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Serie Denkanstoß
Danke!

Mönchengladbach. In unserem Dank sind wir aufgerufen, das Unsere dafür zu tun, dass die Not der anderen aufhört. Von Burkhard M. Kuban

Not lehrt Beten. Heißt es. Viele werden das aus eigener Erfahrung bestätigen können. Momentan gibt es so viel Anlass zum Klagen. Scheint zumindest so. Ein Gefühl der Unsicherheit begleitet uns. Und dann übermorgen "DANKE!" sagen? Dankgebete sprechen für augenscheinlich Selbstverständliches? Wie passt das denn?

Am Sonntag feiern viele Christen in Deutschland und darüber hinaus das Erntedankfest. Das einzige (evangelische) kirchliche Fest, das keinen direkten Bezug zum Jesus-Geschehen hat. Und es ist mit das älteste, es wird mindestens 100 Jahre länger gefeiert als Weihnachten.

Was wir heute Lebende - die wir auch an Weihnachten Erdbeeren und schon seit Anfang des Monats Lebkuchen kaufen können - Brot sowie der gewünschte Belag nie Mangelware sind, gar nicht mehr nachvollziehen können. Die Allermeisten bauen nichts für ihre Grundversorgung an, wenige kennen einen Bauern persönlich. Brot besorgen wir uns im Supermarkt, im Back-Shop, manchmal auch beim Bäcker. Wir gehen davon aus, praktisch rund um die Uhr Nahrung erstehen zu können.

Dass ausreichend Nahrung nicht selbstverständlich ist, auch nicht in unserer Stadt, haben wir vergessen. Vielleicht fällt es uns ein, wenn wir (zufällig) an der Ausgabestelle der Mönchengladbacher Tafel vorbeikommen oder über den Edmund-Erlemann-Platz schlendern. Der Namensgeber setzte sich an die Spitze derer hier vor Ort, die darauf hinweisen, dass es auch in Mönchengladbach Menschen gibt, die beileibe nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit zu essen haben. Und da sind die Hungernden weltweit noch gar nicht im Blick.

Am Sonntag werden die Kirchen wieder schön geschmückt sein und wir feiern Erntedank-Gottesdienste. Wenn uns der Dank nicht im Halse steckenbleibt ob der Bilder aus Aleppo.

Beides gehört zusammen und ist nicht zynisch - wenn wir Menschen bleiben. Ja, es gibt viel Grund zum Danken für uns. Dass wir hier geboren wurden und nicht im Slum von Kalkutta (das ist nicht selbstverständlich). Dass wir im Frieden leben dürfen. Dass es ärztliche Versorgung gibt. Dass wir schöne Herbsttage hatten. Liebe Menschen um uns. Medien nutzen können, in Urlaub fahren, so vieles wäre zu ergänzen, das fülle bitte jede und jeder für sich. Aber auch in dem Wissen, dass es viele, die Mehrzahl aller Menschengeschwister, gibt, denen das eben nicht vergönnt ist.

In unserem Dank sind wir aufgerufen, das unsere dafür zu tun, dass die Not der anderen aufhört. Natürlich kann und werde ich nicht persönlich in Aleppo zum Frieden beitragen können. Aber die Hände falten zu einem Gebet, das kann ich allemal. Ich kann mit offenen Augen und Herzen durch meine Umgebung laufen und ich kann abgeben, sogar etwas opfern, nicht nur von meinem Überfluss. Sage keiner, dass das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre. Auch wenn wir erst am Herbstanfang stehen, passt das Bild: die zweimillionstefünfhunderttausendachthunderteinundvierzigste - kleine, unscheinbare, leichte - Schneeflocke war es, die den Ast abbrechen ließ.

Wir dürfen und ich meine, wir müssen sogar Danke sagen, weil nichts selbstverständlich ist auf dieser Welt. Ganz bewusst - und mit der nötigen Konsequenz.

DER AUTOR IST EVANGELISCHER PFARRER IN HARDT.

Quelle: RP
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