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Mönchengladbach
Bilder, die sich in ihren Rahmen bewegen

Mönchengladbach. Galerie Löhrl zeigt zwei Ausstellungen parallel in zwei Häusern: Arbeiten von Lohner/Carlson und Julia Lia Walter. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Zwei imposante Ausstellungen zeigt die Galerie Löhrl derzeit in zwei Häusern an der Kaiserstraße. Kaiserstraße 67: Es gibt die Malerei und es gibt die Videokunst. Die Berliner Künstlerin Julia Lia Walter, 1984 in Feuchtwangen geboren, hat einen einzigartigen Weg gefunden, diese beiden Genres miteinander zu verbinden. Sie komponiert Arbeiten, die sowohl aus Malerei als auch aus Videoprojektionen bestehen.

Da hängt beispielsweise ein abstraktes Ölgemälde an der Wand der Galerie Löhrl. Auf dieses projiziert Walter nacheinander eine Vielzahl von Bildern, die Gegenstände zeigen und deren Form und Farbe mit den abstrakten Formen im Bild korrespondieren. Walter nimmt damit die Assoziationskette vorweg, die automatisch im Kopf des Betrachters entsteht, wenn er abstrakte Bilder anschaut. Das ist ebenso intelligent wie humorvoll. Mit liebevoller Ironie befasst sich Julia Walter mit den Reaktionen und manchmal auch abstrusen Assoziationen, die Betrachter haben können - ohne sich über diese lustig zu machen.

Eine preisgekrönte Arbeit zeigt Löhrl mit "streetreload". Ein reines Video - so will man meinen. Und dennoch ist die Malerei hier präsent: Walter fotografierte Landschaftsbilder und Veduten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert ab. Wie in einer Collage setzt sie diese mit einer gefilmten Straßenszene von heute zusammen. Während die Gemälde harmonisch ineinander übergehen, ist die Straßenszene hart und mit deutlichen Brüchen zusammengefügt. Jahrhunderte stoßen aufeinander, Utopien werden entwickelt. Brüche ebenso wie scheinbare Bewegungen entdeckt der Betrachter auch in den Aquarellen von Julia Lia Walter. Mit breitem Pinsel über das Blatt gezogen, assoziieren sie Schwünge, die abrupt enden, um sodann wieder neu zu beginnen. Kaiserstraße 69: Mit den Arbeiten des Künstlerduos Henning Lohner und Van Carlson stellt die Galerie Löhrl eine weitere ungewöhnliche Position bei der künstlerischen Nutzung digitaler Medien vor.

In braunen Holzrahmen hängen - so scheint es (und so erwartet man es ja auch) - Bilder an den Wänden. Erst bei näherem und sich Zeit nehmendem Hinsehen entdeckt der Betrachter, dass diese Bilder sich bewegen. Was ist das - ein im Rahmen gefesselter kurzer Film oder ein entfesseltes Foto? Henning Lohner, geboren 1961 in Bremen, spricht dazu von "visueller Musik". Das erklärt sich aus seinem Zweitberuf. Lohner komponiert Filmmusik.

Vor gut 25 Jahren begann er darüber hinaus eine erfolgreiche bild-künstlerische Zusammenarbeit mit dem Kameramann Van Carlson, der 2012 verstarb. Seit dessen Tod setzt Lohner das Werk, das den Titel "Active Images" trägt, nunmehr allein fort.

"Visuelle Musik": Die sich sehr langsam bewegenden und Zeit einfordernden Film-Bilder sind von einer starken, wenn auch oft subtilen Rhythmik gekennzeichnet. Die Gondeln des Londoner Riesenrades bewegen sich wie Taktzeichen, die reflektierende Fassade am Canary Wharf weist eine rhythmische Gliederung auf. Die Bewegungen eines blühenden Busches wirken wie ein Tanz zu unhörbarer Musik.

Oft dauert es eine Weile, bis die besondere Bewegung, der besondere Moment, in dem ein Bild, eine Aufnahme zur Ausnahme wird, auftaucht. Wenn zum Beispiel ein fast schon klassisch zu nennendes Motiv, ein von Bäumen gesäumter stiller Teich, vom Sprung eines Hundes aufgewühlt wird oder Touristen in Venedig beim Betrachten des Kanals von einer Welle durchnässt werden.

Henning Lohner findet seine Motive unterwegs - oder die Motive finden ihn, denn der Zufall, der einen wichtigen Anteil des Bildes einnimmt "trifft nur den vorbereiteten Geist", wie der Künstler hier den Chemiker Louis Pasteur zitiert.

Beide Ausstellungen sind bis zum 12. Juni, di. bis fr. 13-18 Uhr, sa. 10-14 Uhr, geöffnet. Die Arbeiten von Julia Lia Walter sind an der Kaiserstraße 67, die von Lohner/Carlson im Haus Nr. 69 zu sehen.

Quelle: RP
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