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Mönchengladbach
CDU siegt in beiden Wahlkreisen

So erlebten Politiker die Wahl  in Mönchengladbach
So erlebten Politiker die Wahl in Mönchengladbach FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Mönchengladbach folgte bei der Landtagswahl dem NRW-Trend: Die Kandidaten der CDU lagen in beiden Wahlkreisen vor der SPD. Sozialdemokrat Hans-Willi Körfges kann wohl über die Liste sein Mandat sichern. Auch der Liberale Andreas Terhaag zieht wieder ein. Von Denisa Richters

Gejubelt wird bei der Mönchengladbacher CDU bereits um 18 Uhr. Da weiß zwar noch keiner der beiden Kandidaten - Jochen Klenner und Frank Boss -, wie das persönliche Ergebnis sein wird. Im Fernseher laufen aber die ersten NRW-Prognosen zur Landtagswahl, und die sehen die CDU viel deutlicher vor der SPD als erwartet. Wenig später zieht Hannelore Kraft aus dem drastischen Einbruch ihrer Partei Konsequenzen und erklärt ihren Rücktritt vom Amt der Ministerpräsidentin. Boss und Klenner winken ihr und lachen. "Sieht gut aus für uns", sagt Klenner. Er soll recht behalten: Am Ende des Abends siegen die Christdemokraten in beiden Wahlkreisen direkt, mit stadtweit fast 35,8 Prozent der Stimmen liegt die CDU in Mönchengladbach über dem Landesergebnis (33 Prozent) und acht Punkte vor der SPD.

Klenner kandidiert im Wahlkreis 50, im Norden Mönchengladbachs. Der gilt als sicheres Terrain für die CDU. Selbst 2012, als die Christdemokraten ihr schlechtestes Ergebnis bei einer NRW-Landtagswahl einfuhren, schaffte es Norbert Post, ein politisches Schwergewicht, knapp, seinen Wahlkreis direkt zu gewinnen. Es war eine Zitterpartie. Diesmal ist es genau andersherum. Nur kurz, als nämlich ganz am Anfang erst einer der insgesamt 99 Stimmbezirke im Norden der Stadt ausgezählt ist, liegt Angela Tillmann von der SPD vor Klenner. Doch schon bald ist klar, wie das Rennen ausgeht. Am Ende landet der CDU-Mann bei 44 Prozent - 16 Prozentpunkte vor der Sozialdemokratin.

Im Süd-Wahlkreis 49 ist es weitaus spannender. Dort liegen die klassischen SPD-Hochburgen. Mit Hans-Willi Körfges tritt ein landtagserfahrener Sozialdemokrat an. Der Rechtsanwalt war bisher Vize-Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag. Jetzt muss er nicht nur darum bangen, dass der Ratsherr Frank Boss, der erstmals für das Landesparlament kandidiert, ihn den direkten Sieg im Wahlkreis kostet. Es ist auch sehr lange offen, ob Körfges' relativ guter Platz vier auf der Landesliste der SPD überhaupt zieht und er sein Mandat behalten kann. "Ich bin Realist", sagt er. "Ich bin einfach nur sprachlos", sagt hingegen SPD-Chefin Gülistan Yüksel.

Das sei eben so in der Demokratie. Ein Satz, den man an diesem Abend von vielen Seiten hört. Auch bei den Grünen, die in Mönchengladbach wie im Land nur sechs Prozent holen. Fünf Jahre zuvor waren es noch fast zehn Prozent gewesen. "Ich erwarte von meiner Partei personelle Konsequenzen - bei der Spitze der Landespartei und der Landtagsfraktion", sagt Anita Parker, die Sprecherin der Grünen in Mönchengladbach. An den eigenen Kandidaten Lena Zingsheim und Boris Wolkowski, davon ist Parker überzeugt, habe es nicht gelegen.

Gegen 21 Uhr, als zwar noch nicht alle Stimmbezirke im Wahlkreis 49 ausgezählt sind, aber schon feststeht, dass Boss ihn sicher gewonnen hat, geht Körfges vom Ratssaal runter zum Ratskeller, wo die CDU feiert, und gratuliert seinem Herausforderer. Auch Günter Krings, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Vorsitzender der Gladbacher CDU, ist dabei. Er beruhigt Körfges: "Ihr Listenplatz wird reichen." Große Koalition im Trost. Vor allem ist Krings aber froh, "und auch ein bisschen stolz, dass wir beide Wahlkreise zurückgewonnen haben".

In Feierlaune sind auch die Liberalen. Sie holen in Mönchengladbach 13,6 Prozent, landesweit liegen sie bei 12,6 Prozent. Damit ist klar: Der Listenplatz 17 des Mönchengladbacher Landtagsabgeordneten Andreas Terhaag zieht, er schafft somit den Wiedereinzug ins Parlament - und wird möglicherweise an der Regierungsmehrheit beteiligt sein. Denn nachdem klar ist, dass die Linke den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde und in den Landtag nicht geschafft hat, ist eine Koalition zwischen CDU und FDP denkbar. Nicole Finger, Chefin der Liberalen im Gladbacher Rathaus, würde das freuen. Dieter Breymann von der CDU auch. Sein Fraktionschef Hans Peter Schlegelmilch bleibt da skeptisch, er schätzt die GroKo mit der SPD in Mönchengladbach und die Zusammenarbeit mit deren Fraktionschef Felix Heinrichs. Über das gute CDU-Ergebnis freut er sich ebenso wie Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. "Es ist ein Tag der Vernunft und der Demokratie", sagt Schlegelmilch.

Gemischte Gefühle hat Viola Walendy von der AfD. Zwar freut sie sich über den Einzug ihrer Partei in den Landtag, "ich hätte mir aber ein zweistelliges Ergebnis gewünscht". In Mönchengladbach holt die AfD stadtweit 7,6 Prozent.

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Quelle: RP
 
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