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Mönchengladbach
BIS-Verein will im Kulturzentrum bleiben

Mönchengladbach: BIS-Verein will im Kulturzentrum bleiben
Im Garten des Kulturzentrums stellen sich dem Fotografen (v.l.): Andrea Geiser, Vorsitzender Herbert Krumbein, Sabine Reder, Claudia Uebach-Pott, Bärbel Lenz und Robert Hurasky. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Der Verein BIS-Zentrum für offene Kulturarbeit hält nichts von Vorschlägen der SPD, das BIS in die freiwerdende Stadtbibliothek umzusiedeln. Zu wenig Platz für Veranstaltungen und zu teuer, lauten die Argumente des Vorstands. Von Dirk Richerdt

Der Betreiberverein BIS hat einen Schritt unternommen, um die seit fast sieben Jahren anhaltende Sperrung des Treppenhauses im ehemaligen städtischen Museum an der Bismarckstraße 97 aufzulösen. So lange ist es her, dass die städtische Bauverwaltung die Nutzung des Hauses für Ausstellungszwecke untersagte. Grund: Die Statik der alten Treppe ist nicht mehr sicher. Ob die Sanierung nun eine Million oder 700 000 Euro kostet, wie unterschiedliche städtische Berechnungen ausweisen, scheint von wenig Belang angesichts der Ebbe in der Kasse der hoch verschuldeten Stadt.

In dieser Situation permanenten Leidensdrucks hat der Betreiberverein des BIS-Zentrums die Initiative ergriffen: "Wir haben einen Sponsor gewonnen, der Sachverständiger für Statik ist und errechnet hat, dass man mit deutlich weniger Geld auch ans Ziel käme", teilte BIS-Vorsitzender Herbert Krumbein mit. Dieser Sachverständige habe Gesamtkosten von weniger als 400 000 Euro veranschlagt.

Zu den musikalischen Highlights im Programm des BIS der kommenden Monate zählen die Auftritte von Julia Zipprick (l.) und ihrer Band, Felix Janosa und dem Jazz-Posaunisten Bertil Strandberg. FOTO: KN / Wilbert Schiffeler

Doch für die Stadt betrifft das Problem nicht allein das Haus 97, sondern auch das Nachbarhaus Nr. 99. "Die Fluchtwege zwischen den beiden Häusern müssen erneuert werden", informiert Bärbel Lenz, ehemalige Kulturamtsleiterin der Stadt und nun 2. Vorsitzende des BIS. Dass es mit einer isolierten Sanierung des Treppenhauses allein sein Bewenden nicht haben kann, sieht Lenz ein. "Aber ein Umzug in das möglicherweise frei werdende Gebäude der Stadtbibliothek [für die als Ausweichquartier das Vitus-Center in Rede steht, die Red.] käme für das Kulturzentrum nicht in Frage", sind Lenz und Krumbein überzeugt. Damit lehnen sie den vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Felix Heinrichs gemachten Vorschlag eines Umzugs entschieden ab. "In den Räumen der Bibliothek wäre nicht genügend Platz für unser Veranstaltungsprogramm, zum Beispiel Konzerte und Theater", betont Bärbel Lenz. Der an der Blücherstraße zuvor zu leistende Umbau wäre nach Krumbeins Auffassung "überdies wesentlich teurer als die Sanierung der Statik hier". Auch an den Sinn eines von der SPD erwogenen Verkaufs der beiden historischen Gebäude an der Bismarckstraße glaubt Krumbein nicht. Fazit: "Wir wollen gern hier bleiben!" Er hofft auf baldige Klärung der leidigen Frage. Denn: "Immer wieder werde ich angesprochen: Gibt es das BIS noch oder wird es bald dicht gemacht?", berichtet Krumbein.

