)
 
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