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Mehr "Schwänzer" in Mönchengladbach
Wenn das Ordnungsamt zur Schule bittet

Bezirksregierung Düsseldorf beklagt mehr Schulschwänzer
Zwei junge Frauen sitzen auf einer Bank. (Symbolfoto) FOTO: Andreas Bretz
Mönchengladbach. Sie haben keine Lust auf Lernen und bringen es auf mehr als jeweils 100 Fehlstunden im Halbjahr. Rund 200 notorische Schulschwänzer gibt es allein in Mönchengladbach. Bei 88 Teenagern klingelt morgens der Ordnungsdienst. Von Gabi Peters

Probleme im Elternhaus, Versagensängste, dauerhaft schlechte Noten, Stress mit Gleichaltrigen, Mobbing - es gibt viele Gründe, warum Kinder und Jugendliche die Schule schwänzen. Statt den Unterricht suchen sie Parks oder Geschäfte auf, gerne Orte mit W-Lan, weil sie dort ihre Zeit mit Surfen und Chatten verbringen. Und das geschieht immer häufiger. Im Regierungsbezirk Düsseldorf stieg die Zahl der wegen notorischen Schulschwänzens eingeleiteten Bußgeldverfahren in den vergangenen Jahren stark an: 2009 waren es noch 1091, im Jahr 2013 wuchs die Zahl schon auf 1518 und im vergangenen Jahr waren es sogar 2500.

Vor allem Förder- und Hauptschulen betroffen

Auch beim Kommunalen Ordnungsdienst spüren die Mitarbeiter deutlich, dass es mehr schulmüde Kinder gibt. Denn das Ordnungsamt wird immer dann vom Schulamt eingeschaltet, wenn Teenager durch dauerhafter, unentschuldigter Abwesenheit im Unterricht auffallen. 88 Schulzuweisungen gab es 2017. Das heißt: 88 Kinder und Jugendliche wurden von Ordnungsdienst-Mitarbeitern morgens zu Hause abgeholt und dann zu Schule begleitet. Und dies geschah oft nicht nur einmal, sondern oft mehrfach. Rund 200 Teeanger und Jugendliche, die mehr als 100 unentschuldigte Fehlstunden pro Halbjahr haben, sind beim Schulamt statistisch erfasst. Die meisten Schulverweigerer gibt es an den Förder- und Hauptschulen.

2016 schwänzten an den Förderschulen 51 Schüler (fünf Prozent) notorisch die Schule, an den Hauptschulen waren es 112 (vier Prozent). Bei allen war die Zahl der Fehlstunden dreistellig. Rechnet man auch die Kinder und Jugendlichen hinzu, die mehr als 30 Unterrichtsstunden im Halbjahr unentschuldigt fehlen, dann gibt es an diesen Schulformen in Gladbach sogar 400 Schulverweigerer.

Auch an Gymnasien gibt es notorische Schwänzer. Im vergangenen Jahr waren es vier (0,1 Prozent), die mehr als 100 Stunden in einem Halbjahr ohne Grund der Schule fernblieben. An den Realschulen lag die Zahl bei acht (0,3 Prozent), an Gesamtschulen bei 16 (ebenfalls 0,3 Prozent). Beim Thema Schule schwänzen stehen die Mädchen den Jungen übrigens in Nichts nach. Im Gegenteil. 2016 wurden in der Stadt 101 weibliche und 90 männliche Schulverweigerer erfasst.

Schwänzern droht Bußgeldverfahren

61 Bußgeldverfahren wegen Schulschwänzens (bis maximal 1000 Euro) wurden in Mönchengladbach im vergangenen Jahr eingeleitet. Wobei die Stadt nur für die Haupt- und Förderschulen zuständig ist. Die anderen Schulformen liegen im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung. Manche Eltern wissen gar nicht, wie oft ihre Kinder den Unterricht schwänzen, manchen ist es auch egal. Sie legen keinen Wert auf Bildung und geben ihrem Nachwuchs auch keine schulische Unterstützung.

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Die Schulen haben verschiedene Instrumente, um auf andauerndes Schulschwänzen oder Schulverweigerung zu reagieren: Sie suchen das Gespräch mit Eltern und Schülern, sie versuchen, das Lehrer-Schüler-Verhältnis zu verbessern oder setzen Maßnahmen ein, um Lernerfolg zu ermöglichen. Schulsozialarbeiter oder der schulpsychologische Dienst können eingeschaltet werden. Nützt das alles nicht, wird das Ordnungsamt beauftragt, den Schulbesuch sicherzustellen. Im vergangenen Jahr wurden 62 Teenager zur Schule gebracht, 2015 waren es 77.

Quelle: RP
 
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