| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Café Pflaster bietet einen geschützten Raum

Mönchengladbach. Seit 15 Jahren ist die Einrichtung eine Anlaufstelle für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten. Von Angela Rietdorf

Am Anfang standen Probleme am Alten Markt, Beschwerden der Anwohner und die Einsicht eines Polizeibeamten. "Wir hatten die Randgruppen ständig nur verdrängt und vertrieben", sagt Josef Vitz, vor 15 Jahren als Bezirksbeamter für die Altstadt zuständig. "Es war ein ständiger Kreislauf." Die Gruppen von Junkies, Obdachlosen oder Alkoholabhängigen wanderten im Altstadtbereich von einem Platz zum nächsten, blieben so lange, bis die Anwohner sich beschwerten und die Polizei eingriff. Dann zogen sie weiter. Eine andere Antwort musste her, die mehr Erfolg versprach. Sie wurde gefunden und heißt Café Pflaster.

Vor 15 Jahren, am 1. Juni 2001, öffnete der Tagestreff, von der evangelischen Diakonie betrieben, seine Türen. Und zwar in der Nähe des Alten Marktes in einem Altbau an der Aachener Straße. Gleichzeitig gingen zwei Krankenschwestern an den Start, die für aufsuchende Krankenpflege zuständig waren und ihren Stützpunkt ebenfalls im Café Pflaster hatten. Natürlich gab es zu Beginn auch Schwierigkeiten. "Die Hausordnung musste durchgesetzt werden", sagt Heike Wegner, seit nun 15 Jahren als Sozialarbeiterin im Tagestreff tätig. Das heißt etwa, dass die Besucher weder Drogen noch Alkohol dabei haben durften. Deshalb kam Vitz, gern liebevoll als Altstadtsheriff bezeichnet, zu Anfang auch schon mal mit seinem ausgebildeten Rauschgiftspürhund vorbei. Um Präsenz zu zeigen. Das hat gewirkt. "Die Szene hat das akzeptiert und letztendlich mitgetragen", erklärt der Polizeibeamte.

Diese Zusammenarbeit zwischen Sozialarbeitern und Polizei gehört zum Erfolgsgeheimnis des Cafés. "In anderen Städten gibt es häufig ein Gegeneinander und nicht ein Miteinander", sagt Brigitte Bloschak vom Diakonischen Werk. "In Mönchengladbach ist eine Vertrauensbasis gewachsen, die hält." Die Polizei schaut regelmäßig im Café vorbei und steht als Gesprächspartner zur Verfügung. Auch in anderen Zusammenhängen wurde und wird auf Kooperation gesetzt. So kamen natürlich nicht alle Betroffenen direkt mit der Eröffnung ins Café. Es gab auch weiter Gruppen, die sich in der Altstadt trafen, Spritzen, Flaschen und Müll hinterließen. Der "Sheriff" fand eine pragmatische Lösung, brachte die Gruppen dazu, ihren Müll selbst wegzuräumen. Nach einer Rechtsgrundlage für ein solches Vorgehen gefragt, sprach der damalige Polizeipräsident lächelnd von "rheinischem Recht". Mit der Zeit wurden Konflikte mit Anwohnern entschärft, und Menschen, die sich sonst nirgends willkommen fühlen, fanden einen geschützten Raum, "einen, in dem sie erwünscht sind", wie es Bloschak formuliert. Bürger unterstützen die Arbeit, bringen Spenden und sorgen für ein positives Umfeld. Zur guten Entwicklung beigetragen hat auch der Umzug in die Räume am Kapuzinerplatz neben der Christuskirche. "Der Standort ist super", sagt Wegner. Speziell die Tatsache, dass die Beratungsstelle für wohnungslose Männer und das Café nun unter einem Dach untergebracht sind, sei für die Arbeit ideal. Die Beratungsstelle kann ihre Klienten zum Frühstücken oder Duschen nach unten schicken, die Café-Besucher wiederum können sich im gleichen Haus Rat holen. Auch die Kleiderkammer und die Krankenpflege haben hier ihren Platz gefunden.

Rund 70 Besucher kommen täglich in den Tagestreff, weitere 50 in die Rheydter Einrichtung an der Brucknerallee, die es seit 2008 gibt und die inzwischen auch eine hohe Akzeptanz genießt. Gibt es einen Wunsch zum 15. Geburtstag? "Wir hoffen, dass die Bürger und die Politik uns auch weiterhin so unterstützen wie bisher", sagt Bloschak.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Café Pflaster bietet einen geschützten Raum


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.