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Mönchengladbach
Bistum: 300 000 Euro für Flüchtlingsarbeit

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen
Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP
Mönchengladbach. Sie müssen eine Menge leisten - die Freiwilligen, die sich um die vielen Flüchtlinge kümmern. Dank bekommen sie selten, jetzt aber Hilfe vom Katholischen Forum. Die Mitarbeiter wollen die oftmals chaotischen Zustände strukturieren. Von Inge Schnettler

300 000 Euro für dieses und die beiden nächsten Jahre hat das Generalvikariat des Bistums Aachen dem Katholischen Forum für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung gestellt. "Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist riesengroß", sagt Forumsleiter Franz-Josef Umland. "Aber wir dürfen die Ehrenamtler nicht alleine lassen, sie brauchen Ansprechpartner und Unterstützung." Die bietet das Forum für die Ehrenamtler in Mönchengladbach, im Kreis Heinsberg, in Korschenbroich und Jüchen an. Das sei umso wichtiger, als die Stadt Mönchengladbach bisher keine Koordinierungsstelle eingerichtet hat.

Neben der Qualifizierung, Stärkung und Förderung der ehrenamtlichen Mitarbeiter geht es um die Sprachförderung der Flüchtlinge und auch um die Förderung der Sprachlehrer. In Tagungen und Seminaren wird die gesellschaftliche und kirchliche Verantwortung im Umgang mit Flüchtlingen diskutiert. Diverse Workshops für die Ehrenamtler in der Flüchtlingshilfe werden bereits angeboten. So geht es beispielsweise um die rechtliche Situation der Flüchtlinge, um die eigene Rolle im Ehrenamt, um Flucht und Trauma. In Kooperation mit dem Katholischen Verein für soziale Dienste, dem SKM und der VHS versuchen die Mitarbeiter des Forums Strukturen und Rahmenbedingungen in die teilweise chaotischen Hilfsleistungen zu bringen.

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"Wenn ich die Ehrenamtler frage, warum sie den Flüchtlingen helfen wollen, bekomme ich immer dieselber Antwort: Ich will einfach nur helfen", sagt Helmut Keymer. Der pädagogische Mitarbeiter hat beobachtet, dass es oft Menschen sind, die nach dem Ende ihres Berufslebens eine neue, sinnvolle Beschäftigung suchen. "Das ist grundsätzlich eine Win-Win-Situation", sagt Heymer, "aber sehr schnell kann die Ernüchterung folgen".

Das gibt verschiedene Gründe: Es können Spannungen entstehen zwischen Hauptamtlichen und Freiwilligen, Frust entsteht - auf beiden Seiten. Wer ehrenamtlich völlig fachfremd eingesetzt wird, wird zwangsläufig unter Versagungsängsten leiden - und möglicherweise aufgeben. Die psychische Belastung kann die Ehrenamtler überfordern. Sie erfahren schreckliche Geschichten von den Flüchtlingen, erleben deren Traumatisierung, können nicht mehr abschalten. Dazu kommt bei der Begleitung von Flüchtlingen, die oftmals abschätzige Behandlung in den Behörden, rassistische Anfeindungen kommen aus der Bevölkerung und nicht zuletzt fehlt auch die Anerkennung, die die Flüchtlinge den freiwilligen Helfern eigentlich zollen müssten.

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"Mehr als 60 Prozent der Flüchtlinge sind traumatisiert", sagt Helmut Keymer. Das könne auf die Ehrenamtler abfärben. "Sie werden depressiv, antriebslos, verlieren ihre Kraft." Die Mitarbeiter des Forums haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Ehrenamtlern mehr Sicherheit zu schenken. Immer gehe es auch darum, das eigene Engagement zu reflektieren und die Möglichkeiten und Grenzen abzuschätzen.

Quelle: RP
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