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Charly Hagen: Macher in der Stadtverwaltung

Mönchengladbach. Auf dem Gipfel war er als Bergwanderer. Beruflich arbeitete Karl-Heinz Hagen eher im Hintergrund: 43 Jahre bei der Stadtverwaltung, zuletzt ein Vierteljahrhundert als Büroleiter des Oberstadtdirektors und als Personalamts-Chef. Auch als 72-Jähriger hat er noch einige Ehrenämter. Von O. E. Schütz

Es war die letzte Blütezeit der traditionsreichen Fußballer des Rheydter Spielvereins. Frühsommer 1990: Aufstiegschance in die Zweite Bundesliga, danach das Finale um die deutsche Amateurmeisterschaft in Salmrohr. Es wurde 0:2 verloren, auch der Sprung in den Profifußball verpasst. Es waren trotzdem große Tage für den "Spö", von denen er heute in der Kreisliga nur noch träumen kann. Zwei Aufstiege in Folge, aus der Landesliga bis in die Oberliga, hatte es gegeben. Und dazu die deutsche Vizemeisterschaft bei den Amateuren. Doch diese Erfolge hat Karl-Heinz Hagen, damals Vorsitzender des RSV, in seinem Lebenslauf für diesen Artikel nicht erwähnt, die Ehre Trainer Peter Schleuter und den Spielern gelassen.

Für "Charly", den Oberstadtdirektor Helmut Freuen 1986 dem Verein als effizienten "Macher" empfohlen hatte, gibt es Erwähnenswerteres bei seinen vielen Ehrenämtern, in denen er Einiges für seine Kollegen nicht nur in den öffentlichen Verwaltungen der Republik getan hat. Im Licht der Öffentlichkeit stand er aber allenfalls als Mitorganisator der Verleihung der "Goldenen Blume von Rheydt".

43 Jahre, 1965 bis 2008, war Karl-Heinz Hagen bei der Stadtverwaltung Mönchengladbach. Von der "Lehre" bis zum Leitenden Stadtverwaltungsdirektor und Chef von 3200 Mitarbeitern. Dabei war dies zunächst gar nicht der Traumjob für ihn: Er wollte eigentlich Studienrat werden, Englisch, Erdkunde und Sport unterrichten. Doch dann starb plötzlich sein Vater, ein kaufmännischer Angestellter mit nur 49 Jahren, kaum dass der Sohn nach dem Abitur seinen 18-monatigen Wehrdienst angetreten hatte: "Da war ein Studium in weiter Ferne. Ich musste sehen, möglichst bald die Basis für einen vernünftigen Beruf zu schaffen", erzählt Hagen. Und da war die Stadtverwaltung im damaligen Rheydt eine Lösung, die Sicherheit brachte.

"Charly", wie ihn seine Freunde seit der Schulzeit nennen, hatte gelernt, mit wenig Geld auszukommen: "Ich war als Wehrpflichtiger eineinhalb Jahre bei den Panzergrenadieren in Hamburg. Natürlich wollte ich so oft wie möglich an den Wochenenden nach Hause, auch wenn dies sieben Stunden Bahnfahrt bedeutete. Doch in den 18 Monaten hat die Bundeswehr ganze vier Mal die Reise bezahlt, den Rest musste ich selbst übernehmen. Wir bekamen 69 Mark Wehrsold im Monat - und das Arbeiter-Rückfahrticket kostete 51 Mark! Da blieb kaum etwas, das ich zu Hause ausgeben konnte." Und bei der Entlassung die Feststellung: "Ich war 21, hatte noch keinen Beruf, nichts gelernt und nichts verdient."

Das Rathaus war die richtige Wahl. Karl-Heinz Hagen, schon bald junger Familienvater, kam voran. Anfang 1968 machte er die Inspektorenprüfung, wurde Beamter. Schon Ende 1969 bekam er seine erste große Chance: Versetzung ins Büro des letzten Rheydter Oberbürgermeisters, Fritz Rahmen. Seine Aufgabe, die er gekonnt erledigte: die organisatorische Vorbereitung der kommunalen Neugliederung, sprich Zusammenlegung Rheydts mit Alt-Gladbach und Wickrath zum neuen Mönchengladbach am 1. Januar 1975 auf der Verwaltungsebene.

Die Aufgabe dort für Karl-Heinz Hagen drängte sich auf: Er kam ins Organisationsamt. Und erledigte seine Aufgaben so, dass Oberstadtdirektor Helmut Freuen ihn 1982 zu seinem Büroleiter machte. Hagen: "Da saß ich an einer Stelle, an der alle Fäden zusammenlaufen. Ich gehörte zu den bestinformierten Leuten der Stadt, musste den Chef ständig auf dem Laufenden halten. Da habe ich noch mal richtig was gelernt. Eine sehr interessante Aufgabe." Doch fünf Jahre später kam der Oberstadtdirektor mit einer überraschenden Nachricht: "Unsere Wege trennen sich. Ich brauche einen Nachfolger für den ausscheidenden Leiter des Personalamtes. Und ich will dort einen Mann meines Vertrauens."

Es wurde die letzte Aufgabe für Hagen bei der Stadt. Eine, die ihn ebenfalls erfüllte: "Ich brauche Menschen zur Arbeit. Und für mich ist es ideal, wenn ich für Menschen arbeiten kann." Das neue Amt brachte eine Reihe ehrenamtlicher Aufgaben, bei denen er bald auch in überregionale Ämter berufen wurde, die er heute zu einem guten Teil auch noch als Pensionär ausübt: im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen, als stellvertretender Leiter des Studieninstituts Niederrhein mit der Feuerwehrakademie Niederrhein, als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Personalwesen. Das Ehrenamt als Richter am Landesarbeitsgericht hat er mit dem Ausscheiden bei der Stadt abgegeben. Schiedsmann für den Bezirk Odenkirchen war er von 1989 bis 2014, Bezirksvorsitzender der Schiedsleute im Landgerichtsbezirk von 2003 bis 2014.

20 Jahre, bis zu seiner Pensionierung 2008, war Karl-Heinz Hagen als Leiter des Personalamtes Chef von 3200 städtischen Angestellten und Arbeitern - mit einer 60-Stunden-Woche. Heute kann er, mit 72 Jahren, ein zufriedenes Fazit ziehen: "Ich war fleißig und habe auch viel Glück gehabt im Leben. Ich kann über das, was ich erreicht habe, sagen: Du hast es gut gemacht."

Und dann nennt er zwei Punkte seiner Arbeit, auf die er besonders stolz ist: Eingliederung und Förderung Behinderter in der Stadtverwaltung. Und Suchtberatung, ob Alkohol, Drogen, Essstörungen, Spielsucht oder Tablettenmissbrauch. Hagen: "Eine Faustregel sagt, dass etwa zehn Prozent der Beschäftigten damit Probleme haben. Wir haben viele Menschen zurück in die Arbeit gebracht und Familien das Leid genommen."

Quelle: RP
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