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Mönchengladbach
Betrunken flirten kommt nicht an

Mönchengladbach. Michelle ist hinterher noch schwindelig. "Es war, als würde ich auf einem Berg stehen, ich konnte nichts wirklich erreichen", beschreibt die 14-Jährige ihre Erfahrung. Sie hat gerade mit einer so genannten Rauschbrille eine SMS geschrieben und ein Schloss geöffnet. Ihr Mitschüler Christian - ebenfalls mit einer Brille ausgerüstet, die 0,8 Promille simuliert - gibt den Code eines Fahrradschlosses ein und geht einen Schlüssel holen. Man merkt seinen Bewegungen an, wie unsicher er sich fühlt. Von Angela Rietdorf

In der Realschule an der Niers ist für die vier achten Klassen im Rahmen der Suchtprävention ein Parcours aufgebaut worden, der sich an fünf Stationen mit dem Thema Alkoholkonsum auseinandersetzt. Die Station mit der Rauschbrille macht den Schülern erkennbar viel Spaß. "Es sind Alltagsaufgaben, die sie mit der Brille lösen müssen", so Bio-Lehrerin Katja Beldycki. "Einen Geldbetrag richtig heraussuchen, ein Schloss öffnen, ein Handy bedienen." Es gibt Punkte auf schnell und richtig gelöste Ausgaben, damit das Ganze noch mehr Spaß macht. Gelächter kommt aus einer anderen Ecke des Klassenraums. Dort ist die "Flirt-Station" aufgebaut. Hier geht es darum, was ein guter Versuch der Kontaktaufnahme ist - und wie man auf keinen Fall angemacht werden möchte. Ernster ist die Aufgabe, die rechtlichen Konsequenzen des Verhaltens einzuschätzen: Was droht einem Verkäufer, der einem Jugendlichen Wodka verkauft, wer kommt für den Schaden bei einer aus dem Ruder gelaufenen Party auf, was steht auf Sachbeschädigung? Schließlich werden noch die Folgen des Alkoholkonsums, wie Organschädigungen, thematisiert. Überall können die Teams Punkte machen, zum Schluss gibt es kleine Preise für die Besten. "Der Wettbewerb motiviert zusätzlich", weiß Martina Cremers, Biolehrerin und für die Suchtprävention an der Realschule an der Niers zuständig.

Der Parcours, den sie mit der Drogenberatung und gesponsert vom Land an die Schule geholt hat, sei ein Puzzleteilchen der Präventionsarbeit, sagt sie. "Letztes Jahr haben wir mit diesem Jahrgang ein Peer-Education-Projekt durchgeführt", erklärt sie. Dabei wurden Neuntklässler von der Drogenberatung in der Präventionsarbeit geschult, die dann mit den damaligen Siebtklässlern gearbeitet haben. Jetzt folgt der Parcours. Bewusst wird in den Klassen 7 und 8 die Präventionsarbeit geleistet - Alkohol wird erfahrungsgemäß in den Klassen 9 und 10 ein Problem. Dann sollen die Schüler gerüstet sein. An Tagen wie Altweiber wird Alkohol an allen Schulen ein Problem. "Wir haben uns bewusst entschieden, dann Unterricht zu machen und nicht freizugeben", sagt die Biolehrerin. "Je später sie losziehen können, desto besser."

Quelle: RP
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