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Interview mit Sinan Heesen
"Comedy-Szene ist transparent und fair"

Interview mit Sinan Heesen: "Comedy-Szene ist transparent und fair"
Sinan Heesen hat im Berufskolleg am Platz der Republik eine Ausbildung zum "Gestaltungstechnischen Assistenten" gemacht. Schon damals gründete er eine eigene Firma. Inzwischen ist er Geschäftsführer des TIG. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Sinan Heesen, Eventmanager und neuer Geschäftsführer des TIG, über seine liebsten Veranstaltungen, die Wünsche der Stars und die Ausrichtung des TIG.

Herr Heesen, Sie sind 24 Jahr alt und haben bereits mit 18 Jahren Ihre eigene Firma "Unnormal Entertainment" gegründet. Despektierliche Frage: Warum haben Sie eigentlich nichts Gescheites gelernt?

Heesen Habe ich doch. Meine Laufbahn bis jetzt läuft, und es gibt tolle Aussichten. Ich habe eine Ausbildung gemacht: zum Gestaltungstechnischen Assistenten im Berufskolleg am Platz der Republik. Im zweiten Jahr habe ich aber schon meine eigene Firma gegründet. Meine Lehrer haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und mich gefragt, wie ich das schaffen will. Sie haben mich unterstützt und auch mal ein Auge zugedrückt.

Wie hat denn alles angefangen?

Heesen Angefangen hat es eigentlich mit der Feier, die ich zu meinem 16. Geburtstag organisiert habe. Meine Freunde waren begeistert und haben gesagt, ich solle weitere Veranstaltungen planen. Dabei bin ich gar nicht der Partytyp. Aber ich wusste, an welchen Fäden man ziehen muss, um eine tolle Veranstaltung zu organisieren.

Wie geht das denn? Was machen Sie anders als andere?

Heesen Es kommt zum Beispiel auf die Raumgröße an, die muss passen, damit sich Stimmung entwickeln kann. Auch Details wie eine Moderation sind wichtig. Und das Eingehen auf die Wünsche des Publikums. Das war bei meiner ersten Party natürlich einfach: Es waren nur 25 Gäste. Die dritte Veranstaltung war im Übrigen schon für tausend Gäste. Aus dem Partybereich bin ich aber schnell wieder ausgestiegen, jetzt sind unter den Veranstaltungen, die ich mache, nur rund zehn Partys jährlich, dafür aber große mit bis zu 2.000 Gästen. Den Kulturbereich finde ich interessanter.

Aber Sie organisieren auch Abi-Partys und Abi-Bälle.

Heesen Ja, im vergangenen Jahr haben wir für 23 Schulen gearbeitet und zwölf Abibälle ausgerichtet. Die Schulen haben meist ein Motto, das dann auch die Dekoration bestimmt. Ich habe gerade mit einem Abi-Komitee zusammengesessen, deren Motto sich um das Thema Strand dreht. Da wird es eine schicke Deko mit Palmen geben.

Wird das nicht sehr teuer, wenn eine Agentur wie Ihre einen Abiball organisiert?

Heesen Eigentlich nicht, ganz im Gegenteil. Planungen in Eigenregie werden oft teurer. Als ein Dienstleister für alle benötigten Mittel mit zahlreichen Leistungen aus dem eigenen Pool kann ich das gesamte Paket günstiger anbieten als zum Beispiel zwanzig einzelne Dienstleister. Die Kosten belaufen sich bei beispielsweise einem Abiball auf 40 bis 60 Euro pro Gast für alle relevanten Leistungen, je nachdem, wie groß das Budget der Schüler ist.

Sie kommen aus Viersen. Warum sind Sie jetzt in Gladbach aktiv?

Heesen Ich bin Wahl-Gladbacher. Mönchengladbach ist unglaublich offen, es gibt hier viele Möglichkeiten. Es sind sehr viele Profis unterwegs, viele Veranstaltungen sind qualitativ hochwertig. Alles geht in eine sehr positive Richtung. Die Vernetzung ist gut, man kennt sich.

Ihr Unternehmen heißt "Unnormal Entertainment". Wie sind Sie auf diesen Namen gekommen?

Heesen Ich saß beim Notar und der wollte wissen, wie die Firma heißen sollte. Ich hatte vorher gar nicht so darüber nachgedacht, aber "Unnormal Entertainment" fiel mir spontan ein - und es passt.

Sie sind in sehr vielen Bereichen unterwegs. Was organisieren Sie am liebsten?

