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Mönchengladbach
"Comeback" als Chance für Schulverweigerer

Mönchengladbach. Rund 200 Schüler in der Stadt häufen jeweils mehr als 100 unentschuldigte Fehlstunden im Jahr an. Von Angela Rietdorf

Viele Eltern haben schon mal eine Schulstunde geschwänzt. 30 unentschuldigte Fehlstunden im Jahr sind bedenklich. Und bei 100 Fehlstunden schrillen alle Alarmglocken. Rund 200 Schülerinnen und Schüler in Gladbach haben mindestens hundert Schulstunden verpasst und zählen zu Schulverweigerern. Nach Schulformen aufgegliedert bedeutet das, dass vier Prozent Förderschüler, fünf Prozent Hauptschüler sowie jeweils 0,4 Prozent Gesamtschüler und Realschüler zu den Schulverweigerern gehören. Von den Gymnasien wird kein Fall gemeldet. Diese Zahlen wurden im Schulausschuss vorgestellt.

Schüler gehen aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr regelmäßig oder gar nicht in die Schule. Manche werden gemobbt, fühlen sich über- oder unterfordert, leiden unter ständigen Misserfolgen und damit unter Perspektivlosigkeit oder werden vom Elternhaus nicht unterstützt oder sogar behindert. So gibt es Fälle, in denen Jugendliche nicht zur Schule gehen, weil sie auf ihre alkoholkranken Eltern aufpassen wollen. Oder in denen die Eltern keinen Wert auf Bildung legen - es ist ihnen egal, ob ihre Kinder schwänzen oder nicht. Die Schulen haben verschiedene Instrumente, um auf andauerndes Schulschwänzen oder Schulverweigerung zu reagieren: Sie suchen das Gespräch mit Eltern und Schülern, sie versuchen, dass Lehrer-Schüler-Verhältnis zu verbessern oder setzen Maßnahmen ein, um Lernerfolg zu ermöglichen. Schulsozialarbeiter oder der schulpsychologische Dienst können eingeschaltet werden. Nützt das alles nicht, wird das Ordnungsamt beauftragt, den Schulbesuch sicherzustellen. Über hundert Mal kam das im vergangenen Jahr vor.

In einigen Fällen kann das Projekt Comeback die Schüler wieder an die Schule heranführen. Das seit 2007 existierende Projekt bietet insgesamt 30 Plätze, verteilt auf zwei Gruppen. Drei Lehrer und ein Sozialarbeiter kümmern sich um den Unterricht und die Betreuung der Jugendlichen. Die Einrichtung liegt in einem Gebäude im Grünen und ist an die Hauptschule Dohr angegliedert. Neben der Vermittlung von Inhalten, wie sie auch auf dem Lehrplan der Hauptschule stehen, wird viel Wert auf Tugenden wie Pünktlichkeit, Teamfähigkeit oder Zuverlässigkeit gelegt. Das Besondere: Der Schüler oder die Schülerin unterzeichnet einen Vertrag mit der Einrichtung, in dem er oder sie sich verpflichtet, die Regeln einzuhalten. Die Betreuung durch das Team ist eng, die Atmosphäre familiär. Der Erfolg spricht für das Projekt: In 80 Prozent der Fälle gelingt es, die Schüler wieder in die Regelschule einzugliedern. "Wir setzen auf positive Bestätigung", erklärt Sozialarbeiter Markus Lamberti.

Quelle: RP
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