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Mönchengladbach
Borussias Fans genießen den Moment

Einzelkritik: Viermal Note "gut"
Einzelkritik: Viermal Note "gut" FOTO: afp, vel
Mönchengladbach. Nach dem 1:0 gegen den VfL Wolfsburg waren Borussias Fans aus dem Häuschen. Das Team von Lucien Favre lädt seine Anhänger zum Träumen ein. Doch die Borussia-Freunde bleiben trotz aller Euphorie auch realistisch. Von Sebastian Bergmann und Karsten Kellermann

Es hatte was von Bochum. Damals, in der Relegation, schoss Igor de Camargo in letzter Sekunde das 1:0 für Borussia gegen die Bochumer, und das war der Moment, in dem der Borussia-Park explodierte. Seither ist der Mythos wirklich eingezogen in die Gladbacher Arena. Es braucht besondere Ereignisse dafür, und auch der Moment, in dem Max Kruse jetzt das 1:0 gegen den VfL Wolfsburg erzielte, war auch so einer. Die Nordkurve war total aus dem Häuschen, die übliche Sieges-Humba gab es dieses Mal in der ausgedehnten Version. "Die Stimmung war gigantisch, alle haben bis zum Schluss daran geglaubt, dass wir gewinnen können, das hat uns noch mal gepusht", sagte Patrick Herrmann.

Gladbach - Wolfsburg FOTO: afp, vel

Borussias Flügelstürmer lebt in Mönchengladbach, und er weiß, dass Borussia die Seele dieser Stadt ist. "Gladbach ist Borussia, Borussia ist Gladbach", sagt Herrmann. Und nun lädt der führende Fußballklub der Stadt seine Fans in dieser Saison zum Träumen ein. Die Fans nehmen die Einladung gern an - ohne sich jedoch von der Euphorie blenden zu lassen. Wer Gladbach-Fan ist, hat in den vergangenen Jahren aus Demut gelernt. All die Jahre der Abstiegsangst, all die traurigen Erlebnisse mit dem Klub ihres Herzens, die Zeit in Liga zwei - das ist noch keine Ewigkeit her.

Darum weiß der Gladbach-Fan: Jetzt ist die Zeit, zu genießen, was kommt: Europa ist wieder sicher, zum dritten Mal binnen vier Jahren, und es macht Spaß, Favres Team zuzusehen bei der Arbeit: Borussia spielt schönen und erfolgreichen Fußball.

Pressestimmen: "Max Kruse knackt den Euro-Jackpot" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

"Selbst Stunden nach dem Spiel bin ich noch sprachlos", postete ein Borussen-Freund am Sonntagabend in dem sozialen Netzwerk Facebook. "Das war Emotion pur", schrieb ein anderer. Es wurde sogar poetisch im Überschwang der Gefühle: "Borussia, ich liebe dich, gerade für so unbeschreibliche Momente, wo für ein paar Sekunden die Welt stehen bleibt", war zu lesen.

Borussias Fans leben ihren Verein. Der ist nun wieder wer - und damit auch seine Fans. Die sind vor dem Saisonfinale kaum weniger selbstbewusst als das Team. Die 34-jährige Kerstin Viand hält die Elf vom Niederrhein für gefestigt genug, um sich in den verbleibenden Partien nicht mehr die Butter vom Brot nehmen zu lassen. "Wir holen den dritten Platz und schaffen den Einzug in die Champions League auch ohne Umweg über die Quali", sagt sie. Marco Herrmanns (32) stimmt ihr zu: "Das wäre auch wichtig." Er hofft auf den dritten Tabellenplatz nach Abschluss des 34. Spieltages. Schließlich könnte die Borussia in der Champions-League-Qualifikationsphase schon "ein richtiges Hammerlos" erwischen.

Fotos: Borussen feiern nach Sieg gegen Wolfsburg mit den Fans FOTO: afp, vel

Thomas Wilke (57) hält die Teilnahme an Europas höchstem Wettbewerb auf Vereinsebene aufgrund der starken Leistungen in dieser Bundesliga-Saison für "angebracht". Das Team sei im Laufe der Spielzeit immer stärker geworden, habe gegen gute Teams wie Wolfsburg bewiesen, dass es verdient dort oben steht. "Allein des Geldes wegen wäre eine Champions-League-Teilnahme für den Verein gut." Ob noch Restzweifel an der Qualifikation zur Königsklasse bestünden? "Die liegen vielleicht bei 40 Prozent." Für Gisela Knodel, treue Anhängerin der Fohlen-Elf, gibt es solche Zweifel nicht. "Als richtiger Fan bin ich absolut zuversichtlich und vertraue dem Trainerstab."

Favre und sein Team haben sich das Vertrauen verdient. Sie haben in der Rückrunde 30 Punkte eingesammelt, sind im zweiten Saisonteil das Beste, was die Bundesliga zu bieten hat. Gladbach-Fan Kevin Corsten (20) würde sich daher freuen, sollte es mit der Champions League klappen. Klar habe er Lust auf Europapokalspiele, vor allem nach England würde er seine Borussia gerne zu einem Auswärtsspiel begleiten. Ein Grund für übertriebene Euphorie sei das aber noch nicht. "Die Spieler haben eigentlich noch nicht die Reife für die Champions League. Das kommt ein Jahr zu früh", sagt er. Damit das Favre-Team mithalten könnte, müssten weitere erfahrene Spieler geholt werden, findet Kevin Corsten. "Einen Christoph Kramer gegen Lars Stindl einzutauschen, das reicht nicht", glaubt er. Euphorie und Realismus - diese Mischung ist es, wegen der Trainer Lucien Favre sagt: "Borussia hat gute Fans, sie verstehen Fußball."

Quelle: RP
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