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Mönchengladbach
Berufs-Informationsbörse gegen "verdaddelte Lebenszeit"

Mönchengladbach. 104 Aussteller treffen bei "Beruf konkret" von Donnerstag bis Samstag am Berufskolleg Platz der Republik auf bis zu 5000 Schüler. Von Jan Schnettler

Schuldezernent Gert Fischer ist zugleich Kulturdezernent. Da ist es nur recht und billig, dass er bei einem Pressegespräch zu einem Bildungsthema auch ein paar "kulturpessimistische Bemerkungen" unterbringt, wie er sagt. Und die gehen so: "Immer mehr junge Leute entscheiden sich für den falschen Beruf." Denn: Es gebe weniger feste Strukturen als früher, als man einfach den Betrieb des Vaters übernahm. Der Überblick werde, angesichts von 300 Ausbildungsberufen und ungezählten Studiengängen in Deutschland, immer schwieriger. Das alles führe in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft zu immer mehr Verunsicherung, was die Gestaltung der eigenen Zukunft angeht. "Die Teilnahme an Freiwilligem Sozialen Jahr und dergleichen steigt sprunghaft an, viele legen ein Sabbatjahr ein", sagt Fischer. Und: "Ich glaube nicht, dass das nur aus purer Menschlichkeit geschieht, sondern weil die jungen Leute nicht wissen, was sie künftig tun sollen." Deswegen "verdaddeln viele von ihnen Lebenszeit". Kulturpessimistische Bemerkungen Ende - und Einmarsch für "Beruf konkret".

Zum bereits zwölften Mal findet die Berufsinformationsbörse, die Stadt, Arbeitsagentur und MGconnect-Stiftung gemeinsam durchführen, seit 1994 statt. Diesmal mit so vielen Ausstellern (104) wie nie; 31 davon sind erstmalig mit von der Partie, 19 sind Hochschulen, auch das ist ein Rekord. "Es zeugt von dem zunehmenden Druck, den auch die Wirtschaft verspürt, dem Fachkräftemangel etwas entgegenzuhalten", sagt Harald Weuthen, Leiter des Fachbereichs Schule und Sport bei der Stadt. Brigitte Battenstein, Leiterin des Berufskollegs Platz der Republik für Technik und Medien, wo "Beruf konkret" stattfindet, schlägt in dieselbe Kerbe - und hebt besonders die Teilnahme des Handwerks hervor. Erstmals seit vielen Jahren seien neben einer Reihe von Firmen auch sechs Innungen vertreten: "Auch das Handwerk hat verstanden, dass es etwas tun muss."

Rund 5000 Teilnehmer werden vom 22. bis 24. September erwartet - darunter Schüler der neunten und zehnten Klassen aller Schulformen. Der Samstag firmiert als "Hochschultag" und dürfte eher etwas für Gymnasiasten sein. ",Beruf konkret' ist ein zentrales Modul der Berufsorientierung", sagt Wolfgang Draeger, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit. "Denn die ist kein singulärer Vorgang, sondern ein Prozess, der mit der Zeit reift." Die Veranstalter betonen, dass ,Beruf konkret' diesmal noch konkreter werde - nicht zuletzt weil zwei ehemalige Schülerinnen des Berufskollegs Platz der Republik, Deborah Engbrocks und Diana Krappen, ein neues Messe-Logo in Form eines Papierfliegers sowie Broschüre, Plakate und Flyer gestaltet haben. Neu ist diesem Jahr eine Reihe von Vorträgen mit schmissigen Titeln wie "Zehn Goldene Regeln, um sein Studium an die Wand zu fahren". Geöffnet ist die Börse am Donnerstag und Freitag jeweils von 8 bis 14 Uhr und am Samstag von 9 bis 13.30 Uhr.

Quelle: RP
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