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Mönchengladbach
Busnetz wird auf Linie gebracht

Mönchengladbach: Busnetz wird auf Linie gebracht
FOTO: NEW AG/Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Gladbach arbeitet an einem neuen Linienkonzept. Wir erklären, worum es geht. Von Jan Schnettler

"Betrauungsakt" ist eines dieser formschönen Wortgebilde, die es nur im Verwaltungsdeutsch gibt. Dass es sich auf Verdauungstrakt reimt, tut hier deswegen auch nichts zur Sache. Jedenfalls strebt die Stadt Mönchengladbach einen nicht ganz unwichtigen Betrauungsakt an: Sie will Ende 2019 die Leistungen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) fristgerecht im Rahmen eines Öffentlichen Dienstleistungs-Auftrags vergeben, und zwar wie gehabt an die NEW. Täte sie das nicht, müsste sie die Leistungen nämlich europaweit ausschreiben. Jedoch bedarf es eines neuen Nahverkehrsplans, um besagten Betrauungsakt spätestens Mitte 2017 in die Wege zu leiten. Für diesen neuen Nahverkehrsplan wiederum ist ein neues Linienkonzept erforderlich, das spätestens Mitte 2016 politisch beschlossen werden muss. Dieses ist gerade in der Mache und wird diese Woche in den Bezirksvertretungen vorgestellt. Wir erklären, was es mit dem Linienkonzept auf sich hat.

Welche Schwerpunkte hat das Linienkonzept? Die Zentren von Gladbach und Rheydt sollen mit dem ÖPNV attraktiv erreichbar sein, sich entwickelnde Flächen wie der Regiopark besser angebunden werden. "Tangentiale" Beziehungen, also solche, die an den Zentren vorbeiführen, sind heute noch oft von langen Fahrzeiten und Umsteige-Zwängen geprägt - auch das soll besser werden. Ebenso die Verknüpfung von Bus und Bahn. Was ist bisher passiert? Die beauftragten Kasseler Büros Plan:Mobil und Mathias Schmechtig NahverkehrsConsult haben eine Vorstudie erstellt, die im Sommer vorgestellt wurde. Tenor: Das Busnetz in seiner heutigen Form ist oft zu langsam, zu unkoordiniert und außerdem falsch getaktet. Die Untersuchung zeigte aber zum Beispiel auch: Der ÖPNV-Anteil bei allen Wegen in die Innenstadt liegt bei 43 Prozent, das ist ein Wert, wie ihn sonst nur Metropolen aufweisen. In der Hauptverkehrszeit sind Busse demnach bereits überfüllt, und: Einsparungen gingen an die Grenzen der Daseinsvorsorge. Es folgten eine Fahrgasterhebung und eine Befragung. Die Qualität des Busverkehrs wurde von den 1714 Teilnehmern auf einer Skala von 1 bis 5 (analog der Schulnoten) mit einer Durchschnittsnote von 2,9 bewertet. 77 Prozent hatten Verbesserungsvorschläge - in erster Linie eine Taktverdichtung sowie eine Verbesserung des Busangebots in Randzeiten und an Wochenenden.

Wie geht es weiter? Das Linienkonzept wird in Form von drei Szenarien erstellt. Das erste davon ist ein Einsparszenario: Um gemäß dem Haushaltssanierungsplan den städtischen Zuschussbedarf um eine Viertelmillion zu senken, würde das Busangebot auf ein Basismodell reduziert: Parallel laufende Linien würden abgebaut, schwach nachgefragte Abschnitte reduziert, am Stadtrand würde ein Rufbusbetrieb eingeführt. Und im Freizeit- und Wochenendverkehr käme es ebenfalls zu Einschränkungen. Das zweite ist ein Ausbauszenario: mit einem neuen Citytakt (alle zehn Minuten), einem Abbau von Umwegen, einem intensivierten Schnellbusangebot, besserem Wochenendangebot sowie zusätzlichen Tangential- oder Ringlinien. Und das dritte ist ein Optimierungsszenario, eine Symbiose aus dem Spar- und dem mit hohen Investitionen verbundenen Modell. Auf nachfragestarken Achsen würde das Angebot verdichtet, wichtige Anschlussbeziehungen würden verbessert, es gäbe moderate Anpassungen des Schnellbus-Angebots. Schwach nachgefragte Abschnitte würden, allerdings differenziert nach Verkehrszeiten, ausgedünnt.

Quelle: RP
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