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Mönchengladbach
Bühne frei für Schweigethemen

Mönchengladbach. Das Berliner Schultour-Theater Bühnengold spielte am Berufskolleg Rheydt-Mülfort ein Stück über deutsche Geschichte. Von Angela Wilms-Adrians

Zu Fußball-Weltmeisterschaften - wie zuletzt in Brasilien - singen alle die deutsche Nationalhymne mit, doch sonst? Die Ratlosigkeit der fiktiven Schülerin Melanie ist Ausgangpunkt des Theaterstücks "Heiles Deutschland", das vom Berliner Schultour-Theater Bühnengold auf Einladung des Berufskollegs Rheydt-Mülfort für Wirtschaft und Verwaltung in der Aula an der Realschulstraße gezeigt wurde.

Themen der Aufführung sind Rechtsradikalismus, Antisemitismus, ja Extremismus in jeder Form. Im Stück handelt sich die politisch desinteressierte Melanie in der Schule unfreiwillig das Thema Marksteine der Deutschen im 20. Jahrhundert ein. Bei der Recherche erschließt sich ihr eine Art Zeitstrahl, der mit dem Ersten Weltkrieg beginnt und über Adolf Hitlers Machtergreifung hin zu Nachkriegszeit, NSU-Prozessen, Flüchtlingen, IS-Terror, Spionage und Pegida reicht.

Das Stück provoziert vielfach bewusst und erzeugte zuweilen gegensätzliche Reaktionen im Publikum. Während die einen etwa über pubertäre Anwandlungen von Melanies Bruder Lukas lachten, blieben andere abwartend stumm. Die immer schneller verwobene Gegenüberstellung von Adolf Hitlers aufhetzenden Parolen und Äußerungen von Angst lösten Unruhe aus. Die Darsteller Joséphine Oeding und Simon David Altmann gaben das Geschwisterpaar, aber auch etliche andere Rollen. Im Umgang mit der vorgeblichen Recherche legten sie in Streit und Diskussion unterschiedliche Verhaltensweisen im Umgang mit Historie und aktuellen Ereignissen frei. In der Parallelität von Altmanns Hitler-Imitation und Oedings Darstellung einer Frau aus dem Volk komprimierten die Schauspieler Hoffnungen und Ängste als Folge von Adolf Hitlers Versprechungen und Größenwahn. Beim Auf- und Abgang im Umkreisen der Bühnenfläche reihten sie unkommentiert Meinungen, Klischees, Vorurteile und Propaganda, wie sie aus Medien, Politik und Alltagsgesprächen bekannt sind, aneinander.

"Das war ein beeindruckender Überblick über Extremismus in Deutschland", sagte Ute Jacobs vom Beratungslehrerteam. Die Darsteller betonten bei der sich anschließenden Diskussion, dass nicht alles Gesagte ihrer Meinung entspreche, sondern bewusst mit Vorstellungen und Klischees umgegangen werde, um zum Nachdenken anzuregen. Keiner bejahte die Frage, ob persönlicher Kontakt zu Flüchtlingen bestehe.

Ein Junge nannte Sprachschwierigkeiten und die in Auffanglagern unmögliche Integration als Probleme. Ein Mädchen stellte fest: "Wir sollten aufhören, Angst vor diesen Menschen zu haben."

Quelle: RP
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