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Niersaue in Mönchengladbach
Bürger gegen Wohngebiet auf Pferdewiese

Niersaue in Mönchengladbach: Bürger gegen Wohngebiet auf Pferdewiese
Wolfgang Dammers, Sprecher der Bürgerinitiative Geneicken, zeigt die Unterschriftenlisten, mit denen mehr als 1000 Bürger dagegen protestieren, dass Pferdewiesen in der Nähe der Niersaue zu einem Wohngebiet werden. FOTO: Reichartz
Mönchengladbach. Die Stadt braucht dringend attraktive Grundstücke für finanzstarke Häuslebauer. Die EWMG will deshalb in der Nähe der Niersaue ein Wohngebiet entwickeln. Gegen diese Absicht hat eine Bürgerinitiative 1100 Unterschriften gesammelt. Von Dieter Weber

Am Bunten Garten entsteht ein attraktives neues Baugebiet für Interessenten, die mehr als 300 Euro pro Quadratmeter Grundstück zahlen können. Auf dem Gelände der ehemaligen Bleichwiese hat der Mönchengladbacher Architekt Dr. Burkhard Schrammen für einen niederländischen Investor ein Bauvorhaben entwickelt, dessen Wohneinheiten sich vornehmlich an die gehobene Mittelschicht richten. Auch die Stadt will da mithalten und über ihre Tochter EWMG attraktive Bauplätze für finanzstarke Häuslebauer anbieten. Denn es ist erklärter Wille der politischen Mehrheit, Neubürger mit einem höheren sozialen Status in die Stadt zu holen.

Dagegen regt sich wenig Widerstand. Wohl aber gegen die Absicht, naturnahe Areale auf den Markt zu bringen. In Geneicken trommelt die von Stadt und Politik wegen ihres Engagements geschätzte Bürgerinitiative derzeit gegen Teile eines Bebauungsplans, der nach ihrer Meinung die Niersaue erheblich beeinträchtigt. Mehr als 1100 Unterschriften überreichte ihr Sprecher Wolfgang Dammers gestern Abend bei einer Bürgerinformation gegen Teile des Bebauungsplans 774/S: Dieser beschreibt, was auf einem Gebiet zwischen Mollsbaumweg, Geneickener Straße, Sportanlage und Regenrückhaltebecken geplant ist - nämlich der Neubau von frei stehenden Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und Reihenhäusern. Und weil die Niersaue und das Schloss Rheydt in der Nähe sind, lässt sich bereits jetzt prognostizieren: Die Nachfrage nach diesen attraktiven Bauplätzen wird ziemlich groß sein. Von Interessenten aus der Stadt selbst und aus der Region.

Dabei ist die Bürgerinitiative im Prinzip nicht gegen das Baugebiet. Große Teile werden von ihr voll mitgetragen. "Aber müssen die jetzigen Pferdewiesen zwischen Mollsbaumweg und Tackhütter Weg für neue Häuser geopfert werden? Wir meinen nein. Dieses Gebiet gehört landwirtschaftlich zur Niersaue und sollte zum Beispiel durch eine Wiederherstellung des historischen Verlaufs der ,Alten Niers', die seit Ende der 1960er Jahre unterirdisch in Rohren verläuft, aufgewertet werden. Im Innenbereich von Geneicken gibt es genügend Baulücken, die man für Neubauten nutzen könnte", sagt Dammers. Diese Meinung scheint von Geneickenern und - so Dammers - auch von Spaziergängern und Radfahrern geteilt zu werden: "Die Bereitschaft, unsere Unterschriftenlisten gegen die geplante Bebauung zu unterzeichnen, ist riesig. Die Entrüstung und das Unverständnis gegenüber dem Vorhaben sind sehr ausgeprägt." Außerdem: Grüne, FDP und Linke teilen die Auffassung der Initiative und wollen, dass auf einen Teil des Bebauungsplans verzichtet wird.

Doch es gibt auch eine andere Sichtweise, die von großen Teilen der GroKo getragen wird. "Das ist ein städtisches Grundstück, das wir entsprechend vermarkten müssen. Wir müssen auch attraktive Grundstücke anbieten, um neue Interessenten auf Gladbach als Wohnstandort aufmerksam zu machen", sagt Thomas Fegers, bau- und planungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Er lobt die von den Stadtplanern entwickelte Entwürfe. "Wir haben hier die Chance, das Gebiet zu strukturieren und Wege durch das Gelände zu ziehen", sagt Fegers und fragt: "Da gibt's eine Reitanlage mit Stallungen, Paddocks und einem kleinen Reitplatz. Sind sie mit den Belangen des Landschaftsschutzes in Einklang zu bringen? Das kann man auch anders sehen."

Die Initiative ärgert sich darüber, dass dieser Bebauungsplan mit einem beschleunigten Verfahren aufgestellt wird. Das spart Geld und Zeit und ist dann möglich, wenn er sich auf eine Innenentwicklung bezieht und das Plangebiet eine bestimmte Größe nicht überschreitet. Aber: Eine Umweltprüfung, die sonst zu einem Bebauungsplanverfahren gehört, ist nicht notwendig. "Auch wenn wir den vorgelegten Plan für richtig halten, werden wir uns mit den Einwendungen beschäftigen und sie abwägen. Das kann dazu führen, dass wir den Entwurf verändern", verspricht Fegers.

Quelle: RP
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