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Mönchengladbach
Bethesda: Frauenklinik hilft Gewaltopfern

Mönchengladbach. Eine neue, standardisierte Untersuchung soll formale Fehler bei der Beweisaufnahme vermeiden. Von Thomas Grulke

Chi Mi Scheible hat ausreichend Erfahrung in verschiedenen Krankenhäusern gesammelt, um sich ein Bild davon machen zu können, wie sich Opfer sexueller oder häuslicher Gewalt fühlen. "Oftmals ist es so, dass Opfer in den Nacht- oder Morgenstunden ins Krankenhaus kommen, die in die Bereitschaftsdienst-Zeit fallen. Wenn dann kein Facharzt vor Ort ist, fällt die Erfassung von Beweismaterial schwer. Und für die Opfer ist es traumatisch, wenn bei einer Anklage die Beweismittel vor Gericht nicht standhalten", sagt die Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Bethesda.

Entsprechend begeistert war Chi Mi Scheible, als sie vom "Gewaltopferbeweissicherungs- und Informationssystem" (Gobsis) erfuhr, das Beweismaterial gerichtsfest dokumentiert und Gewaltfolgen richtig einordnet. Dieses standardisierte Untersuchungsverfahren, das von der Rechtsmedizin der Universitätsklinik Düsseldorf in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Dortmund entwickelt wurde, nutzt das Bethesda seit wenigen Wochen als eine von etwa 40 Kliniken in NRW, die alle an dem bis 2019 befristete Projekt des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilnehmen.

"Der Vorteil dieses Systems ist nicht nur, dass formale Fehler vermieden werden, sondern dass auch unsere Oberärzte im Umgang mit solchen Fällen weiter geschult und sensibilisiert werden", sagt der Chefarzt der Frauenklinik, Darius Salehin. Ein Team von vier Oberärztinnen steht im Bethesda zur Verfügung, um Gewaltopfer zu betreuen. Das standardisierte und computergestützte Verfahren hilft dabei und führt die Mediziner durch die aufwendige Untersuchung. So gibt es beispielsweise in dem Verfahren eine kartographierte Abbildung des Körpers, in der jede äußere Verletzung detailliert beschrieben und dokumentiert wird. Und es gibt die Möglichkeit, bei Fragen direkt mit einem Rechtsmediziner Kontakt aufzunehmen.

Betroffene können sich im Bethesda jederzeit in der gynäkologischen Notfallambulanz melden. Neben den Oberärzten sind auch die Seelsorger der Klinik erste Ansprechpartner, um Vertrauen in dieser schwierigen Situation aufzubauen. Hilfreich kann dabei sein, dass auch eine anonyme Speicherung der Spuren möglich ist, so dass die Opfer darauf zurückgreifen können, sollten sie sich später zu einer Anzeige entschließen.

Dies macht Gobsis auch für die Mönchengladbacher Polizei sehr interessant. "Unser Problem ist häufig, dass eine Beweisaufnahme und Spurensicherung nur noch sehr schwer möglich ist, wenn sich die Opfer erst später bei uns melden. Insofern greifen wir bei einer Anzeige gerne auf die gespeicherten Daten des Systems zurück", sagt Kriminal-Hauptkommissarin Sabine Pesch, die seit drei Jahren Fälle der häuslichen Gewalt bearbeitet.

Einen ersten Fall hat die Frauenklinik bereits dokumentiert, in den kommenden Wochen will sie aber noch verstärkt mit einem selbst gestalteten Plakat auf das neue Angebot aufmerksam machen.

Quelle: RP
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