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Ulrich Tukur
Borussia - diese fabelhafte Elf

Ulrich Tukur: Borussia - diese fabelhafte Elf
Ulrich Tukur ist Borussia-Fan. FOTO: Boris Roessler
Mönchengladbach. Der Schauspieler und Musiker spricht über seine Begeisterung für die Fohlenelf, die Musik und sein Konzert in Mönchengladbach.

Ulrich Tukur, der berühmte deutsche Schauspieler ("Tatort", "Das Leben der Anderen..."), kommt morgen in den Konzertsaal des Theaters, um dort mit seinen "Rhythmus Boys" ein Gastspiel als Sänger, Pianist und Akkordeonist zu geben. Man spielt Bekanntes und Selbstgemachtes an Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Wir haben ihn gesprochen.

Herr Tukur, was zieht Sie an den Niederrhein? Das scheußliche Wetter, das viele Geld, das platte Land? Etwa das Theater?

Ulrich Tukur Die Fohlenelf, Borussia Mönchengladbach! Wir haben alle Spiele der 70er Jahre auf VHS- Kassetten und schauen sie uns nach den Konzerten im Hotelzimmer immer wieder gerne an. Teamgeist, rechtzeitiges Abspiel und fulminante Soli dieser fabelhaften Elf haben uns eine Spielkultur gelehrt, die heute auch unsere Auftritte auszeichnet und Hennes Weisweiler sicher Freude machen würde.

Als "Tatort"-Kommissar fragten Sie zuletzt "Wer bin ich?". Wer sind Sie?

Tukur Ziehharmonikaspieler und Praterwurstl und außerdem ein physisches Konglomerat auseinanderstrebender Atome.

Der Schauspieler Ulrich Tukur kommt reichlich seriös, sehr smart, selbstbeherrscht rüber. Warum wollen Sie sich jetzt als Musiker schlecht benehmen - Ihr neues Programm heißt ja "Let's misbehave"?

Tukur Ja, warum denn nicht? Herrlich, sich mal richtig daneben zu benehmen! Erwartungen zu enttäuschen und mit Überraschungen daherzukommen, die man nie für möglich gehalten hätte. Und wenn Herr Mayer im Damenkostüm auf der Bühne flatuliert, dann hebt er keck die Braue, lächelt gewinnend ins Publikum und spielt ein Gitarrensolo, das eines Django Reinhardt würdig wäre.

Der Titel weist auf Cole Porter und die Golden Twenties. Ist das Ihre Musik?

Tukur "Let's misbehave" ist ein wunderbarer Titel, den Cole Porter im Jahr 1927 für ein grottenschlechtes Broadway-Musical komponiert hat. Er hat es natürlich erotisch gemeint, aber für sexuelle Spielereien sind die Rhythmus Boys viel zu schüchtern, und so ist unser Abend ein augenzwinkerndes Spiel mit Etiketten und nervtötenden politischen Korrektheiten geworden. Aber vor allem ist es ein Abend, der eine Ära feiert, in der populäre Musik mit höchstem artistischen Niveau zusammenfiel.

Sie swingen mit ihrer Band auch schon mal am Hamburger Hafen vorbei oder durchs Steinhuder Meer. Haben Sie auch was zum Thema Niederrhein drauf?

Tukur "Krefelder Nächte" und "Rosen aus Isselburg", zwei Eigenkompositionen, mit denen wir unsere niederrheinischen Freunde immer wieder verzaubert haben.

Noch mal zurück zum Schauspieler Ulrich Tukur: Sind die Gigs mit den "Rhythmus Boys" für Sie so eine Art Erholungsprogramm zwischen anstrengendem Drehstress und beschaulichem Familienleben in Venedig und der Toskana?

Tukur Abgesehen davon, dass ich kein beschauliches Familienleben zu führen imstande bin und Italien unglaublich anstrengen kann, ist gute Musik das Schönste auf der Welt, und das gemeinsame Musizieren eine Befreiung und eine Erholung von allem, was nervt und stresst.

Vielleicht noch ganz kurz, tout court, wie der Franzose sagt: Was dürfen wir demnächst von Ulrich Tukur erwarten?

Tukur Es sind noch drei Filme im Köcher, die im Laufe dieses Jahres erscheinen werden. Ein "Tatort" und ein Film, der die Geschichte eines unwesentlichen Menschen erzählt, der in Thailand ein Bordell erbt und den Boden unter den Füßen verliert. Dann ein Kinofilm, den ich mit Martina Gedeck gedreht habe. Die abgründige und ziemlich radikale Liebesgeschichte zweier Menschen, die Sinn und Halt im Leben verloren haben. Eine hochinteressante Arbeit, die der junge Sven Taddicken inszeniert hat.

Na dann, Herr Tukur, bis morgen im Theater. Und vielen Dank fürs Gespräch.

DIE FRAGEN STELLTE ARMIN KAUMANNS. FOTO: BORIS ROESSLER/DPA.

Quelle: RP
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