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Mönchengladbach
Borussia baut Hotel mit Lindner-Kette

Mönchengladbach. Vier Sterne, 120 Zimmer, 20 Appartements – der Plan für das Borussia-Hotel am Stadion steht. Es wird im selben Gebäude wie Museum und der neue Fanshop sein. Betreiben wird es die Lindner-Gruppe, die Erfahrung mit Themenhotels hat. Von Ralf Jüngermann

Otto Lindner ist einer der Großen im deutschen Hotelgewerbe. Und das nicht nur, weil zur Lindner-Hotelgruppe 34 Häuser gehören und das Familienunternehmen, das Lindner mit seinen vier Brüdern führt, in den letzten Jahren rasant gewachsen ist. Vor allem wegen der Themenhotels – unter anderem in der BayArena, in Hagenbecks Tierpark und am Nürburgring – war Lindner "Hotelier des Jahres". Schon bald wird es außer in Wien, Prag, Antwerpen und Berlin auch ein Lindner-Hotel in Mönchengladbach geben. Auf das freut sich Otto Lindner besonders. "Wir erzählen mit unseren Hotels Geschichten – und zu Borussia Mönchengladbach kann man tolle Geschichten erzählen", sagte Lindner im Gespräch mit der RP.

Den Letter of Intent, also die Vorstufe eines Vertrags, haben Lindner und Borussia unterschrieben. Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers lässt aber keinen Zweifel daran, dass dies mehr als eine lose Absichtserklärung ist: "Der Business-Plan steht. Wir sind von Idee und unserem Partner überzeugt. Wir wollen dieses Hotel bauen", sagt Schippers. Und so soll die Partnerschaft aussehen: Borussia baut das Hotel alleine – und bleibt hundertprozentiger Eigentümer der Immobilie. "Das ist unser Prinzip bei allem, was wir auf unseren Grundstücken rund um das Stadion tun." Das Hotel wird im selben Gebäude wie der neue große Fanshop, das ebenfalls erweiterte Rehabilitationszentrum Medicoreha und das Museum sein. An der Betreibergesellschaft hat Borussia 40 Prozent und Lindner 60 Prozent Anteil.

Klar ist, wo genau das Hotel steht – nämlich gegenüber der Westtribüne. "Man wird auf jeden Fall trockenen Fußes vom Hotel ins Stadion kommen", sagt Schippers. Ob es dazu eine Verbindungsbrücke gibt, die im VIP-Raum "Bökelberg" im ersten Stock des Stadions endet, ist noch unklar. Wie es überhaupt noch keinen fertigen Architekten-Entwurf gibt: "Ob das Haus am Ende vier oder sechs Geschosse haben wird, wissen wir noch nicht", sagt Schippers. Fest stehen hingegen folgende Rahmendaten: 120 Zimmer wird das Hotel haben; dazu kommen 20 größere Appartements. Die können zum Beispiel auch für angehende Jungprofis des Borussia-Internats genutzt werden. Zu den Baukosten für den Gesamtkomplex mag Schippers noch nichts sagen. Sie dürften jedoch über zehn Millionen Euro liegen. In einem halben Jahr sollen die Verträge unterschrieben werden. 2015 oder 2016 können dann die ersten Gäste gegenüber vom Stadion schlafen und tagen. Lindner kennt den Standort Mönchengladbach genau. Zwar sagt er: "Ohne dieses Stadion würde es das Hotel natürlich nicht geben." Gleichwohl sei nicht das Thema Bundesliga ausschlaggebend für Lindners Interesse gewesen. "Anfragen für Stadionhotels haben wir schon von anderen Bundesligisten bekommen – und abgelehnt." Tragen soll sich das Vier-Sterne-Haus vor allem als Tagungs- und Veranstaltungshotel. "Die 450 Veranstaltungen, die es im Borussia-Park schon jetzt gibt, die neuen Arbeitsplätze der Santander-Bank und der Bedarf der Partner von Borussia haben für uns den Ausschlag gegeben", so Otto Lindner. Dass Mönchengladbach keinen Mangel an Betten hat, weiß er sehr wohl: "Die Stadt braucht keine Hotelzimmer, sondern Hotelideen."

Die will er liefern und verspricht "pfiffige Ideen". Eine Borussia-Lounge als Dachterrasse mit Blick auf das Stadion, eine gemeinsame Lobby für Hotel, Fan-Shop und Museum gehören dazu – und ganz viel Borussia. "Wir können theoretisch auf 60 Kanälen im Hotel-TV alte Borussia-Spiele zeigen oder eine Netzer-Suite einrichten", sagt Lindner, der mit einer Auslastung von 67 Prozent kalkuliert. Sowohl Borussia als auch Lindner sehen jede Menge Synergieeffekte: Medicoreha als Fitnesszentrum für die Hotelgäste, der VIP-Bereich als Gastronomie, die Parkplätze, die Hotel-Rezeption als Empfang für Borussias Gäste, gemeinsame IT – "wir machen nichts doppelt und können daher einiges sparen", sagt Schippers.

Er beurteilt den Hotel-Plan, der Borussia vor zweieinhalb Jahre heftige Kritik von der Möchtegern-Opposition "Initiative Borussia" eingebracht hatte, rein wirtschaftlich: "Wir wollen und werden mit dem Hotel Geld verdienen, was wichtig für den Verein ist. Das ist der Grund, warum wir das machen."

Quelle: RP
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