Heesen Ganz klar: Konzerte beziehungsweise jede Art von öffentlicher Show. Wir haben in diesem Jahr 250 Konzerte bundesweit mit über 100.000 Zuschauern. Dazu kommen noch 300 private Projekte - von der Gartenparty bis zur Weihnachtsfeier. Natürlich auch Einzelleistungen wie unseren Foodtruck oder die Fotobox.

Das schaffen Sie aber nicht alles allein, oder?

Heesen Nein, natürlich nicht. Ich habe die besten Kollegen! Vier Mitarbeiter und eine Auszubildende helfen mir bei allen Aufgaben. Es werden in diesem Jahr noch weitere Mitarbeiter dazu kommen. Zum 1. August stelle ich zum Beispiel einen Koch fest ein, der bisher unter anderem für alle Abi-Bälle gekocht hat. Wir planen eine Restauranteröffnung, und der Koch ist als Betriebsleiter vorgesehen. Dazu kommen noch ein Mitarbeiter für Privatkunden sowie Unterstützung für unsere Marketing und PR-Leiterin. Und ich habe dieses Jahr eine weitere Ausbildungsstelle zur Veranstaltungskauffrau besetzt.

Sie organisieren bundesweit Konzerte und zum Teil auch Comedy-Veranstaltungen. Alles mit Ihren eigenen Leuten?

Heesen Nein, vor Ort sind lokale Mitarbeiter aktiv. Aber ich bin natürlich dort, habe eine Akte mit allen relevanten und gebuchten Dingen dabei und passe auf, dass alles läuft. Auf Dauer ist es mein Ziel, alles vorzuplanen. Dann braucht man vor Ort nur noch die richtigen Leute, die ausführen. Auch wenn mir die Betreuung von Künstlern Spaß macht, ist es doch schön, sich aus der Thematik raus zu halten.

Sie haben hier einen großen Tourneekoffer stehen. Was ist da drin?

Heesen Den haben wir gerade angeschafft. Da ist alles drin, was ein Künstler vor seinem Auftritt braucht: eine Kaffeemaschine, Obst, Handtücher, ein Bügeleisen, Gummibärchen. Es gibt natürlich Künstler, die haben ganz bestimmte Wünsche wie Red Bull zuckerfrei oder Wick-Blau-Bonbons. Das ergänzen wir dann.

Was war denn der ungewöhnlichste Wunsch eines Künstlers, der an Sie herangetragen wurde?

Heesen Das interessanteste Szenario, das ich erlebt habe, liegt schon ein paar Jahre zurück. Da war ich 19, und der Künstler hatte vorgegeben, dass er mindestens mit einer S-Klasse oder einem Audi A8 vom Flughafen abgeholt werden wollte. Wahlweise ginge auch ein Porsche Cayenne oder ein Panamera. Ich habe dann auch eine solche Limousine als Leihwagen bestellt, aber nicht bekommen. Es gab in ganz Gladbach nur einen VW Touareg. Damit bin ich dann zum Flughafen, und der Künstler hat sich geweigert einzusteigen.

Und dann? Ist er wieder abgeflogen?

Heesen Nein, ich konnte das dann doch noch mit seinem Agenten klären. Wir haben uns schließlich ganz gut verstanden und am nächsten Tag sogar gemeinsam gefrühstückt.

Wer war das?

Heesen Das verrate ich nicht.

Gab es auch schon ein besonders schönes Erlebnis?

Heesen Im Bereich Comedy und Kabarett gibt es viele tolle und sehr sympathische Künstler. Bernhard Hoecker ist klasse, ebenso wie Bernd Stelter und Anka Zink. Die Comedy-Szene ist aber auch besonders fair und transparent. Wenn man gut zusammengearbeitet hat, kommen die Künstler immer wieder.

Sie haben jetzt die Geschäftsführung des TIG übernommen. Wird sich etwas ändern?

Heesen An bestehenden Veranstaltungen wird nicht gerüttelt. Aber wir optimieren. Es werden nicht mehr zwei bis drei, sondern sechs Veranstaltungen pro Woche stattfinden: von dienstags bis donnerstags Kabarett und Comedy, freitags Musik- und Tanzveranstaltungen, der Samstag ist für die Vermietung und damit für Privatgesellschaften reserviert. Sonntagvormittags ist die evangelische Gemeinde da, und abends gibt es noch mal Veranstaltungen aus der Rubrik Wort. Die Räumlichkeiten werden renoviert und es wird neue Technik eingesetzt. Ein Schwerpunkt wird auf der Förderung junger regionaler und überregionaler Künstler liegen.

DAS INTERVIEW FÜHRTEN INGE SCHNETTLER UND ANGELA RIETDORF.

Quelle: RP
 
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