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Mönchengladbach
Chemo bei Brustkrebs: Weniger ist mehr

Mönchengladbach: Chemo bei Brustkrebs: Weniger ist mehr
Dr. Oleg Gluz beim Brustkrebskongress in San Antonio. FOTO: SABCS/Todd Buchanan 2015
Mönchengladbach. Mönchengladbacher Mediziner stellten auf dem weltgrößten Brustkrebskongress eine Studie vor. Die Ergebnisse können vielen Frauen möglicherweise eine lange und belastende Chemotherapie in Zukunft ersparen. Von Angela Rietdorf

Bisher gehörte es zum Credo bei der Behandlung eines besonders aggressiven Brustkrebstyps: Vor der Operation ist eine 18 bis 24 Wochen dauernde Standardchemotherapie nötig. Doch nun kann die Westdeutsche Studiengruppe, die ihren Sitz am Evangelischen Krankenhaus Bethesda der Johanniter hat, Daten präsentieren, die darauf hinweisen, dass eine sanftere und kürzere Chemotherapie vor der Operation ähnlich gute Wirkung auf den Tumor zeigt.

Die Westdeutsche Studiengruppe mit Sitz am Evangelischen Krankenhaus Bethesda der Johanniter präsentierte ihre Forschungsergebnisse beim weltgrößten Brustkrebskongress in San Antonio in Texas/ USA vor. Das Ergebnis: Die Chemotherapie verkürzt sich auf zwölf Wochen. FOTO: Janetzko

Dr. Oleg Gluz, Oberarzt am Brustzentrum Niederrhein des Bethesda und wissenschaftlicher Ko-Leiter der Studiengruppe, stellte die Ergebnisse der Studie im Rahmen eines Vortrags jetzt beim weltgrößten Brustkrebskongress in San Antonio in Texas/ USA vor.

Es geht um den triple-negativen Brustkrebs, der rund 15 Prozent der Fälle ausmacht, aber hochaggressiv ist und für etwa die Hälfte aller durch Brustkrebs verursachten Todesfälle verantwortlich ist. Bisher wurden alle Frauen, bei denen dieser Krebstyp festgestellt wurde, einer 18- bis 24-wöchigen Chemotherapie unterzogen, bei der drei bis fünf Medikamente kombiniert wurden.

In der neuen Studie wurden nun ein neueres (Nab-Paclitaxel) und ein altbekanntes Medikament (Carboplatin) kombiniert. Für beide Substanzen wird diskutiert, dass sie bei diesem Brustkrebstyp besonders effektiv sind. Die Chemotherapie wurde nur zwölf Wochen lang durchgeführt und die Wirkung am operativ entfernten Tumor überprüft. Die Ergebnisse sind ausgesprochen erfreulich. "Mit dieser optimierten Chemotherapie haben wir in der Hälfte der Zeit und mit sehr geringen Nebenwirkungen ein ähnliches Ergebnis am Tumor erzielt wie zuvor mit der längeren", erklärt Oleg Gluz. "Bei fast 50 Prozent der Patientinnen war bei der Operation kein Tumor mehr erkennbar." Werden bei der nachfolgenden Operation keine Spuren des Tumors mehr gefunden, haben die Patientinnen, die unter diesem aggressiven Krebstyp leiden, eine exzellente Prognose.

Die Mönchengladbacher Studienergebnisse stießen auf dem Kongress in San Antonio auf großes Interesse, denn sie fügen sich in eine Entwicklung hin zu einer stärker individuell ausgerichteten, maßgeschneiderten Behandlung ein. Bei einem anderen Brustkrebstyp, dem HER2 positivem Brustkrebs, konnten die Wissenschaftler der WSG, vertreten durch Prof. Harbeck von der LMU München, einen weiteren Vortrag platzieren. Bei dieser Krebsart wurden hervorragende Ergebnisse allein durch eine antikörpergesteuerte Chemotherapie - also unter gänzlichem Verzicht auf konventionelle Chemotherapie- erzielt.

"Es gibt in der Systemtherapie eine Entwicklung hin zu maßgeschneiderten Konzepten mit guten Ergebnissen und Reduktion der Chemotherapiekomponente", so Prof. Ulrike Nitz vom Brustzentrum Niederrhein und medizinische Leitung der WSG. Die Gruppe dankt den 340 Patientinnen aus 40 Zentren in Deutschland und natürlich insbesondere den Frauen aus Mönchengladbach und Umgebung, die als Teilnehmerinnen an der Studie diese Arbeit ermöglicht haben.

Quelle: RP
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