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Mönchengladbach
Bürger wollen zu viel Geld für ihre Projekte

Mönchengladbach: Bürger wollen zu viel Geld für ihre Projekte
Drei Beispiele für Bürger-Projekte: oben ein Werk der "Strickguerilla" für den Schillerplatz. Unten der neue Dorfplatz in Sasserath mit Rundbank und das Alpinum, zum Zeitpunkt des Fotos noch nicht fertig. FOTO: Holzenbecher/ikr/Stadt MG
Mönchengladbach. Die Stadt zahlt Summe X, Bürger legen die gleiche Höhe drauf oder arbeiten: Dafür steht ein Programm, das Bürger-Engagement fördern soll. 300 000 Euro sind im Topf, aber 600 000 Euro werden benötigt. Von Dieter Weber

Die Beckrather wünschen sich Umkleidecontainer auf dem Sportplatz und dafür 50 000 Euro. In Wickrath soll das frühere vogelkundliche Museum dank eines Zuschusses von 60 000 Euro ein Heimatmuseum werden. Und die Umgestaltung des Vorplatzes der Sportanlage Weiersweg steht mit rund 87 000 Euro in der Liste. Das sind die dicken Brocken. Auch kleine Wünsche für 2000 Euro für eine Boulebahn und 3000 Euro für die "Einrichtung eines kostenlosen Lastenrad-Verleihs" an der Hochschule sind formuliert.

Insgesamt sind es 31 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von mehr als 600 000 Euro, die den bürokratischen Titel "Wohnumfeldverbesserung bei bürgerschaftlichem Engagement" tragen. Fakt ist: Damit ist der Fördertopf, in dem 300 000 Euro liegen, um mehr als das Doppelte überzeichnet. Und das macht einige Probleme. Denn: Wie wird entschieden, wer am Ende was bekommt?

Die GroKo hat sich jetzt geeinigt, wie das Geld verteilt wird. Unter der Moderation der Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Schlegelmilch (CDU) und Felix Heinrichs (SPD) werden je zwei Vertreter jeder Bezirksvertretung so lange über der Liste brüten, bis das Geld verteilt ist. Sie bekommen eine klare Marschroute mit auf den Weg: Projekte bekommen den Zuschlag, die eindeutig der Stadtgestaltung dienen. "Sie sollten die Schnittstelle ,Saubere Stadt' berühren. Das ist das Vorhaben, das wir in der Stadt umsetzen wollen", sagt Schlegelmilch. Und Heinrichs ergänzt: "Auf keinen Fall werden wir alle Forderungen um eine bestimmte Prozentzahl reduzieren, damit alle etwas bekommen. Und dann das Geld nach dem Gießkannen-Prinzip ausschütten."

Mönchengladbachs Politiker haben mit diesem Programm, das von einer breiten Mehrheit getragen wird, etwas losgetreten, was eine nicht erwartete Resonanz gefunden hat. Im Vorjahr waren es 250 000 Euro, die für Projekte zur Verfügung standen, und auch da gab es eine Überzeichnung. Weil die Grundbedingung darin besteht, dass die Antragsteller nur die Hälfte gefördert bekommen und die andere Hälfte selbst finanzieren oder mit Arbeitsleistungen abgelten müssen, verdoppelt sich die Leistung.

Hinter 250 000 Euro aus dem Vorjahr stand am Ende faktisch eine halbe Million Euro. Und da das tatsächliche Ergebnis dank seiner ideellen Werte in der Auswirkung meist den finanziellen Einsatz deutlich übersteigt, ist es umso wertvoller. Das war auch der Grund, warum eine breite politische Mehrheit den vorjährigen Ansatz dieses Mal um 50 000 Euro erhöhte - das rechnet sich, obwohl die Stadt als Stärkungspakt-Kommune insgesamt weiter sparen muss. Bevorzugt werden dieses Jahr Projekte mit einem höheren Eigenanteil, die außerdem eine große Wirkung im jeweiligen Wohnquartier entfalten und die Folgekosten einsparen.

Und die Erfolge sind sichtbar: So ist zum Beispiel in Hehn ein Festplatz neu gestaltet worden. Das neue Alpinum im Bunten Garten ist entstanden. In Hardt wird eine Skateranlage realisiert. Und die Sasserather erneuern ihren Dorfplatz.

Quelle: RP
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