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Mönchengladbach
Borussia-Revue: Raute im Herzen

Mönchengladbach: Borussia-Revue: Raute im Herzen
Der Fan-Stammtisch in der Borussia-Klause: Christoph (Ronny Tomiska), Thomas (Philipp Sommer), Siggi (Michael Ophelders), Rudi (Joachim Henschke) und Yorgos (Paul Steinbach) hecken einen irren Plan aus. Wirtin Manu (Esther Keil) beobachtet die fünf skeptisch. FOTO: Matthias Stutte
Mönchengladbach. Wir sind Borussia: Das Stück ist schon jetzt der Renner der Theater-Spielzeit. Das Musical ist furios, ungemein komisch, und das Publikum ist Teil der spritzigen Inszenierung. Von Inge Schnettler

Ich gestehe: Ich gehe gern ins Stadion, und ich gehe gern ins Theater. Ich liebe diese beiden Orte, weil sie alle Emotionen zulassen, die ein Mensch nur haben kann. Sie sind tatsächlich sogar erwünscht. Im Stadion geht es darum, die Mannschaft anzufeuern, es wird gejubelt, geflucht und getrauert. Alles ist erlaubt. Im Theater ist es ähnlich. Die Schauspieler werden mit Applaus belohnt, das Publikum juchzt, leidet, fiebert mit. Dass ich einmal Stadion und Theater in einem erleben würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Und dass ich tatsächlich im Theater die gleichen Klamotten tragen würde wie beim Heimspiel im Borussia-Park? Auch nicht. War aber so. In Schwarz-Weiß-Grün saß ich im Zuschauerraum, ich habe gesungen, gejubelt, meinen Schal geschwenkt, und am Ende hatte ich Muskelkater im Gesicht vom Lachen, und meine Hände brannten vom Klatschen.

Worum geht es? In der Borussia-Klause trifft sich der Fanclub "Fohlen forever". Es wird gefachsimpelt, in Erinnerungen geschwelgt, in die Zukunft geschaut - und getrunken. Ab und zu verirrt sich Köln-Fan Horst (Adrian Linke) in die Kneipe. Er hat die Fronten gewechselt - früher VfL, jetzt Effzeh. Ein Unding. Die Gladbach-Fans beschließen, sich zu rächen. Sie klauen den Hennes von der Wiese des Abtrünnigen und verstecken den Ziegenbock im Hobbyraum des Fanclub-Präsidenten Siggi (Michael Ophelders). Dann geschieht, womit niemand rechnen konnte. Siggis Sohn Thomas (Philipp Sommer) verliebt sich in Lena (Anna Pircher), die Tochter des verhassten Köln-Fans. Die sich am Ende als Borussen-Fan outet.

Die Spielfreude der Schauspieler, die Begeisterung der Tänzerinnen, die tolle Musik von Willi Haselbek und seiner Band - alles zusammen macht die Revue zu einem ungeheuren Vergnügen. Rudi (Joachim Henschke) ist ein Fan, wie er im Buche steht. Raute auf dem blanken Hinterkopf, Spiegelbrille und die Hand zur Faust geballt - so isser. Paul Steinbach macht den schmierigen Griechen Yorgos - mit breitem Gang, Goldkettchen und einer Brustbehaarung, die ihresgleichen sucht. Christoph (Ronny Tomiska) ist mehr der feine, etwas bedächtige Typ in der Runde. Er tritt auch als singender Berti Vogts auf. Seine hohe Stimme hickst sich durch den Text. Macht nichts, ein Kerl wie Berti Vogts muss nicht singen können. Tabea (Helen Wendt) ist Lenas Freundin. Sie hat keine Ahnung von Fußball, geht lieber shoppen und feiern. Und dann ist da noch die Wirtin Manu (Esther Keil), die regelmäßig ihren Tresen verlässt, um draußen eine zu rauchen. Herrlich ist die Adaption der Fan-Gesänge der drei Frauen, die sogar "die Scheiße vom Dom" dreistimmig fein intonieren.

Delling und Netzer (großartig: Christopher Wintgens und Bruno Winzen) fachsimpeln und frotzeln sich an - wie die echten. Dazu werden auf der Leinwand Fotos gezeigt - die Geschichte von Borussia Mönchengladbach. Auch der Toten wird gedacht. Das Publikum verbeugt sich lautstark vor Manolo, dem Trommler aus der Nordkurve.

Die Zuschauer sind vom ersten bis zum letzten Moment bei der Sache. Und macht begeistert mit. So wie im Stadion werden sie gleich zu Beginn von Stadionsprecher Thorsten "Knippi" Knippertz angeheizt. Wie im Stadion fragt er: "Nordkurve, seid ihr bereit? Südkurve, seid ihr bereit?" Jaaaaa - sie sind bereit. Fahnen und Schals werden geschwenkt, das Publikum ist textsicher - selbstverständlich. Ein Riesenspaß!

Quelle: RP
 
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