Auf Anfrage erklärte Felix Heinrichs dazu: "Wir halten daran fest, dass wir die Stadtbibliothek gern im Vitus-Center sähen. Daraus resultiert unsere Überlegung, das Gebäude der Zentralbibliothek an der Blücherstraße für kulturelle Zwecke zu nutzen. Das ist als Angebot zu verstehen, wir sind nicht partout darauf aus, das BIS dorthin zu verfrachten", rudert Heinrichs zurück.

Zu den musikalischen Highlights im Programm des BIS der kommenden Monate zählen die Auftritte von Julia Zipprick (l.) und ihrer Band, Felix Janosa und dem Jazz-Posaunisten Bertil Strandberg. FOTO: KN / Wilbert Schiffeler

Kulturdezernent Dr. Gert Fischer erklärte gestern auf Anfrage: "Die Verwaltung bemüht sich, das drängende Problem der Statik und des Brandschutzes im BIS zu lösen - vor Ort! Überlegungen, das BIS woandershin zu verlegen, gehören nicht dazu."

Die unsichere Lage demoralisiert die Verantwortlichen jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. So legt der Verein mit seinem neuen Veranstaltungsheft (April bis August 2015) ein ambitioniertes Programm mit mehr als 100 Veranstaltungen und Workshops vor. Die Hefte liegen in zahlreichen Einrichtungen der Stadt aus, und auch im Netz (www.bis-zentrum.de) ist das Angebot abrufbar. Daher sollen hier nur Highlights aufgeführt werden.

Zu den musikalischen Highlights im Programm des BIS der kommenden Monate zählen die Auftritte von Julia Zipprick (l.) und ihrer Band, Felix Janosa und dem Jazz-Posaunisten Bertil Strandberg. FOTO: KN / Wilbert Schiffeler

Samstag, 18. April, 20 Uhr, wird die Reihe "Jazz-Visions" fortgesetzt mit dem Trio Klaus Delvos (Piano), Konstantin Wienstroer (Kontrabass) und Robert Hurasky (Schlagzeug). Als international renommierter Gast-Star kommt der Posaunist Bertil Strandberg hinzu. "Den Tipp, dass Strandberg zu haben ist, bekamen wir von dem Mönchengladbacher Posaunisten und Instrumentenbauer Manfred Schmelzer", berichtet Hurasky. Strandberg spielt eine jener in Wickrath gefertigten "Schmelzer Trombones", die in aller Welt nachgefragt werden. Am 15. Mai folgt das Quintett A-Tronic um Bassist Andre Nendza, Echo-Jazzpreisträger 2012, mit "Jazz-Pop vom Feinsten" (Hurasky). Und am 19. Juni wird die Band um die Jazzsängerin Julia Zipprick zur Stelle sein.

Attraktives Musikkabarett verspricht Felix Janosa am 8. Mai, 20 Uhr. "Giftschrank - alles muss raus!" heißt das Parodieprogramm des 52-jährigen Pianisten, Komponisten und Autors, der durch die Songs zu den Kinderbüchern um Ritter Rost berühmt wurde.

Funkelndes Blech über knackigen Beats hält Samstag, 9. Mai, ab 20 Uhr Einzug ins BIS: Dann gibt's den Tusch zum Start des Big-Band-Festivals mit der Kempen Big Band, der BeBot Big Band und dem Ensemble Dicke Lippe der Musikschule.

Klassische Klänge produzieren das Vitus Quartett beim Kulturfrühstück am 26. April, 11 Uhr, und das Alma Quartett mit dem Finale seines Beethoven-Quartettzyklus am 6. Juni, 19.30 Uhr. "Tempus Konnex" spielt Zeitgenössisches am 22. Mai.

Und am 11. Juli ist wieder Sommerfest im BIS. "Damit wollen wir Hemmschwellen abbauen, indem wir zeigen: Die Leute, die hier Kultur machen, sind auch sehr nett", begründet BIS-Vorsitzender Krumbein die Entscheidung, das Sommerfest nun alljährlich anzusetzen.

Quelle: RP
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