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Mönchengladbach
Das alte Monforts-Herzstück pulsiert

Mönchengladbach: Das alte Monforts-Herzstück pulsiert
Technikumsleiter Fred Vohsdahl (noch 62) wird 2017 seit 50 Jahren im Unternehmen angestellt sein. Er gilt dort neudeutsch als "Troubleshooter" - als Mädchen für alles quasi. "Also bin ich auch das Fotomodell", sagt er. Die Maschine, die er im Bild bedient, ist 42 Meter lang und bei weitem nicht die längste aus dem Hause Monforts. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Mit Textilmaschinen wurde das längst zerschlagene Firmenimperium einst groß. Die darauf spezialisierte Rest-Firma ist ein Weltmarktführer und zählt Benetton, Lacoste und 3M zu ihren Kunden. Ein Besuch im SMS-Businesspark. Von Jan Schnettler

Die Situation war knifflig: Ein Großprojekt lag letztes Jahr über Monate auf Eis, weil das Embargo im Zuge des Russland-Ukraine-Konflikts einen Strich durch die Export-Rechnung machte. "Der Abnehmer war ein Großkonzern, der zu einem kleinen Teil auch Militäruniformen herstellt", erläutert Klaus A. Heinrichs, Prokurist der A. Monforts Textilmaschinen. Der Auftrag war lange vor Inkrafttreten des Embargos erteilt worden - aber es dauerte noch mal so lange, bis die Exportgenehmigung endlich vorlag. Am Ende ging also doch noch alles gut für das Mönchengladbacher Traditionsunternehmen, das aus dem früheren Monforts-Firmenimperium hervorgegangen ist. Und einst so etwas wie dessen Keimzelle war.

"Monforts wurde mit Textilmaschinen groß", sagt Heinrichs. Eisengießerei (2011 liquidiert), Werkzeugmaschinen (nach zwei Insolvenzen seit 2015 in taiwanesischer Hand), Walzen- und Bürstentechnik (bereits 1957 als IBG Monforts ausgegliedert) - all diese Bereiche, die Monforts auch einmal ausmachten, kamen erst später. "Schon 1893, neun Jahre nach der Gründung, verkaufte August Monforts Textilmaschinen nicht nur hier vor Ort, sondern stellte sie mit Erfolg auf der Weltausstellung in Chicago aus", so Heinrichs weiter.

Seitdem ist viel passiert - auch A. Monforts Textilmaschinen musste wiederholt abspecken. Zuletzt 2013, als ein Fünftel der damaligen Belegschaft gehen musste. Damit einher ging der Umzug vom Stammsitz im heutigen Monforts-Quartier in den SMS-Businesspark an der Blumenberger Straße. Damit einher ging auch, noch mehr als zuvor, die Fokussierung auf Verwaltung und Entwicklung am Sitz Mönchengladbach. Damit einher ging aber auch der Bau eines mehr als zwei Millionen Euro teuren Technologiezentrums, das die Leistungsfähigkeit des Unternehmens aufzeigt und an dem sich auch etliche der Monforts-Zulieferbetriebe beteiligt haben.

"Während beispielsweise Trützschler am Anfang der textilen Kette steht, stehen wir am Ende. Nach uns kommt nur noch die Konfektion", erläutert Heinrichs. Denn jedes Textil muss veredelt werden. Monforts-Maschinen werden individuell für den Kunden produziert - doch von jeder Veredelungsart steht eine, voll produktionsfähig, im Technikum. Für Web- und Maschenwaren - Lacoste und Benetton sind Kunden. Für Airbags. Für technische Membrane wie Goretex. Für den zukunftsträchtigen Denim-Stoff, der etwa bereits in Motorradschutzkleidung verwendet wird. Für so genannte Geotextilien - "auch so ein Zukunftsthema", sagt Heinrichs. So existierten etwa bereits Brücken aus Textilbeton, die ohne Stahl auskämen, Akkus in Elektroautos hätten ein textiles Innenleben - "und so werden für die Außenbeplankung des A 380 bereits gebackene Textilmatten verwendet".

Die Bandbreite bei Monforts ist entsprechend groß - viele regionale Unternehmen wie 3M, Aunde, Tuchfabrik Willy Schmitz und Junkers & Müllers zählen zu den Kunden. Doch auch an einem Weltraumanzug-Projekt für chinesische Taikonauten ist man schon beteiligt gewesen. Das Technologiezentrum sei gegenüber der Konkurrenz ein absolutes Alleinstellungsmerkmal - zusammen mit dem Entwicklungs-Know-how und der technologischen Beratung. Ein Drittel der rund 100 Mitarbeiter am Stammsitz seien Ingenieure: "Wir fahren voll die High-Tech-Schiene." Monforts sei führend bei der Wärmerückgewinnung, bei integrierter Abluftreinigung, beim energiesparenden und umweltschonenden Einsatz der Anlagen, sagt Heinrichs. Und: "Im Fong's-Konzern sind wir die Denkfabrik in Sachen Veredlungsmaschinen." Zu den Chinesen von Fong's gehört Monforts seit 2012, Fong's wiederum der China Hi-Tech-Group, dem weltweit zweitgrößten Textilmaschinenlieferanten.

Produziert werden die bis zu zwei Millionen Euro teuren Maschinen seit vielen Jahren größtenteils in Österreich (70 Mitarbeiter, rund 80 große Spezialanlagen pro Jahr) und China (700 Mitarbeiter, Standardmaschinen). Dazu gibt es knapp 90 Repräsentanzen weltweit. Zuletzt wurde ferner das Know-how des österreichischen Beschichtungsanlagen-Herstellers Timatec integriert. Zusammen laufen alle Fäden in Gladbach - hier sind der Leitstand und das Serviceportal angedockt, hier schätzt man die Kooperation mit regionalen Zulieferern und der Hochschule Niederrhein. "Von der Textilhochburg Mönchengladbach sind nur die Guten übriggeblieben", sagt Heinrichs. "Und die sind alle auf dem Weltmarkt führend."

Wie Monforts. Den schwammigen Titel "Weltmarktführer" bekam das Unternehmen von der Universität St. Gallen gerade übrigens hochoffiziell angedient, als einziges in Gladbach. Doch es will die Lorbeeren gar nicht haben. "Wir haben keine Lust, für diesen Titel 8000 Euro zu bezahlen", sagt Heinrichs. "Uns ist wichtiger, dass die Kunden Service, Qualität und Langlebigkeit unserer Produkte zu schätzen wissen."

Quelle: RP
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