| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Bye, bye, Mr. Drood

Mönchengladbach. Der letzte Vorhang ist gefallen für das Musical "Das Geheimnis des Edwin Drood". Das ist sehr schade. Von Inge Schnettler

Macht's noch einmal, und dann noch einmal, und noch einmal, bitte, möchte man allen zurufen, die mit der irre spritzigen und überaus witzigen Theater-Inszenierung "Das Geheimnis des Edwin Drood" die Theaterbesucher so sehr begeistert haben. (Auch noch zwei Tage danach sind die fröhlichen Auswirkungen deutlich spürbar!). Aber - der letzte Vorhang ist gefallen für Mr. Drood. Von dem wir im Übrigen immer noch nicht sicher wissen, von wem er ermordet wurde, warum - und ob überhaupt. Aber das macht gar nichts. Schließlich hat der große Charles Dickens seinen allerletzten Roman nicht zu Ende schreiben können. Er trat mittendrin ab von der Bühne des Lebens. Und so blieb es den Nachfahren überlassen, die Geschichte weiterzuspinnen und zu einem passablen Ende zu geleiten.

Der amerikanisch-britische Komponist Rupert Holmes hat 1985 aus der Romanvorlage ein Musical gemacht. Die Geschichte aus dem Londoner Vorort Cloisterham produzierte das Theater Münster 2013 nach, jetzt ist die Edwin-Drood-Begeisterung in Mönchengladbach angekommen. Es ist nicht nur die köstliche Gewitztheit des Prinzipals Tobias Wessler, der mit Charme und ein paar Seitenhieben temperamentvoll durch die Geschichte führt, es sind nicht nur die formidablen und stimmgewaltigen Darsteller, die betörenden Tänzer, die Chorstimmen, die Sinfoniker, es ist die Summe all dessen - und vor allem die überbordende Spielfreude, mit der alle Akteure das Publikum mitreißen. Außerdem der Mut zur Trivialität. Man denke an die kleine Dampflok, die über die Bühnenbretter rattert.

Und - das ist sicher - niemals waren die Schauspieler den Zuschauern so sympathisch nah. Vor Beginn des Stückes besuchten sie das Publikum in den Rängen. Und in der Pause mischten sie sich ebenfalls unters Volk. Die mit verschwörerischem Blick geraunte Aufforderung von Hochwürden Dr. Crisparkle (Thomas Peter): "Wählen Sie mich, Sie werden es nicht bereuen", nützte ihm am Ende nichts. Das Publikum, dem es oblag, den Mörder Edwin Droods zu ermitteln, entschied sich für Neville Landless (James Park). Der daraufhin sein Solo singen durfte. Wer weiß, was der Pfarrer zum Besten gegeben hätte. . .

Obwohl es in dem Musical um reichlich schlimme Dinge geht - angeordnete und verschmähte Liebe, Trunkenheit am Arbeitsplatz, Alpträume in der Londoner Opiumhöhle von Prinzessin Puffer (wirklich großartig: Kerstin Brix), letztlich um das mysteriöse Verschwinden eines Menschen, Mord? - ist es leicht und beschwingt, zum Schreien komisch und durch und durch anregend. Macht's noch einmal, möchte man ausrufen. Eine Wiederholung würde das begeisterte Publikum ganz sicher nicht verschmähen!

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Bye, bye, Mr. Drood


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.