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Mönchengladbach
Christlicher Segen per Aufkleber

Mönchengladbach. An rund 250 Haustüren klingeln die Sternsinger pro Tag. Immer weniger Menschen öffnen den Kindern, viele geben aber mehr Geld. Von Laura Harlos

Dicke Regentropfen fließen an der goldenen Krone von Nils Pernack (12) herunter. Auch die Gewänder von Martha Coenen (16) und Max Hueber (12) hängen vollgesaugt mit Wasser über dem Boden. Gerade verlassen die drei Sternsinger den Wendekreis im Neubaubaugebiet der Hermann-Hesse-Straße, da kracht hinter ihnen ein Gartentor zu.

"Halt, wartet", ruft Richard Simon* (*Name geändert) und läuft im T-Shirt auf die Straße. "Könnt ihr bei mir noch einmal rum kommen, ich habe die Klingel nicht gehört." Für ihn sei das eine wichtige Tradition, sagt der Mann aus Venn. Er spüre eine innere Unruhe, wenn er den Segen "C+M+B - Christus mansionem benedicat" nicht über seiner Haustür hätte. Sternsinger Nils ist der Größte in der Gruppe. Langsam klebt er den Aufkleber auf die Fläche - schön gerade soll es sein.

Jedes Jahr sind die Sternsinger der Kirchengemeinde St. Maria Empfängnis für drei Tage an den Straßen rund um Venn unterwegs. Eine Tour beginnt morgens um neun, nach einem Mittagessen steht gegen 14 Uhr die zweite Route an. "Pro Tour klingeln wir an fast 250 Haustüren", sagt Martha, die bereits zum achten Mal dabei ist. Auch Max und Nils sind keine Anfänger. 2018 ist bereits ihr fünftes Jahr als Melchior und Balthasar in Folge. Was allen drei Kindern auffällt: Die Zahl der Sternsinger geht immer weiter zurück.

"Als ich angefangen habe, waren wir vielleicht 50", sagt Max. In diesem Jahr kamen in der Gemeinde knapp 30 Kinder zusammen. "Ich weiß nicht, woran es liegt", sagt Nils. "Wahrscheinlich zocken die lieber vor dem Bildschirm." Vielleicht seien vielen Jugendlichen auch die Gewänder peinlich, vermutet Martha.

In der Nachbargemeinde St. Nikolaus Hardt hat sich die Teilnehmerzahl in den vergangenen zehn Jahren sogar halbiert. "Damals haben bei uns rund 80 Kinder gesammelt, heute sind es im Schnitt 35 bis 40", sagt Organisatorin Waltraud Schmitt. "Aber auf diese Zahl an Sternsingern haben mit uns mittlerweile eingestellt und können das Gebiet auch so ganz gut abdecken."

Im Gebiet von Martha, Nils und Max stehen nicht nur Einfamilienhäuser. Auch Hoch- und kleinere Mehrfamilienhäuser reihen sich an der Ecke Thomas-Mann/Hermann-Hesse-Straße. "Die Hochhäuser lassen wir manchmal auch aus", sagt Max. "Hier macht uns meistens sowieso keiner auf." Wer die Tür nicht öffnet, bekommt einen Zettel in den Briefkasten und kann nachträglich um einen Segen bitten.

Vom Gefühl her würden generell weniger Leute die Türe öffnen als noch vor ein paar Jahren, sind sich alle drei einig. Manch einer wisse auch gar nicht was los ist, wenn die verkleideten Kinder vor der Haustüre anfangen zu singen.

Weniger offene Türen bedeuten aber nicht weniger Spendengelder. "Die einzelnen Spenden sind deutlich höher geworden", sagt Martha. "Die höchste Spende lag bei 50 Euro." Im Durchschnitt geben Menschen für den christlichen Segen per Aufkleber fünf Euro aus. Jährlich kommen so 8000 bis 9000 Euro zusammen, die Kindern in Indien zugute kommen. Dabei kommen die größeren Spenden nicht unbedingt von wohlhabenden Bewohnern. "An Haustüren von reichen Leuten gibt es oft die kleineren Spenden", sagt die Schülerin.

Manchmal gäbe es auch keine Spende, weil die Leute es einfach vergessen würden. "Einmal hat uns ein Mann aufgemacht, der nur im Badehandtuch eingewickelt vor uns stand", sagt Nils. "Er sagte, er sei beschäftigt, wir könnten aber gerne einen Segen aufkleben."

Quelle: RP
 
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